Beweise von der Existenz Gottes

Die 4. Antinonmie bei Kant: Gott

Meteora, Gr. Foto: Robert Seidemann 1986
Meteora, Griechenland. Foto: Robert Seidemann 1986

Einen besonders wichtigen Beitrag hat Kant in Bezug auf die Gottesbeweise geleistet. Das Handwerkszeug dafür liefert die Kritik der reinen Vernunft. Die Menschheit hatte eine lange Periode hinter sich, in der Mystiker, Alchimisten, Astrologen und die allesbeherrschende Doktrin der katholischen Kirche das Denken über mehr als ein Jahrtausend völlig dominiert hatten.

Der ontologische Gottesbeweis

Anselm von Canterbury, 11.Jhd. Descartes greift ihn 100 J. vor Kant wieder auf. Gott aus dem Sein schließen (to on – tou ontos = Das Sein, des Seienden). Wenn Gott ein notwendiges und vollkommenes Wesen ist, gehört zur Vollkommenheit auch die Existenz.
1) Es ist ein Unterschied zwischen dem Dasein von Urteilen und dem Dasein von Dingen.
Bsp.: Urteil: Ein Triangel umschließt 3 Winkel (Notwendig, zwingend allgemein). Das Urteil ist keine Voraussetzung für das Vorhandensein eines Dinges Triangel.
2) anders formuliert: Gott ist das allerrealste Wesen.
Ist: Dieses Ding existiert: ein analytischer oder synthetischer Satz? Analytisch! Er fügt dem Begriff Gott nichts hinzu. Gott bleibt nichts als ein möglicher Gedanke.

Der kosmologische Gottesbeweis

a) Bewegungsbeweis des Aristoteles: alles Bewegte wird von etwas anderem bewegt bis zum ersten Beweger: Gott. b) als Kausalbeweis: Vom Dasein Gottes wird auf die Welt geschlossen: Butter schmilzt-Wärme im Zimmer-Temperatur draußen. Nichts kann eine Absolutheit zugesprochen werden. Also muss am Ende der Kausalkette etwas Unbedingtes, eine schlechthin notwendige Ursache stehen.
Kant: Das absolut Notwendige muss, wenn schon nichts Empirisches absolut notwendig ist, muss außerhalb der Welt angenommen werden. Eine Kausalität ist aber nur für die Sinnenwelt sinnvoll, außerhalb nicht beweisbar und entspringt dem Bedürfnis der Vernunft.

Der teleologische Gottesbeweis

gr. Telos=der Zweck, das Ziel: Lehre von der Zweck-mäßigkeit und Zielgerichtetheit. Nach Kant der älteste und klarste Beweis: In der Natur waltet eine Ordnung und Zweckmäßigkeit: Bäche fließen nach unten, Insekten dienen Vögeln als Nahrung. Von dieser Ordnung wird auf einen Urheber, einen vollständigen Zweck geschlossen. Kant: setzt man die Kette fort, würde das höchste Wesen in der Kette dieser Bedingungen stehen, wäre selbst bedingt (das Paradoxon der Diskussion zwischen Gott und dem Teufel basiert darauf). Der Beweis könnte also höchstes zu einem Weltbaumeister, der durch die Tauglichkeit seines Stoffes immer sehr eingeschränkt sein, aber nicht zu einem Weltschöpfer, dessen Idee alles unterworfen ist führen.

Gott: das transzendentale Ideal

Nachdem Kant durch die 4 Antinomien aufgezeigt hat, dass sich der Verstand bei Aussagen über reine Vernunftbegriffe in Widersprüche verwickelt, wird klar, dass er sich beim höchsten dieser Ideale, Gott, genauso aufs geistige Glatteis begibt. Gott bleibt ein fehlerfreies Ideal, ein Begriff, welcher die ganze menschliche Erkenntnis schließt und krönt, dessen objektive Realität zwar nicht bewiesen aber, aber auch nicht widerlegt werden kann.

Somit hat Kant 500 Jahre nach Thomas von Aquin dessen Versuche, die Existenz Gottes zu beweisen, widerlegt und 100 Jahre vor Ludwig Feuerbach die Unmöglichkeit aufgezeigt, die Nicht-Existenz Gottes beweisen zu können. (Kant für Anfänger, Die Kritik der reinen Vernunft, Ralf Ludwig, München, 13.A.2008, DTV)

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Grenzen der Erkenntnis

Die Grenzen der Erkenntnis werden mit einem poetischen Beispiel anschaulich gemacht: Das Meer und die Insel.

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Landschaften im Nebel. Meteora, Griechenland, 1986, Foto Robert Seidemann

Nachdem Kant aufgezeigt hat, wie Erkenntnis möglich ist, wendet er sich den Bereichen zu, an denen unsere Erkenntnis an Grenzen stößt. Sie zu überschreiten ist unserem Verstand nicht möglich, er gerät dabei auf Abwege. Um dies zu verdeutlichen, benutzt Kant die geradezu poetische Schilderung von den Inseln im Meer einer Landschaft im Nebel.

