Verschiedene Ansichten über Gott

Der Katholizismus mit seiner großartigen Beharrlichkeit, seinen absoluten Dogmen, seinen schrecklichen Verdammnissen und seinen unermesslichen Belohnungen, die religiöse Anarchie der Reformation, altertümliches Heidentum: sie alle finden hier ihre Stellvertreter. Man verehrt dort bereits auf sechs unterschiedliche Weisen das Höchste Wesen, das alle Menschen nach seinem Vorbild geschaffen hat. Man macht sich mit Eifer den Himmel streitig, auf den jeder ein exklusives Erbe geltend macht. Und mehr noch, mitten im Elend von Einsamkeit und gegenwärtigen Übeln, erschöpft sich die menschliche Vorstellungskraft damit für die Zukunft unaussprechliche Leiden auszubrüten. Der Lutheraner verurteilt den Calvinisten zum ewigen Fegefeuer, der Calvinist den Unitarier und der Katholik fasst sie alle in einem allgemeinen Missfallen zusammen.

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Opinions diverses à l’égard de Dieu

Le catholicisme avec son immobilité formidable, ses dogmes absolus, ses terribles anathèmes et ses immenses récompenses, l’anarchie religieuse de la Réforme, l’antique paganisme trouvent ici leurs représentants. On y adore déjà en six manières différentes l’Être unique et éternel qui a créé tous les hommes à son image. On s’y dispute avec ardeur le ciel que chacun prétend exclusivement son héritage, bien plus, au milieu des misères de la solitude et des maux du présent, l’imagination humaine s’y épuise encore à enfanter pour l’avenir d’inexprimables douleurs. Le luthérien condamne au feu éternel le calviniste, le calviniste l’unitaire et le catholique les enveloppe tous dans une réprobation commune. Pdf S.42

Die Religion

Wir fuhren fort: Dringt die Stimme der Religion manchmal bis zu ihnen (den Siedlern) durch? – Sehr selten; man hat in unseren Wäldern noch nichts vorsehen können, um die öffentliche Abhaltung eines Gottesdienstes zu ermöglichen. Fast jeden Sommer, das schon, durchstreifen einige Methodistenpfarrer die neuen Siedlungen. Die Nachricht ihrer Ankunft verbreitet sich wie ein Lauffeuer von Hütte zu Hütte, es ist die große Neuigkeit des Tages. Zum festgesetzten Zeitpunkt macht sich der Siedler mit seiner Frau und seinen Kindern auf gerade erst frisch durch den Wald geschlagenen Pfaden auf zum verabredeten Treffpunkt. Sie kommen aus einem Umkreis von 50 Meilen dorthin. Es ist keineswegs eine Kirche, wo sich die Gläubigen versammeln, sondern unter freiem Himmel, unter dem Blätterdach des Waldes. Eine Kanzel aus grob behauenen Baumstümpfen, große umgehauene Bäume als Bänke: so sieht die Ausstattung der rustikalen Kirche aus. Die Siedler und ihre Familien campen in den umliegenden Wäldern. An diesem Ort hält die Menge einen selten unterbrochenen Gottesdienst ab, der drei Tage und Nächte lang dauert. Man muss gesehen haben mit welcher Inbrunst sich die Menschen dem Gebet hingeben, mit welcher Andacht sie der weihevollen Stimme des Pfarrers lauschen. In der Wildnis ist man regelrecht ausgehungert nach Religion.

