Prokol Harum in Hameln

Der Scotch Club lag etwas außerhalb von Hameln unterhalb einer Eisenbahnbrücke über die Weser, die man auch als Fußgänger benutzen kann. Falls man nicht noch in den dahinterliegenden Tunnel wandern will, führt eine lange Treppe direkt neben den Eingang. Die Disko war im Sommer 71 gerade pleite gegangen und hatte offiziell die Tore geschlossen. Nur ein kleiner Kreis um den Diskjockey herum traf sich weiterhin für mehrere Wochen jeden Abend dort. Das waren dann sowas bei 6 Mädchen und genauso viele Jungs: ich war einer davon. Wir konnten auflegen, was wir wollten und es liefen ganze LP’s durch. Da lief der Métèque von Moustaki und eine Platte, bei der endgültig alle abgehoben sind: Procul Harum Live! Das coolste waren die geheimnisvollen Sprüche des Sängers Gary Brooker. „What is the meaning of live, father?“ wird da der Da Lei Lama gefragt. Die Antwort ist ein ebenso verschmitztes wie geheimnisvoll gesprochenes: „Live is like a bean stalk, son.“ Die weiteren Ausführungen übernimmt dann die Musik der Band in symphonischer Schönheit. Heute Abend habe ich den Mann zum ersten Mal posthum im Video gesehen:

PROCOL HARUM – A Whiter Shade Of Pale – promo film #2 (Official Video) – Bing video

Brel à part – Französische Chansons von der Renaissance bis Brel

Franzoesische Chansons von der Renaissance bis Brel und Barbara meisterlich vorgetragen von Maja Hilke.

© Robert Seidemann

Es gab im Vorlesungsangebot der Westfälischen Wilhelms Universität zu Münster eine Vorlesung, die mein Interesse geweckt hatte und zu der ich gern hin geradelt bin: „Lieder und Texte in den Liedern der Trobadoure von der Zeit der provenzalischen Trobadoure bis Francois Villon“ (so oder so ähnlich). Deshalb hatte mich der NC Computer da nicht hingeschickt, aber es konnte keinen größeren Kontrast zum pragmatischen Teil meiner Studien geben: Hier der kleine Kreis der Romanisten, die ihre Vorlesungen im alten Schloss am See abhielten, dort der Massenbetrieb in der Vorlesungshalle, die eine inhumane Kreuzung aus ICE Bahnhof und Markthalle ist.

© Robert Seidemann Der Titel des Konzerts von Maja Hilke (Gesang und mehr) und Alon Sariel (Laute) erinnerte mich stark an die Vorlesung damals in Münster. Ganz so weit zurück in der Zeit sollte es an diesem Abend nicht gehen, aber es beginnt sogleich mit einem Lied von Guillaume Dufay aus der flämisch/burgundischen Region zur Zeit der Renaissance. Maja schwebt quasi in den voll besetzten Raum, singend wie weiland ein wandernder Minnesänger es vielleicht auch tat. Die Lieder werden uns inhaltlich nähergebracht und dann auf Französisch vorgetragen. Dabei bin ich zunächst einmal völlig verblüfft über die Perfektion ihrer Aussprache: soweit kann man es tatsächlich bringen.

© Robert Seidemann
Und dann erst der Gesang: ich kann es kaum glauben unversehens diese wunderbare sogenannte „alte Musik“ zu erleben, die mich seit so vielen Jahren fasziniert. Dazu trägt natürlich ganz wesentlich die Begleitung der Laute bei, durch die selbst die Lieder von Brel und Barbara einen Hauch Barock abbekommen. Da ist ihre kleine, selbstgestrickte CD als Kontrast schön zu hören, weil sie dort im Ensemble „Mauve“ auf dem Klavier begleite wird, was den Chansons eine ganz andere Anmutung gibt. Jetzt also schnell die Seite von Mauve abonnieren und aufmerken, wenn das nächste Konzert lockt!

 

 

 

13. Bodensee-Umrundung

Im July in einer Gruppe von 20 Paddlern in Etappen rund um das schwäbische Meer unter karibenischen Bedingungen.

Vom 25.7. bis 4.8. hat Harald Kalfaß seine in Insiderkreisen mittlerweile recht begehrte Bodensee-Umrundung als Gepäckfahrt im Kajak durchgeführt. 18 im ausdauernden Paddeln geübte Frauen und Männer sind aus dem ganzen Bundesgebiet und sogar aus England angereist, um an der Fahrt teilzunehmen. Die 13 war für unsere Runde eine Glückszahl, denn wir haben eine Tour ohne größere Blessuren, dafür aber mit viel Sonnenschein, wenig Wind, einem ausgewogenen Mix aus Paddeln und Kultur und last but not least mit viel Spaß erlebt.

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Treffen in Radolfszell 

Treffpunkt aller Teilnehmer ist das schön gelegene Bootshaus des KC-Radolfszell. Die Sommerferien in Baden-Württemberg haben gerade erst begonnen, so dass die Zeltwiese noch frei ist und die vielen Zelte und Boote problemlos aufnimmt.  Am Nachmittag bringen wir zum ersten Mal unsere Seekajaks im Bodensee zu Wasser. Die Fahrt geht am Hafen von Radolfzell vorbei an schönen Villen und den Sanatorien auf der Halbinsel Mettnau bis zum Gnadensee. Unterwegs reizt ein Badehäuschen in Fachwerktechnik neben einer alten Villa zum Fotografieren. Nur die Villenbewohner am Strand regen sich mächtig über den Fotografen auf. Es müssen wohl sehr prominente Leute sein.

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Gegen Abend versammeln sich die Teilnehmer der 13. Bodenseeumrundung in großer Runde mit Blick auf den See, den es zu umrunden gilt. Harald Kalfaß begrüßt uns als Veranstalter der Fahrt und Manfred Schweizer als Präsident des Bodensee Kanu Rings. Auch wir Teilnehmer stellen uns jeweils kurz vor. Wir sind aus allen Teilen Deutschlands angereist und sogar eine englische Paddlerin hat sich der Gruppe angeschlossen. Letzte Schwimmwesten werden noch vom KC Radolfszell an schlecht ausgerüstete Wanderpaddler ausgeliehen, da Schwimmwesten in der Schweiz Pflicht sind und hohe Strafen drohen.