„Der transzendentalen Doktrin der Urteilskraft  (Analytik der Grundsätze) Drittes Hauptstück
Von dem Grunde der Unterscheidung aller Gegenstände überhaupt in Phaenomena und Noumena

Wir haben jetzt das Land des reinen Verstandes nicht allein durchreist, und jeden Teil davon sorgfältig in Augenschein genommen, sondern es auch durchmessen, und jedem Dinge auf demselben seine Stelle bestimmt. Dieses Land aber ist eine Insel, und durch die Natur selbst in unveränderliche Grenzen eingeschlossen. Es ist das Land der Wahrheit (ein reizender Name), umgeben von einem weiten und stürmischen Ozeane, dem eigentlichen Sitze des Scheins, wo manche Nebelbank, und manches bald wegschmelzende Eis neue Länder lügt, und indem es den auf Entdeckungen herumschwärmenden Seefahrer unaufhörlich mit leeren Hoffnungen täuscht, ihn in Abenteuer verflechtet, von denen er niemals ablassen und sie doch auch niemals zu Ende bringen kann. Ehe wir uns aber auf dieses Meer wagen, um es nach allen Breiten zu durchsuchen, und gewiß zu werden, ob etwas in ihnen zu hoffen sei, so wird es nützlich sein, zuvor noch einen Blick auf die Karte des Landes zu werfen, das wir eben verlassen wollen, und erstlich zu fragen, ob wir mit dem, was es in sich enthält, nicht allenfalls zufrieden sein könnten, oder auch aus Not zufrieden sein müssen, wenn es sonst überall keinen Boden gibt, auf dem wir uns anbauen könnten; zweitens, unter welchem Titel wir denn selbst dieses Land besitzen, und uns wider alle feindseligen Ansprüche gesichert halten können. Obschon wir diese Fragen in dem Lauf der Analytik schon hinreichend beantwortet haben, so kann doch ein summarischer Überschlag ihrer Auflösungen die Überzeugung dadurch verstärken, daß er die Momente derselben in einem Punkt vereinigt.“

 Vom Verstand zur Vernunft

Das Meer und die Insel: Unser Verstand kann Wahrnehmung, Schema und Kategorien nur anwenden um die Erscheinungen der Insel zu erkennen. Die Instrumente taugen nicht für die Nebelbänke und schmelzenden Eisberge im Meer des Scheins. Die Welt der Ideen. Das Denken im Bereich der Ideen erfolgt notwendig unter Verzicht auf Anschauung und Begriffe und führt dadurch unvermeidlich zu Fehlschlüssen. Mit den Fehlschlüssen betritt man den schwankenden Boden der transzendentalen Dialektik. Wer einmal selbst das Phänomen Küstennebel erlebt hat oder in dichte Wolken gehüllt eine Skipiste hinabgefahren ist, kann sich das gut vorstellen. Der Verstand begibt sich auf eine Art Blindflug.

Die Insel = Welt des Phaenomenons (das Erscheinende) 

Der Ozean = Die Welt des Noumenons (das Gedachte) „von negativem gebrauch“

Die transzendentale Dialektik:  „dialegomai“ ich unterhalte mich. Platonische Dialoge des Sokrates. Methode von Rede und Widerspruch. Für Kant die Logik des Scheins: Ideen verwickeln sich in Widerspruch. Die Welt der Vernunft. Die Vernunft macht mit dem Verstand dasselbe, was der Verstand mit den Anschauungen macht. Während der Verstand die Mannigfaltigkeit der Anschauungen ordnet, ordnet die Vernunft die Regeln des Verstandes. (Ab S.236)

Mensch: Zu den Bedingungen, denen der Mensch unterworfen ist, muss es etwas Unbedingtes, Absolutes, als Einheit dieser Bedingungen geben: Unsterblichkeit der Seele. (Psychologie)

Freiheit: Zu den Bedingungen, denen die Welt als Bedingung aller Erscheinungen unterworfen ist, muss es etwas Unbedingtes als Einheit dieser Bedingungen geben: Freiheit. (Kosmologie)

Gott: Zu allen Bedingungen schlechthin, denen alles Denken und alles Gedachte unterworfen ist,
muss es etwas Unbedingtes als Einheit dieser Bedingungen geben: Gott. (Theologie)

Die Entlarvung der transzendentalen Dialektik, 2.Buch:
zu den Bedingungen, denen Mensch, Welt und Gedachtes unterworfen ist, muss es etwas Unbedingtes als Einheit dieser Bedingungen geben. Sind die Bedingungen gegeben, wird auch das Unbedingte gegeben sein. Seele, Welt und Gott werden als erkennbare Gegenstände der Betrachtung behandelt. Die berühmten Fehlschlüsse sind die Folge.

Abhandlung durch Paralogismen (Fehlschlüsse), Antinomien (Widersprüchlichkeit) und das transzendentale Ideal.

Seele: Paralogismen Das Cogito ergo sum ist Ursprung aller Kategorien aber ist nicht aus der Anschauung ableitbar. Die transzendentale Einheit des Bewusstseins ist eine formale Einheit im Denken. Der dialektische Schein entsteht durch die Verdinglichung des „Ich denke“. Somit hat die Seele kein Dasein, aber sie hat auch kein Nichtsein. Sie bleibt eine unverzichtbare transzendentale Idee.