Deutsch von Robert Seidemann

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La religion

Nous reprîmes: « La voix de la religion parvient-elle quelquefois jusqu’à eux? – Très rarement; on n’a pu encore rien prévoir dans nos bois pour assurer l’observation publique d’un culte. Presque tous les étés, il est vrai, quelques prêtres méthodistes viennent parcourir les nouveaux établissements. Le bruit de leur arrivée se répand avec une incroyable rapidité de cabane en cabane; c’est la grande nouvelle du jour. À l’époque fixée, l’émigrant, sa femme et ses enfants, se dirigent à travers les sentiers à peine frayés de la forêt vers le rendez-vous indiqué. On y vient de 50 milles à la ronde. Ce n’est point dans une église que se réunissent les fidèles, mais en plein air, sous le feuillage de la forêt. Une chaire composée de troncs mal équarris, de grands arbres renversés pour servir de sièges, tels sont les ornements de ce temple rustique. Les pionniers et leurs familles campent dans les bois qui l’entourent; c’est là que pendant trois jours et trois nuits la foule pratique des exercices religieux rarement interrompus. Il. faut voir avec quelle ardeur ces hommes se livrent là la prière, avec quel recueillement on écoute la voix solennelle du prêtre. C’est dans le désert qu’on se montre comme affamé de religion. Pdf p.25

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Vom Verschwinden der Ureinwohner

In mitten dieser ach so zivilisierten, so pedantisch auf Moral und Tugend versessenen  Gesellschaft begegnet man einer vollkommenen Empfindungslosigkeit, einer Art eiskaltem und erbarmungslosen Egoismus sobald  es sich um die indigenen Bewohner Amerikas handelt. Die Einwohner der Vereinigten Staaten machen keine Hetzjagd auf Indianer wie es die Spanier in Mexiko machten. Aber es ist dieselbe unbarmherzige Grundhaltung die hier wie überall sonst die europäische Rasse antreibt.

Wie oft begegneten uns während unserer Reise ehrbare Bürger die uns zu abendlicher Stunde, gemütlich in einer Ecke ihres Heims sitzend sagen: Täglich geht die Anzahl Indianer zurück. Das geschieht nicht unbedingt weil wir sie dauernd bekriegen, aber der Schnaps den wir ihnen billig verkaufen rafft jedes Jahr mehr von ihnen hinweg als es unsere Waffen je könnten. Diese Welt  hier gehört uns, fügen sie hinzu. Gott hat den ersten Einwohnern dieses Landes die Möglichkeit der Zivilisation verwehrt und sie so im Vorhinein zur unausweichlichen Vernichtung vorbestimmt. Die wahren Besitzer dieses Landes sind diejenigen, die es verstehen, ihm seine Reichtümer zu entreißen. Soweit zufrieden mit seinen Überlegungen geht der Amerikaner dann in seine Kirche, wo er einem Verbreiter der Evangelien zuhört, der ihm widerholt, dass alle Menschen Brüder sind und sie der Schöpfer sie alle nach demselben Vorbild gemacht hat und ihnen allen die Aufgabe mitgegeben hat sich zu gegenseitig zu beschützen.

Deutsch von Robert Seidemann

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Recognitions

Eine nicht enden wollende Kette von Wiedererkennen zieht sich durch das Buch. Wenn man den ausgelegten Pisten von Gaddis folgt, gerät man schnell in andere Geisteswelten. Viele sind längst vergangen, haben aber in Wörtern, Bildern, Texten oder der Musik ein für allemal Zeichen gesetzt, sind in unsere Gedankenwelt eingegangen. Es handelt sich um eine Art von Kulturgeschichte der westlichen Zivilisation, ähnlich wie sie von Friedel verfasst wurde, nur eben jetzt in Romanform.

Generell sind bei Gaddis die drei Grundpfeiler des des amerikanischen Wesens beschrieben:
Geld (JR) Religion (Recognitions) und Gerichtsbarkeit (Frolic of ist own).