Der Oberrhein

Vom Bootshaus aus  queren wir den See, paddeln an Iznang vorbei und umrunden das Naturschutzgebiet vor Horn mit dem Blick auf die weithin sichtbare Kirche am Berghang. Es ist schwülwarm und die Sonne heizt uns schon ganz schön ein. Nach dem großen Bogen um das „Bermuda Dreieck“ (hier treffen der Gnadensee, der Zellersee und der Untersee zusammen und es kann bei schlechtem Wetter zu gefährlichem Kabbelwasser kommen) geht es im Untersee weiter. Der Wind frischt auf und wir merken die stechende Sonne nicht mehr. Nach der ersten Rast in Wangen geht die Fahrt weiter zum See-Ende an der Insel Werd vorbei nach Stein am Rhein, wo spürbar die Strömung beginnt. Wir gehen gleich nach der Brücke an Land, um uns eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Städte nördlich der Alpen näher anzusehen. Die nur 3000 Einwohner des Ortes haben sicher alle Hände voll zu tun, um die  vielen Besucher zufrieden zu stellen.

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Nach dem Sightseeing geht es bei Gegenwind und starker Strömung den schönen Hochrhein bis Schaffhausen hinab. Beim Kanuclub Schaffhausen, dem Endpunkt der Fahrt, werden wir mit Kaffee und Kuchen begrüßt. Unsere Boote werden mit zwei Bootsanhängern zurück zum Radolfzeller Kanu-Club gebracht. Wir nehmen unter der Leitung von Lilo, der Frau unseres Fahrtenleiters Harald, Kurs auf den Bahnhof. So lernen wir noch die Altstadt kennen und besichtigen im Münster den Kreuzgang und den Kräutergarten. Mit einmal Umsteigen erreichen wir per Bahn schnell wieder Radolfzell.

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Kaum sind die Boote von den Hängern geladen und die Gurte zum Festschnallen auseinandersortiert, beginnt es kräftig zu regnen. Uns stört es nun nicht mehr, denn die freundlichen Wirte vom KC Radolfszell versorgen uns mit gegrillten Steaks, selbstgemachtem Kartoffelsalat und frisch gezapftem Bier. Gemütlich  klingt der Abend bei Regen unter einem Zeltdach aus.

Untersee bis Konstanz

Heute beginnt die Gepäcktour. Wir sind gut  gestärkt mit den von Volker spendierten Brötchen. Nach dem Trocknen der Zelte und Einpacken aller Utensilien in die Boote geht es los. Wir fahren die Radolfzeller Küste entlang, vorbei an der Liebesinsel („hier paaren sich die Vögel, und vögeln die Paare“ original nach Harald) und hinüber zur Insel Reichenau. Rast ist am Campingplatz bei Niederzell, wo man gut schwimmen gehen kann. Nach einer Stärkung gibt es eine Seeüberquerung nach Mannenbach auf Schweizer Gebiet. Die Pause nutzen wir zur Besichtigung des Schlösschens Arenenberg. Nach einem Spaziergang durch die Weinberge erreichen wir das kleine Schlösschen. Hier wuchs Napoleon III auf. Wir besichtigen in Filzpuschen das klassizistische Inventar mit vielen Erinnerungen an den Napoleon Clan. Nach dieser Besichtung setzen wir Copyright 2015 Robert Seidemannunsere Paddeltour an der Schweizer Seeseite fort, vorbei an Ermatingen und Gottlieben zum Kanu-Club Konstanz. Das letzte Stück geht durch den Seerhein gegen die Strömung. Mit Getränken werden wir empfangen und willkommen geheißen. Schnell sind die Zelte aufgebaut und schon gehen wir Göttinger, d.h. Susanne, Robert, Wolfgang und Annekatrin, Richtung Innenstadt. Wir umrunden das 1388 erbaute Konzilgebäude, besichtigen den Hafen und bummeln durch die Innenstadt mit ihren Gassen und Hausmalereien, dem Rathaus mit Hinterhof und gehen zum Essen in den „Elefanten“. Am Bootshaus lassen wir den Tag ausklingen.

Konstanz bis Arbon bei hohem Seegang

Heute spendiert Silvia die Brötchen. Es ist wieder ein früher Aufbruch: um neun Uhr beginnt die Fahrt. Es ist herrliches Wetter, wolkenloser Himmel und Sonnenschein. Zuerst geht es gegen den Strom in den eigentlichen Bodensee hinein, dann am Konstanzer Hafen durch Kabbelwasser zum Schweizer Ufer, das bei Kreuzlingen beginnt. Das schwäbische Meer ist heute recht bewegt, und es macht Spaß mit den Langbooten durch die Wellen zu gleiten. Die erste Rast ist in Seedorf.

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Der Alpenblick istherrlich und wir fahren weiter nach Romanshorn zu unserer zweiten Rast an der Uferpromenade des Ortes. Hier wird geschwommen und wir essen unseren mitgebrachten Kuchen. In gemächlichem Tempo fahren wir weiter zum Zeltplatz Arbon. Die Aussatzstelle ist wetterfest und langlebig: wir müssen die vollgepackten Boote eine Betonwand über eine Treppe von ca. zwei Meter hoch tragen. Der Zeltplatz ist extrem voll, aber für uns ist ein Stück der Liegewiese des angrenzenden Seebades reserviert.

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Wir bewältigen das Kunststück, 18 Zelte und Boote auf der Fläche eines Tennisplatzes unterzubringen. Beim Abendessen auf der Terrasse vom Restaurant am Seebad genießen wir die wunderschöne Aussicht. Dabei wollen die Stühle unter uns einfach nicht aufhören zu schwanken, eine Folge des ausgeprägten Seegangs.

Arbon bis Lindau  Unterwasser Wasserfall

Der Tag beginnt bei bestem Wetter und mit großartiger Sicht auf die Alpen. Wir paddeln die Küste entlang und machen jeweils einen großen Bogen um die mit roten Bojen markierten Strandbäder. Die erste Rast findet an der Rheinspitz statt, der Mündung des Alten Rheins in den Bodensee. Danach sind es noch einige Kilometer bis zur lang erwarteten Einmündung des Rheins am Ende eines mehrere Kilometer langen Steinwalls. Die Farbe des Wassers wechselt von Blaugrün über verschiedene Grüntöne in schlichtes Weiß. Mächtiges Kabbelwasser erfordert unsere volle Aufmerksamkeit. Die Temperatur des Wassers hat sich schlagartig geändert: von Badewassertemperatur auf frostige 5°C. Ans Fotografieren ist leider nicht zu denken. Wir sehen, wie sich das weiße Wasser in der Art eines Wasserfalls in die Tiefe stürzt. Unter uns bilden sich große Pilze. Nur ein kurzes Stück weiter ist das Wasser so warm wie immer.

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Allmählich setzt uns die Hitze immer mehr zu, so dass wir uns über eine Pause und ein Bad im See am Bregenzer Campingplatz freuen. Es folgt die Besichtigung der berühmten  Seebühne vom Wasser aus.

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Wir paddeln die ganze Bregenzer Bucht aus, entlang an Millionen von Badegästen vorbei in Richtung Lindau.