Welt: Antinomien: Widersprüche, die gleichzeitig bestehen und beide richtig sind. Der Mensch ist frei/ist nicht frei. Freiheit und Gebundenheit stehen im Gegensatz, sind aber für das Verständnis vom Mensch notwendig. Gott ist ein verborgener/offenbarter Gott. Ein verborgener führt zur Sprachlosigkeit, ein Offenbarter zu selbstherrlichem Bescheid-Wissen über ihn. „Es ist das tragische Schicksal der Vernunft sich dort in Widersprüche zu verwickeln, wo sie einen Anspruch auf Absolutheit anmeldet.“

1. Antinomie:

Thesis: Die Welt hat einen Anfang in der Zeit und ist dem Raum nach in Grenzen eingeschlossen.

a) Die Welt hat einen Anfang in der Zeit: Hätte sie keinen Anfang in der Zeit, müsste eine unendliche Zeitreihe vorausgesetzt werden. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wäre also eine Ewigkeit abgelaufen. Eine verflossene Zeitreihe kann aber nur endlich sein und niemals unendlich.

b) Die Welt hat einen Anfang im Raum, sie ist in Grenzen eingeschlossen: Hätte sie keine Grenzen, wäre sie ein unendliches Ganzes. Dies ist aber nicht möglich, da dann diese Unendlichkeit in einer endlichen Zeitreihe gesehen werden müsste.

Anthithesis:

2.Antinomie:

Thesis: Eine jede Sache in der Welt besteht aus einfachen Teilen, und es existiert überall nichts als das Einfache, oder das, was aus diesen zusammengesetzt ist. (Ist die Seele von gleicher Teilbarkeit und Verweslichkeit wie die Materie?) Beweis: Gäbe es kein aus einfachen Teilen zusammengesetztes, würde nichts bleiben, weder ein Zusammengesetztes noch ein einfaches Teil. Fatale Folge: es gäbe gar keine Substanz

Antithesis: Kein zusammengesetztes Ding in der Welt besteht aus einachen Teilen, und es existiert überall nichts Einfaches in derselben. Beweis: Gäbe es ein Zusammengesetztes aus einfachen Teilen, müsste jedes Teil einen eigenen Raum einnehmen und es Teile vom Raum geben. Alles Reale abe im Raum schließt Mannigfaltiges in sich ein und kann deshalb nicht einfach sein.

3.Antinomie:

Thesis: Die Kausalität nach Gesetzten der Natur ist nicht die Einzige, aus welcher die Erscheinungen der Welt abgeleitet werden können. Es ist noch eine Kausalität durch Freiheit zur Erklärung derselben anzunehmen notwendig. Beweis: Gäbe es keine Freiheit, etwas neu anzufangen, würde alles einen vorigen Zustand voraussetzen. Jede Kausalität würde eine andere Kausalitätskette voraussetzen. Da in der Natur nie etwas ohne Ursache passiert, gäbe es keinen ersten Anfang. Ohne Anfang aber wäre jede Reihe unvollständig. So widerspricht der Satz von der Naturgesetzlichkeit wegen seiner unbeschränkten Allgemeingültigkeit sich selber. Es muss etwas geben, das es mir ermöglicht etwas Neues anzufangen: absolute Spontaneität der Ursachen oder tr.Freiheit

Antithesis: Es gibt keine Freiheit in der Welt, sondern alles geschieht nach den Gesetzen der Natur

Beweis: Gäbe es Freiheit, würde nicht nur eine Reihe durch Spontaneität anfangen, sondern auch die Kausalität würde anfangen. Somit ginge nichts vorher, wodurch Geschehenes durch Gesetze bestimmt sei. Aber ein jeder Anfang setzt einen Zustand der noch nicht handelenden Ursache voraus. Somit hätte ein erster Anfang einen Zustand vorausgesetzt, der mit dem vorhergehenden in keinem Zusammenhang steht. Was aber in keinem gesetzlichen Zusammenhang steht, kann nicht erkannt werden, es ist ein leeres Gedankending.
Ergo: Es müssen Freiheit und Kausalität zugleich stadtfinden können!

4.Antinomie:

Thesis: Zu der Welt gehört etwas, das entweder als ihr Teil, oder ihre Ursache, ein schlechthin notwendiges Wesen ist. Unsere Welt basiert auf Veränderungen. Jede davon beruht auf einer Bedingung, die notwendig ist. Die Reihe setzt etwas schlechthin Notwendiges voraus, das absolut notwendig ist. Dieses gehört aber zu dieser Welt.

Antithesis: Es existiert überall kein schlechthin notwendiges Wesen, weder in der Welt, noch außer ihr, als ihre Ursache. Gäbe es dieses Wesen, wäre in der Welt ein Anfang, der als Notwendigkeit keine Ursache haben dürfte. Nach den Gesetzten der Natur unmöglich.