Religion

Unter der trostlosen Oberfläche des Sonntäglichen Einerleis der Gottesdienste einer reformierten und dabei zu Tode säkularisierten Gemeinde „die grauen Gesichter“ besinnt sich Referent Gwyon auf das katholische Christentum. Heilige, Märtyrer, Päpste und ihre häretischen Gegenspieler ziehen an ihm vorüber. Das Ganze gewürzt mit ironischen Anspielungen auf Namen und Orte die sich zwar auf den ersten Blick authentisch klingen, aber reine Ironie sind. Dazu gehört der Aufenthalt im Kloster San Zwingli de la Otra Vez, einer verwegenen Kreuzung des Schweizer Reformators mit den Spanischen Mönchen vom anderen Mal mit dem Orgelspieler Manomuerto, dem toten Händchen. Von da aus sind es nur noch wenige Schritte zum Mithraskult. Feierliche Anlässe sind dazu Weihnachten, die Saturnalien, das Mithrasfest, die heidnischen Feiern der Wintersonnenwende, alles findet zur gleichen Zeit statt, dient im weltlichen Bereich gleichen Zwecken und wird kreuz und quer zitiert.

Musik: Es klingt immer wieder Musik: z.B.Opern

Malerei: Schwerpunkt ist die flämische Malerei und als Thema die Fälschung der Werke bzw. der Hinzuerfindung

Literatur

Poesie: es klingen Gedichte an, oft nur angedeutet

Polyglott: das Buch enthält Passagen auf: Deutsch, Ungarisch, Spanisch, Französich

Streitgespräch über einen Gottesbeweis

Der kurze Dialog findet auf Latein statt. Die Existenz Gottes wird durch ein Wunder bewiesen, aber es gibt unerwartete Kritik.

Espiritú a Martinique, F
Dämon, Martinique, Karibik

„-Un momento -dijo-. Ahora vamos a presenciar una prueba irrebatible del infinito poder de Dios.

El muchacho que había ayudado a misa le llevó una taza de chocolate espeso y humeante que él se tomó sin respirar. Luego se limpió los labios con un pañuelo que sacó de la manga, extendió los brazos y cerró los ojos. Entonces el padre Nicanor se elevó doce centímetros sobre el nivel del suelo. Fue un recurso convincente. Anduvo varios días por entre las casas, repitiendo la prueba de la levitación mediante el estímulo del chocolate, mientras el monaguillo recogía tanto dinero en un talego, que en menos de un mes emprendió la construcción del templo. Nadie puso en duda el origen divino de la demostración, salvo José Arcadio Buendía, que observó sin inmutarse el tropel de gente que una mañana se reunió en torno al castaño para asistir una vez más a la revelación. Apenas se estiró un poco en el banquillo y se encogió de hombros cuando el padre Nicanor empezó a levantarse del suelo junto con la silla en que estaba sentado.

-Hoc est simplicisimun -dijo José Arcadio Buendía-: homo iste statum quartum materiae invenit.

El padre Nicanor levantó la mano y las cuatro patas de la silla se posaron en tierra al mismo tiempo.

-Nego -dijo-. Factum hoc existentiam Dei probat sine dubio.

Fue así como se supo que era latín la endiablada jerga de José Arcadio Buendía. El padre Nicanor aprovechó la circunstancia de ser la única persona que había podido comunicarse con él, para tratar de infundir la fe en su cerebro trastornado. Todas las tardes se sentaba junto al castaño, predicando en latín, pero José Arcadio Buendía se empecinó en no admitir vericuetos retóricos ni transmutaciones de chocolate, y exigió como única prueba el daguerrotipo de Dios. El padre Nicanor le llevó entonces medallas y estampitas y hasta una reproducción del paño de la Verónica, pero José Arcadio Buendía los rechazó por ser objetos artesanales sin fundamento cien-tífico. Era tan terco, que el padre Nicanor renunció a sus propósitos de evangelización y siguió visitándolo por sentimientos humanitarios. Pero entonces fue José Arcadio Buendía quien tomó la iniciativa y trató de quebrantar la fe del cura con martingalas racionalistas. En cierta ocasión en que el padre Nicanor llevó al castaño un tablero y una caja de fichas para invitarlo a jugar a las damas, José Arcadio Buendía no aceptó, según dijo, porque nunca pudo entender el sentido de una contienda entre dos adversarios que estaban de acuerdo en los principios. El padre Nicanor, que jamás había visto de ese modo el juego de damas, no pudo volverlo a jugar. Cada vez más asombrado de la lucidez de José Arcadio Buendía, le preguntó cómo era posible que lo tuvieran amarrado de un árbol.