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Der Platz des Kanuclubs ist wunderbar gelegen mit Blick auf die Altstadt und die Alpen, aber  direkt neben der Bahn mit einem Bahnübergang. Nach dem Aufbau der Zelte gehen wir wieder auf Besichtigungstour in die Inselstadt, der Weg am Bahndamm entlang führt uns mitten ins Zentrum.

Blick vom Pfänder

Heute können sich die Boote ausruhen. Es geht mit dem Zug nach Bregenz und mit der Seilbahn auf den 1084 m hohen Pfänder. Die Sicht auf den Bodensee ist großartig. In der Nähe der Talstation der Seilbahn beginnt die Bregenzer Altstadt. Wir bummeln durch die 1480 gebaute Oberstadt mit dem Martinsturm und der Martinskapelle, in der alte Fresken zu bewundern sind, gehen abwärts ins Weißenreutertal und wieder hinauf auf den Schlossberg. Irgendwann landen alle wieder am Ufer des Sees, ob als Wanderer vom Berg oder als Flaneur aus der Einkaufsmeile. Wir gehen an Bord der „Karlsruhe“,  einem schmucken Dampfer der Bodensee-Schiffahrtsbetriebe, der uns schnell nach Lindau zurückbringt. Unter dem Bayrischen Löwen an der Hafeneinfahrt herrscht ein mächtiges Treiben. Wir lassen den Rummel hinter uns und gehen zum KC Lindau auf dem Festland. Abends sitzen wir gemütlich bei Kerzenschein zusammen und erzählen von unseren Paddelerlebnissen.

Zu Fuß über den See

Heute wird wieder gepaddelt. Wir umrunden die Insel Lindau und peilen Wasserburg an. Hier besichtigen wir die Kirche St. Georg in der Gedenktafeln angebracht sind, die an die Zeiten erinnern, in denen der Obersee so vereist war, dass man ihn zu Fuß, per Pferd oder per Auto überqueren konnte: Anfang des 16. Jahrhunderts, im 18. Jahrhundert und zuletzt 1963. Harald zeigt uns Zeitungsausschnitte von der letzten Vereisung, die unterwegs mächtig nass geworden sind und in der Kirche erst einmal getrocknet werden müssen. Es geht weiter an einem Naturschutzgebiet vorbei, das wir weiträumig umfahren müssen. Friedrichshafen kommt in Sicht mit dem Zeppelinmuseum im ehemaligen Gebäude des Seebahnhofs, dem Schulmuseum und der Schlosskirche.

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Volker, als Friedrichshafener, erzählt uns im Vorbeifahren etwas über die Geschichte und die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Wir können uns aber nicht entschließen anzuhalten und etwas zu besichtigen. Es ist einfach zu heiß. Alle möchten nur noch ans Ziel und sich irgendwie abkühlen: im See, unter der Dusche oder mit einem kühlen Bier.

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Vorbei an den Weinbergen

Wir steigen wieder in die schwer bepackten Boote in Richtung Nordwest, nach Meersburg. Es ist schönwetter-diesig und es herrschen  „Ententeichbedingung“. Wir paddeln vorbei an Immenstaad und dem Weinbaugebiet Hagnau. Die markante Kulisse von Meersburg liegt vor uns. Vor unserem Rastplatz befindet sich der Fährhafen, dessen Ausfahrt wir queren müssen. Um den Fähren aus dem Weg zu gehen, gilt es den passenden Moment abzuwarten und dann schnell loszupaddeln. Im Ort mischen wir uns unter die Touristenströme und besichtigen die Unter- und Oberstadt mit der Droste-Hülshoff-Büste und dem Schloss. Es ist inzwischen sehr heiß geworden und wir versuchen etwas Schatten zu finden. Die Fahrt geht weiter, wir  nähern uns den Uhldinger Pfahlbauten. Der Blick vom Kajak lässt den Vergleich mit einer Luxushotelanlage in der Südsee aufkommen. In der Tat lagen die Steinzeitsiedlungen im Hinterland, der morastige Boden machte die Stelzen erforderlich. Anschließend steuern wir die Klosterkirche Bernau an. Es folgt der Anstieg durch die Weinberge zur Klosterkirche, wo wir ein Stück weit dem Fahrradweg folgen, was bei dem gewaltigen Betrieb hier nicht ganz ungefährlich ist. Weiter geht unsere Paddeltour entlang des Ufers bis zum Überlinger Kanu-Club. Nach dem Zeltaufbau freuen wir uns auf die abendliche Weinprobe. Aus Bermatingen stehen gut gekühlte Flaschen Müller-Turgau, Kerner, Grauburgunder, Weißherbst und Spätburgunder vor uns. Die Rebsorten werden uns fachmännisch erklärt, aber letztlich zählt nur die eigene Prüfung. Mit dem Alkoholpegel steigt auch die Stimmung, es werden Geschichten und Witze erzählt und gemeinsam Lieder gesungen.

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Über den Teufelstisch zur Marienschlucht

Zur Umrundung des Überlinger Sees queren wir den See Richtung Wallhausen und fahren dann weiter die Küste entlang. Über den sogenannten Teufelstisch, einer Steinplatte, die auf einer nach unten dünner werdenden Säule ruht, geht es weiter zur Marienschlucht, die wir über steile Treppen und Serpentinen erklimmen. Danach paddeln wir weiter zum See-Ende nach Bodman. Nach einer erholsamen Pause im Park überqueren wir den See bis Ludwigshafen und folgen nun dem Ufer an Sipplingen und Überlingen vorbei bis zu unserem Zeltplatz. Dort ist im angrenzenden Strandbad helle Aufregung: Polizei, DLRG, DRK und andere Rettungskräfte suchen den See mit Booten und Hubschraubern ab, Menschenketten durchwaten den Uferbereich: eine behinderte Frau ist angeblich vom Schwimmen nicht zurückgekehrt. Später stellt sich heraus, dass sie nur einen Spaziergang in den nächsten Ort unternommen hat.

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Der Kreis schließt sich

Heute geht es zurück nach Konstanz. Wir fahren über den See in Richtung Dingelsdorf und zur Insel Mainau bis zum DKV-Zeltplatz. Nach einer Pause umrunden wir die Spitze mit den Seebädern der Stadt Konstanz. Mit der Strömung geht es den Seerhein hinunter bis zum Kanuclub. Nach dem Zeltaufbau kühlen wir uns erst einmal im Seerhein ab. Dies ist wirklich erfrischend, da das Wasser etwas kühler ist, als das tropisch warme Seewasser. Später trifft sich die Gruppe zur Stadtbesichtigung. Unter Silvias fachkundiger Leitung besichtigen wir den Lenk-Brunnen, das Münster mit der Krypta, den Weinkeller eines Konstanzer Kanuten , bummeln durch die Altstadt und besichtigen den Kreuzgang im Inselhotel.

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Fahrtenbericht zu unserer Tour im Kanusport 2012: KanuSport 0712 Bodensee

Die Fotos im Beitrag sind überwiegend von Tute.

Aare Radtour

Sonnabend, den 1.September

Gestern Abend noch schnell die Hotels gebucht, heute Morgen die letzten Dinge gepackt und dann um 10:30 Uhr auf die Autobahn. Die Packtaschen sind voller als letztes Mal, mal sehen, was wann wir es das erste Mal bereuen.

Die Autobahn ist ziemlich voll. Es wird aber weniger Verkehr als wir die Strecke nach Würzburg einschlagen. Dies geschieht allerdings unerwartet. Wir waren schon verschreckt über die Staumeldungen um Karlsruhe und nun führt uns unser Navi über Stuttgart. Wie damals zum Bodensee.

Das Wetter ist wechselhaft. Als wir jedoch im äußersten Süden Deutschlands ankommen, wird es sonnig und warm. Tiengen ist erreicht. Die Zimmer im Hotel Brauerei Walter sind frisch renoviert (man riecht es noch) und angenehm. Jetzt wird erstmal die Lage sondiert: wie weit ist es bis Waldshut/Koblenz Bhf? Wo ist der Fahrradweg, etc.? In Koblenz (Schweiz) tauschen wir am Bahnhof unser Geld und kaufen die Bahnbillets für den nächsten Morgen. Alles ganz gelassen, mit Schweizer Bedachtsamkeit.

Danach machen wir einen kurzen Abstecher mit dem Auto nach Bad Zurzach (CH).Es hält nicht ganz was es im Internet versprach. Es ist eben ein Kurort mit Kliniken und Rehas.

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Dann geht es zurück nach Deutschland über den grün schimmernden Rhein und wieder nach Tiengen. Ein Abendessen und ein kurzer Rundgang durch die Tiengener Altstadt beenden den ersten Tag.

Warum sind wir überhaupt hier?

Morgen starten wir zum Ausgangspunkt unserer Radtour entlang der Aare. Die Aare entspringt am Grimselpass im Berner Oberland und führt bis entlang mehrerer Seen zum Rhein. Man radelt im oberen Teil der Tour durch das Schweizer Hochgebirge, an großen Bergseen entlang, und folgt erst im unteren Teil dem Flussverlauf. Die Beschilderung ist perfekt. An jeder Abzweigung stehen rote Hinweisschilder, auf denen die einzelnen Wege oft mit Kilometer- und bei Steigungen auch mit Höhenmeterangaben bezeichnet sind.

Sonntag, den 2.9.

Um 8:30 Uhr frühstücken wir und bepacken unsere Fahrräder, hinten zwei Taschen und vorn am Lowrider ebenfalls, aber keine Lenkertasche. Überlegen noch welche Sachen doch besser im Auto bleiben und auf geht’s (das Auto bleibt beim Hotel stehen bis wir wieder per Fahrrad zurückkommen). Whow, schwere Kiste. Bergab, geht’s richtig ab.

© Robert Seidemann

Um 10:10 Uhr sind wir in Koblenz am Bahnhof. Um 10:14 Uhr nehmen wir den Zug. Alles klappt super, trotz der kurzen Aufenthalte an den Bahnhöfen (Baden, Zürich, Luzern) erreichen wir die Anschlusszüge immer rechtzeitig und können auch die Fahrräder gut einladen. Auch wenn wir nicht immer in den Fahrradabteilen landen.

Da das Wetter bilderbuchmäßig ist, möchte man am liebsten in jedem Ort noch einen Aufenthalt einschieben. Nach Luzern geht es steil in die Berge, an Sarnen vorbei, dem Vierwaldstädter See, grünen Almen, schneebedeckten Gipfeln, ganz wie es sein soll.

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Nun ein letztes Mal die Räder aus der Bahn heben und wir sind in Meiringen am Ziel unser Bahn- und am Anfang unserer Radtour angekommen. Wir checken ein im Hotel Rebstock und machen uns auf den Weg in die Aare-Schlucht.

Das Haslital ist eines der grossen Quertäler des Alpenmassivs. Es erstreckt sich von der Grimsel bis zum Brienzersee. Der flache Talgrund des unteren Tales wird durch einen imposanten Felsriegel, „Kirchet“ genannt, vom oberen Tal getrennt. In diesen Felsriegel zwischen den Ortschaften Meiringen und Innertkirchen hat die Aare in Tausenden von Jahren einen Lauf erodiert und dabei eine 1,4 Kilometer lange bis zu 200 Meter tiefe Schlucht geschaffen. Die Schlucht kann seit über hundert Jahren auf sicherem Steg und durch Tunnels bequem begangen werden. Die engste Stelle 1 m breit. Die Wassertiefe in der Enge beträgt ca. 3 m. Das Wasser braucht ca. 12 Min um durch die Schlucht zu fließen. Größte Unterspülung des Felsens: ca. 15 m.

Gewaltig was Wasser bewegen kann. Hell grün und schnell strömend quetscht sich heute der kleine Fluss durch die Schlucht. Und die Besucher quetschen sich auf schmalen Stegen Fels entlang.

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Am Ende der Schlucht blicken wir auf die Grimsel-Passstraße. Cabrios und Motorräder fahren dicht an dicht in engen Serpentinen den Pass hoch und runter. Dazwischen 4 Radfahrer. Gut dass wir da nicht fahren müssen. Denn eigentlich startet die Aare Tour schon 40 Kilometer vor Meiringen, in Gletsch. Von Gletsch aus geht es über den Grimselpass nach Guttannen und dann Meiringen. Die Auffahrt zum Pass und die lange Abfahrt vom Pass mit unserem Gepäck, gleich am ersten Tag der Tour, waren mir nicht so ganz geheuer und insofern haben wir uns das erspart.

Montag, den 3.9.

Meiringen-Brienz-Iseltwald-Böningen-Interlaken-Wilderswil ca. 45 km

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Die Sonne scheint, aber es ist kälter als gestern. Gut gestärkt nach Croissants und Milchkaffee geht’s los. Unsere Route ist die Nr. 8, von hier bis zum Rhein. Aber wo ging’s los? Zum Bahnhof und dann links.

© Robert Seidemann

In der Sonne ist es warm: Jacke aus. Der Wind ist kalt: Jacke wieder an. Robert macht das bestimmt 5x (+/-). Die Strecke links des Brienzer Sees hat es in sich. Wir entscheiden uns für eine Umfahrung der kritischsten Stelle per Schiff: von Brienz nach Iseltwald.