-Hoc est simplicisimun -contestó él-: porque estoy loco. Desde entonces, preocupado por su propia fe, el cura no volvió a visitarlo, y se dedicó por completo a apresurar la construcción del templo.“
Gabriel García Márquez, Cien años de soledad, Pdf. S.36

Krokodile für die Königin

ciénaga caribeña
Ciénaga caribeña en la isla de Goudeloupe

Macondo liegt auf einer Halbinsel, umgeben von Sumpfland. Das Meer ist ein Ort ständiger Sehnsucht, im Prinzip ist man auf allen Seiten von der Karibik umgeben aber man kommt aus den Sümpfen einfach nicht raus und fragt sich ständig, wie man vielleicht doch hingelangt. Einer alten Erzählung José Arcadios Großvaters zufolge soll man bei Riohacha auf das Meer stoßen. Der Opa hat berichtet, dass hier der Pirat Sir Francis Drake von seinem Schiff aus ähnlich dem Tontaubenschießen mit seinen Kanonen Kaimane abgeknallt hat. Damit soll an in diesem Zusammenhang eigentlich nur deutlich gemacht werden, dass in dieser Richtung das Meer liegt. Die Kaimane wurden mit Stroh ausgestopft und als Trophäe an die Königin geschickt. Ich bin hier durcheinander gekommen. Im Original werden die Echsen an Königin Isabel versandt und ich dachte dabei an die katholische Königin und Mutter aller Konquistadoren. Im deutschen Text gehen die ausgestopften Krokodile als Geschenk an Königin Elisabeth von England. Aus Königin Isabel wird kurzerhand Elizabeth. (Gabriel García Márquez, Hundert Jahre Einsamkeit, Deutsch von Curt Meyer-Clason dtv, München, 1987, 8.Auflage). Was ich dabei nicht bedacht hatte ist, dass Elisabeth auf Spanisch schlichtweg Isabel heißt.

„José Arcadio Buendía ignoraba por completo la geografía de la región. Sabía que hacia el Oriente estaba la sierra impenetrable, y al otro lado de la sierra la antigua ciudad de Riohacha, donde en épocas pasadas -según le había contado el primer Aureliano Buendía, su abuelo- sir Francis Drake se daba al deporte de cazar caimanes a cañonazos, que luego hacía remendar y rellenar de paja para llevárselos a la reina Isabel.”
Gabriel García Márquez, Cien años de soledad, Pdf. S.6

Drake hat tatsächlich seine Kanonen an der Küste von Kolumbien zum Einsatz gebracht. Er war von einer ausgesprochenen Wut auf das spanische Königshaus angetrieben. Er drückt den Spaniern gegenüber durch die vor ihrer Haustür geschossenen Kaimane seine Verachtung aus. Und er verängstigt sie zutiefst, denn die spanische Krone kann zur Verteidigung seiner Kolonie nicht viel tun. Deshalb sind die Bewohner der karibischen Küste Kolumbiens auch so verängstigt und verunsichert. In einer kommentierten Ausgabe findet sich auch der Hinweis, dass der Großvater von GGM mütterlicherseits eine solche Attacke selbst miterlebt hat: „Rioacha, puerto de la costa atlántica de Colombia, ciudad natal de don Nicolás, abuelo materno de GGM. Fue efectivamente asaltada por el corsario inglés Sir Francis Drake (h. 1540-1596), quien realizó varias expediciones contra las colonias espanjolas de América entre 1570 y 1572 por cuenta de Isabel I de quien fue favorito. Es uno de los personajes históricos fetiches de GGM.“