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Im 7. Jahrhundert drangen Alemannen aaretalaufwärts vor und besiedelten etwa um 700 die Gegend von Brienz. Brienz wird 1146 erstmals urkundlich erwähnt und wird vom Dichter Heinrich Federer als das „singende Dorf“ bezeichnet. Zu Brienz gehört natürlich auch der Brienzersee mit den Schiffsbetrieben der BLS, insbesondere der Raddampfer „Lötschberg“ – einer der schönsten noch existierenden Schiffe. Dampf ist auch am Berg aktuell. Die Brienz Rothorn Bahn ist ein wichtiger Anziehungspunkt für viele Touristen von nah und fern.
Auf der gegenüberliegenden Seeseite rauscht der wilde Giessbach zu Tal. Ueber sieben Stufen stürzt er sich in den grün-blauen Brienzersee.
Der Name Brienz wurde und wird durch die blühende Holzschnitzerei in die ganze Welt hinaus getragen. Die Holzschnitzerei ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Dank den Bestrebungen der kantonalen Schnitzler- und Geigenbauschule werden individuell gestaltete Arbeiten hergestellt, die von solidem handwerklichen Können und gutem Formensinn zeugen.

Als wir in Brienz ankommen, nach Telefon- und Fotostopps, fährt das Schiff gerade ab, ohne uns.

© Robert Seidemann

Jetzt haben wir 1:50 Std Zeit, um in der Sonne zu sitzen, an der Uferpromenade entlang zu spazieren, Sandwiches zu kaufen und einen Haufen Schüler/innen zu beobachten.

Das Schiff kommt, wir verladen die Fahrräder und sitzen draußen. Es  bezieht sich etwas und der Fahrtwind kühlt ordentlich. Das Wasser ist türkis grün. Der See ist mit 260 m der tiefste und sauberste See der Schweiz. Jetzt ein Kajak und in dieser herrlichen Landschaft paddeln, das wärs. Aber nun kommen wir in Iseltwald an. Nun geht’s bergauf, und zwar derbe. Robert strampelt locker den Berg rauf, ich stoße, wie man hier so schön sagt. Wenn man oben ist, kann man auch wieder runterfahren und hier gleich mit >>> bergab und einer Baustelle und aufgerissener Fahrbahn mittendrin. Unten war ich froh, dass die Bremsen so gut gehalten haben.

Nach diesen Anstrengungen fahren wir locker nach Interlaken weiter. Was für ein mondäner Ort: mit Casinos und Grand Hotels. Internationales Publikum, Japaner, Engländer, Holländer, etc. Das Schönste allerdings ist der unverbaute Blick direkt von der Flaniermeile aus auf das Jungfrau Massiv. Das ist schon sehr beeindruckend. Einmal die Flaniermeile hoch und wieder runtergeradelt und dann fahren wir weiter nach Wilderswil zu unserem Chalet Hotel Heimat, einem uralten, Schweizer Haus.

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Die Räder sind gerade neben den Bierkisten eingeparkt, da fängt es an zu regnen, nein zu schütten. Wir lassen unseren ersten Radeltag bei einem guten Abendessen und gemütlichen lesen im Bett ausklingen.

Dienstag, den 4.9.

Wilderswil-Spiez-Thun  ca. 35 km

Voller Bangen geht der Blick morgens zum Fenster. Regnet es noch? Gott sei Dank, nicht.

Die Wolken hängen dramatisch in den Bergen. Aber ab und zu sieht man ein kleines bisschen blau hervorschimmern. Es hat auch geschneit, allerdings erst oberhalb 1500 m.

© Robert Seidemann

Wir ziehen uns warm an und ab geht’s. Noch einmal durch Interlaken, diesmal hat sich die Jungfrau allerdings verhüllt, und dann am Thuner See entlang, fast nur an der Hauptstrasse.

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Vor uns beleuchtete die Sonne so einige Hügel aber hinter uns zog sich alles zu und wurde immer bedrohlicher. In Spiez ging’s mächtig bergauf, aber der Blick auf Schloss und See war von oben sehr lohnend. In einer kleinen Kneipe neben der Straße sind wir eingekehrt um uns mit Ovo + Birchermüsli zu stärken. Die nächste Strecke hat es geregnet. Aber es ging wunderbar bergab. Auf dem Jakobsweg nähern wir uns Thun am See entlang auf kleinen Wegen. Endlich Bahnhof Thun, dann über 2 Brücken in die Obere Hohe Gasse. Malerisch und pittoresk. Unser Hotel, das Zunfthaus zu Metzgern,liegt am Rathausplatz. Ein wunderschöner Platz, der von verschiedenen Zunfthäusern umrahmt ist. Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, erklimmen wir das Schloss. Als hätten wir nicht schon genug Berge befahren, müssen wir Treppe um Treppe nach oben steigen. Von oben ein Blick über Thun dann noch ein kleiner Spaziergang bis uns schließlich so kalt ist, dass wir uns ins Restaurant unseres Hotels begeben. Hier sitzen wir super gemütlich und essen vom Feinsten. Es regnet wieder. Um 20:45 Uhr machen wir schon das Licht aus.

Thun ist die elftgrößte Stadt der Schweiz und liegt vor der herrlichen Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau.

Mittwoch, den 5.9.

Thun-Kiesen-Oberwichtsrach-Münsingen-Bern  ca. 35 km

Grandios! Der Himmel ist blau. Die Berge sind hinter dem Rathaus mit ihren weißen Gipfeln zum Greifen nah. Nach dem Frühstück machen wir noch eine Runde zum See und können uns gar nicht Sattsehen. See, Berge, Schlösser, Altstadt……

© Robert Seidemann

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Nun aber los. Heute müssen wir noch nach Bern. Zuerst radeln wir zwischen Autobahn und Bahndamm, dann biegen wir ab in den Auewald. Und nun begleiten wir den Aarelauf. Im Naturpark an der Aare sehen wir plötzlich Bewegung auf dem Fluss. Rafter. Die Aare strömt hier recht flott und die jugendliche Besatzung scheint ihren Spaß zu haben. Dann kommen wir an die Ein- und Aussatzstelle der Rafter und beobachten deren Treiben während unserer Mittagspause mit Sandwiches, Tomaten und Schokolade. Ein netter Schweizer, der hier auch seine Mittagspause macht, erzählt uns, dass wir noch sehr schöne Strecken vor uns haben, nachdem wir ihm von unserer Tour berichtet haben.

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Mit Vorfreude machen wir uns wieder auf den Weg und der nette Schweizer ins Büro. Zunächst fahren wir auf einer Schotterpiste am Flughafen Belp vorbei und schauen uns im Vorbeifahren die kleinen Maschinen an, die hier starten und landen. Bern kündigt sich mit einer langen Abfahrt durch die Wohngebiete an. Dann sind wir unten an der Aare in Bern angekommen. Wo ist die Altstadt? Ein Passant weist nach oben. Dort die Serpentinen wieder hoch und über die Brücke dort. Dann suchen wir das Hotel. Die imposanten Gebäude sind größtenteils verhängt, die Straßen aufgerissen. Bern ist eine Baustelle. Hier zeigen sich die Vorbereitung für die EM 2008 deutlich.  Am Zytgloggeturm vorbei, dann in die Gerechtigkeitsgasse und dort ist das Hotel „Zum Goldenen Adler“

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Die schweizerische Hauptstadt ist keine jener Metropolen, wie man sie als die hektisch-betriebsamen Schaltstellen der Welt kennt. Die Schweiz ist eines der reichsten Länder der Welt. Von der Hauptstadt kann man füglich einiges an Prunk, Pomp und Umtrieb erwarten. Doch eben dies sucht man in der Schweizer Hauptstadt vergeblich. In Bern gibt es auch weder die kühlen Betonpaläste noch die unpersönliche Geschäftigkeit, weder die schwarzen Staatslimousinen mit sirenenheulender Polizeieskorte noch das Verkehrschaos im Zentrum. Ein Bundeshaus hat man dort, gewiss. Es ist mit seinem mächtigen und nicht gerade vorbildlich geglückten neoklassizistischen Kuppelbau weithin sichtbar. Aber im Übrigen blieb Bern mit seinen kilometerlangen Laubengängen, mit seinen Türmen und Brunnen, mit den Häusern selbstbewusster wohlhabender Bürger und ohne alle Prunkbauten ein zähringisch-burgundischer Marktort – gutbürgerlich und sehr liebenswert.

© Robert Seidemann

Da unser Zimmer noch nicht fertig ist, machen wir einen kleinen Stadtrundgang, essen Kuchen am Münster. Die Sonne scheint aber es weht ein kalter Wind.

Nach Zimmerbezug und Abendessen bei einem angesagten Italiener „Luce“ ( es war proppenvoll und gut ) schlendern wir durch die Arkadengänge zurück.

Donnerstag, den 6.9.

Bern-Hinterkappelen-Golaten- Niederried- Aarberg-Gerolfingen-Biel  ca. 45 km

Und wieder werden wir von einem blauen Himmel geweckt. Nach Milchkaffee und Croissant, auf zu neuen Zielen. Das Mitbringsel für die Nachbarn noch gekauft und dann quer durch Bern: Verkehr, Baustellen, Berg rauf, Berg runter und dann ins Grüne. Plötzlich sind wir in einer anderen Welt.

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Die Aare wird aufgestaut zum Wohlensee. Wir radeln durch Dörfer, an alten Bauernhäusern und -höfen vorbei mit wunderschönen Ausblicken auf den See. Hier sind wir in der Schweiz, wie man sie sich vorstellt. Einige Steigungen haben wir allerdings auch zu bewältigen.

© Robert Seidemann

Dann kommt die Abfahrt zum Bieler See. Von der Brücke am See noch ein gigantischer Blick auf das Alpenpanorama. Noch ein kleiner Aufstieg und dann sind wir in der Uhrenstadt Biel. Am Bahnhof fragen wir in der Tourist Office nach dem Weg und dann finden wir nach etwas suchen und fragen das Bed and Breakfast direkt an der Altstadt gelegen. Wir haben ein sehr nettes Zimmer mit Zugang zum Garten. Endlich Haare waschen, denn hier ist ein Fön vorhanden, dann ein Besuch in der Altstadt, Kauf einer Strickjacke, da es „saukalt“ und regnerisch ist. Dann Essen im Pfau mit „Gault Mieux“ Auszeichnung (wie beim Metzgern in Thun). Sehr lecker. Diese Etappe war landschaftlich bis jetzt die Schönste.

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Biel/Bienne (deutsch Biel, französisch Bienne, berndeutsch Bieu [bieu] ) ist nach Bern die zweitgrößte Stadt des Kantons Bern und ist offiziell eine zweisprachige (deutsch und französisch) Stadt. Die Einwohnergemeinde Biel liegt im bernischen Seeland und ist der Hauptort des gleichnamigen Amtsbezirks. Biel ist sowohl für das Seeland als auch für den Berner Jura und für Teile des Kantons Solothurn das regionale und wirtschaftliche Zentrum.
Biel liegt auf 434 m direkt am Bielersee und an den Hängen des Jurasüdfusses. Biel ist, vor Le Locle und La Chaux-de-Fonds, die wichtigste Uhrenstadt der Schweiz.

Freitag, den 7.9.

Biel-Solothurn-Aarwangen- Aarburg ca. 70 km

Wir frühstücken in der Küche des Hausherrn zusammen mit zwei jungen Männern aus Ludwigsburg/Bothmann (Bodensee), die sich in Biel mit Freunden getroffen haben. Es war sehr nett und wir haben uns recht lange unterhalten. Um 10:00 Uhr starten wir erst.

Wieder zurück zum Bahnhof und dann auf die 70 km Strecke. Es geht durch landwirtschaftliche Gebiete, auf Feldwegen immer geradeaus, ohne jegliche Steigung aber mit permanentem Gegenwind. Es ist viel anstrengender als der ein oder andere Hügel zwischendurch an den anderen Tagen. Kurz vor Solothurn hätte ich am liebsten die Bahn genommen. Der Hintern tat zum ersten Mal richtig weh. Mittag haben wir in Solothurn gegessen. Es schien die Sonne und wir hatten draußen, vor einem netten Lokal, einen Platz erwischt. Bald bezog sich der Himmel und es wurde kalt und wir hatten später zu tun, um beim Radeln wieder auf Temperatur zu kommen. Die Landschaft wird jetzt abwechslungsreicher, es geht durch den Wald, durch Orte und irgendwann auch ohne Kaffeetrinken, nähern wir uns Aarburg. Kurz vor dem Ort ein langer Autostau. Wir müssen dicht an den Autos vorbeifahren und freuen uns, dass ein Radweg links abbiegt. Aber nach einer kurzen Abfahrt merken wir, dass wir nicht mehr über den Fluss in den Ort kommen und sind zu weit. Also wieder zurück in den Stau, dann über die Brücke und nun ist es geschafft.

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Abends beim Fleisch auf heißem Stein sind die vielen Kilometer vergessen. Nur den Aufstieg zur Kirche und der malerisch über dem Ort liegenden Burg haben wir uns heute verkniffen, denn schon die 3 Treppen zu unserem Zimmer haben wir in den Beinen gespürt.

Sonnabend, den 9.9.

Aarburg-Olten-Winznau-Aarau-Brugg  ca. 35 km

Die Sonne scheint. Es geht in Richtung Heimat, oder doch noch nicht? Wir lassen es ruhig angehen, Olten hat einen Kunstmarkt auf oder besser in der überdachten Brücke. Es sind sehr schöne Stücke dabei. Ich kaufe und schreibe noch eine verspätete Geburtstagskarte für Bärbel. Robert ist schon leicht genervt. Denn auch das Suchen der Post und vor allem das Warten bis man dran kommt. dauert. Jetzt aber weiter nach Aarau. Aarau liegt auch erhöht über dem Fluß, also wieder ein Anstieg bis wir in dem alten Städtchen angekommen sind. Es herrscht ein buntes Treiben in den engen Gassen. Leute sitzen draußen, fahren mit der Pferdekutsche oder schlendern durch die Straßen. Mitten im Ort findet eine landwirtschaftliche Ausstellung statt, wie in Interlaken übrigens auch schon. Die schönsten Kühe und Schweine sind zu sehen. Wir gönnen uns eine Schweinsbratwurst, es hätte auch noch eine Kalbsversion gegeben. Es gibt überhaupt viel mehr Rind-, Kalbs- und Pferdefleisch zu essen. Dann noch ein Kuchenstückchen hinterher und weiter geht’s. Wir kommen in Schönenwerd am Firmensitz von Bally vorbei. Müssen die zahlreichen Factory Outlets links liegen lassen, da die Packtaschen übervoll sind. Ein paar Kilometer weiter, die Sonne lacht und es ist warm, nähern wir uns einer Badeanstalt. Da wir unsere Badesachen nicht umsonst mitgenommen haben wollen, machen wir Halt und schwimmen neben ein paar wenigen anderen in dem glitzernden Wasser. In der Sonne liegen, faulenzen.. Es ist einfach wunderbar. Um 15:30 h machen wir uns auf nach Brugg. Ein alter Ort mit einem Habsburger Schloss. Wir entschließen uns, hier noch einmal zu übernachten.

Sonntag, den 10.9.

Brugg-Böttstein-Kleindöttingen-Koblenz-Tiengen  ca. 40 km

Total schwindelig. Langsam aufstehen. Duschen. Frühstücken. Los zur letzten Etappe.

Mit einigen deftigen Aufstiegen und Abfahrten geht es zur Mündung der Aare in den Rhein.

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19te internationale Tiberfahrt

19‘ Discesa Internationale del Tevere in Canoa da Citta di Castello a Roma – Internationale Gemeinschaftsfahrt

Anreise 25.4., Samstag

Göttingen-Memmingen-Lindau-Chur-San Bernandino-Lugano
Pünktlich um 9.00 Uhr treffen wir uns am Bootshaus zum Boote laden und um unser Gepäck in Wolfgangs Bus zu verstauen. Es nieselt leicht als wir starteten. Problemlos geht es über die Autobahn gen Süd. Jeder ist mal dran, den Bus zu steuern. Zur Mittagszeit erreichen wir Lindau am Bodensee. Hier machen wir Mittagspause bei Sonnenschein und Hitze. Das BMW Autohaus feiert das neueste 3er Modell mit Zelten, Musik und Bewirtung. Wir mischen uns unter die schikki mikki Autofans und lassen uns Würtschen, Kaffee und Kuchen schmecken. Da wir uns den österreichischen Wegezoll sparen wollen, fahren wir am See entlang bis Bregenz. Bei diesem Sonnenschein ein Vergnügen. Ausflugsdampfer gleiten über den See und die Promenade ist von Radlern, Roller-Bladern und Spaziergängern bevölkert. Das ist eine deutliche bessere Stimmung als im Pfändertunnel! Funktioniert leider nicht immer so staufrei wie heute Nachmittag.

Hinter Bregenz geht es in die Schweiz. Unser Etappenziel ist die Jugendherberge in Lugano. Am Nachmittag beginnt die Suche nach der Jugendherberge, die in der Nähe des Bahnhofs liegen soll. Leider haben die meisten Einheimischen noch nie was von ihr gehört. In einer Seitenstraße entdecken wir unser Ziel. Die Lage ist auserwählt gut, in einem vornehm diskreten Villenviertel in Mitten eines parkähnlichen Gartens. Swimming Pool, Tennis Platz, Tropengarten. Vor dem Entree plätschert erfrischend ein kleiner Brunnen. Wie angenehm.

Nach dem Zimmerbezug (Turmzimmer mit Zugang über eine Wendeltreppe) und einer Dusche gehen wir zum Abendessen in ein in der Nähe gelegenes Restaurant, wo wir die laue Abendluft und das Essen genießen. Die Wirtin empfiehlt selbstgemachte Ravioli und als Vorspeise einen Teller mit Bündner Fleisch auf Tessiner Art. Auch der Rotwein von den umliegenden Bergen schmeckt gut.

26.4., Sonntag

Lugano-Milano-Reggio Emilia-Firenze-Perugia
Wir starten wieder kurz vor 9.00 Uhr und nach weingen Kilometern in Italien. Wir montieren noch schnell an einem Rastplatz das teuere Schild mit dem Warnviereck für Dachgepäck in Überlänge. Die Grenzüberquerung ist problemlos. Bei gleißender Hitze durchqueren wir die Poebene. Frühzeitig treffen wir am Endpunkt der Etappe der Gruppe ein und bekommen als Empfang einen Kaffee serviert. Übernachtet wird in der Turnhalle von Ponte San Giovanni. Nach dem Einrichten der Schlafplätze und dem Duschen wird gemeinsam zum Essen gefahren in ein kleines Dorf nördlich von Perugia bei le Pulci/Bosco. Es gibt Nudeln in den verschiedensten Variationen satt und den guten umbrischen Weißwein. Und das ist das eigentlich überraschend an Umbrien: der einzige bekannte Wein aus Umbrien ist weiß und stammt von der Grenze des Latio-Gebietes, aus Orvieto. Diese Erkenntnis begleitet uns die ganze Woche über, wobei wir dann später in die Gegend der Castelli Romani und des Frascati kamen.

Unsere Tischnachbarn sind ebenfalls angereiste Teilnehmer vom Canoa Club Ancona. Sie sind normalerweise im SeeKajak auf dem Ionischen Meer unterwegs. Franscesco, ein Jurist, hat sich Boot, Neo usw. extra für die Tiberfahrt zugelegt. Natürlich alles Wildwassersachen. Beim Essen kreist die Zeitschrift “Paggaiando”, Paddeln, des italienischen Verbands. Wir bekommen begeisterte Tips für weitere Fahrten. Insbesondere die Tour “Tre giorni in laguna” vom 11-13.7.98 läßt die Augen glänzen: eine 3 tägige Gepäckfahrt durch die Lagune von Venedig. Gezeltet wird auf einer Reihe kleinerer Inseln rund um Venedig von denen lediglich Murano bekannt ist. Inselrundgang, gemeinsames Grillen und weiter geht’s, das ganze im kleinen Kreis. Wenn das nichts ist! Informationen erteilt die Associatione Arcobaleno, Tel.: 041-900591. Also dann bis demnächst!

Die Rückfahrt gestaltete sich abenteuerlich: ein angetrunkener Italiener rammte uns beinahe bei voller Fahrt – eine lange Schramme am Bus erinnert an diesen Vorfall. Inzwischen war der Wagen, dem wir gefolgt waren, außer Sicht. Uns bliebt nichts anderes übrig als eine nächtliche Ortsbesichtigung durch die kurvenreichen engen Gassen von Perugia bevor wir den richtigen Weg nach San Giovanni fanden. Gegen Mitternacht rollten wir uns müde in die Schlafsäcke.

27.4., Montag

Ponte San Giovanni – Deruta  = 17 km
Wir haben schönes Wetter, es ist warm und sonnig. Wir setzen kurz unterhalb von San Giovanni ein (unterhalb des Wehres). Die Szene erinnert an das Einsetzen an Ostern an der Wiesent. Die Italiener sind mit voller Montur am Start. Neopren, Helm, Rettungsweste (Salvatrice) und antürlich die passenden Boote. Nja, die übertreiben halt mal wieder.

Die Tevere entpuppt sich jedoch als ein schneller Fluß mit spritzigen Schwällen. Schon hinter der nächsten Flußbiegung fahren wir durch Schwälle in denen die kleinen Boote der Italiener hüpfen wie die Lachse beim Zug zu den Laichplätzen. Eine kräftige Wasserladung sorgt dafür das die hübschen T-Shirts sofort klatsch naß sind. Durch kräftige Paddleschläge bleibt das Boot im Lot. Die Kräfte, die sich hier austoben sind gewaltig, immerhin sackt hier jeweils ein Fluß wie die Weser ab.

Unterhalb der Brücke “Ponte Nuovo” ist ein verfallenes Wehr. Beim heranfahren rauscht es gewaltig. Ich frage die nette Paddlerin neben mir: was das wohl zu bedeuten hat? Sie lacht fröhlich und sagt: Nichts besonderes, nur eine nette Gelegenheit für ein Gratisbad (Te fa pagare un bagno). Das ist ungewohnt zu den anderen Fahrten, man kann das Urteil der Anderen weder beurteilen noch interpretieren. Also ran an den Feind und ab …….. O Gott o Gott! Ich bin einfach auf den Riesenschwall zugefahren. Eigentlich wollte ich sowas nie im Leben….Au weia…. zu spät, also Paddeln, Paddeln. Das Boot wird von gewaltigen Kräften geschüttelt und erst als ich den Schwall schon fast hinter mir habe bekommt das Boot noch eine leichte Drehung nach rechts. Wie in Zeitlupe gehe ich baden. Wouw, ist da Zug drauf. Das Boot zischt ab und ich kann gerade noch das Paddel erwischen. Aber die Italiener sind gut organisiert. Sofort zieht mich einer mit dem Boot aus dem Wasser während zwei andere dem Boot nachsprinten. Es gibt noch viele Kenterungen. Insbesondere Franco hat mit seinem Kanu einen Heidenspaß und läßt sich solange durch die Luft wirbeln, bis er es dann einmal in einem Rutsch schafft. Geht dann eines seiner Fässer baden, setzt die Meute mit dem Ruf Attentiona, la Posta! dem runden Ding nach, in dem sich die aussergewöhnliche Fracht befindet. Spezielle Briefe, von einer Postbeamtin feierlich am Start in Citta di Castello gestempelt, zum Flußtransport nach Rom. Da darf nichts verloren gehen.

Auch Wolfgang setzt sich in Szene und fährt unter lautem Beifall der Italiener die Schwallstrecke noch einmal, diesmal aber rückwärts. Wenn Franco geahnt hätte, was man noch so alles im Seekajak machen kann. Mein Problem ist, das ich nicht zu meinem Boot komme. Das Ufer ist glatt wie Schmierseife, ein Wald von Brennnesseln und zahlloses Dornengestrüpp verhindern jedes durchkommen. Durch Francos Spieltrieb kann ich nicht mit dem Kanu ein Stück mitfahren. Immer wider stürzt er sich die Monsterstufe hinunter. Die Italiener haben mein Boot weiter flussab voll Wasser an einem Busch festgebunden. Annekatrin nimmt mich schließlich auf dem Hinterdeck um die nächste Flußbiegung. Wir kommen bis zum Boot, aber an der Stelle, wo es angebunden ist, kann man nicht aussteigen. Der Fluß hat Hochwasser, das Ufer fällt steil ab. Mühsam krabbele ich vom Deck des Arno ins Schlauchboot der Amerikaner und nehme den Orka an den Haken. Das hat jetzt Expeditionscharakter. Eine ganz schöne Aktion jedenfalls. Endlich gibt’s wieder trockene Sachen. Nach weiteren kräftigen Schwällen ist der Kentersack weitestgehend gelehrt und ich fahre die letzten Kilometer nur noch mit Annekatrins Regenjacke bekleidet. Irgendwie waren unsere italienischen Freunde vielleicht doch besser angezogen. Ich wünsche mir vom Weihnachtsmann nächstes Mal die kleidsamen Neosachen.

Die Tour endet unterhalb Deruta. Die Gegend ist für ihre Keramik und Töpfereien bekannt. Ein Schreck beim Anblick der Autos: bei dem Pärchen aus Gießen ist das Seitenfenster zertrümmert worden. Es fehlt jedoch nichts. Bei einem anderen Auto sollte wohl ein Seitenspiegel entfernt werden. Die Vorhut war wohl mal eben in der Kneipe vor Ort und andere haben sich auf Ihre Art die Zeit vertrieben.

Während die Gießener den Schaden beheben lassen, fahren wir weiter zum Sportlerheim vom Fußballplatz, wo wir duschen können. Die Männer können in den Mannschaftsduschen benutzen, die Frauen haben die Dusche des Schiedsrichters zur Verfügung. Anschließend fahren wir weiter zum Dorfgemeinschaftshaus. Hier trifft auch das Pärchen aus Gießen mit dem alten R5 ein. Die lokale Werkstatt hatte ganz zufällig genau die passende Scheibe aus einem just stillgelegten R5 anbieten und einbauen können! Was für ein Zufall!

Inzwischen geht ein Regenschauer hernieder. Im Dorfgemeinschaftshaus, das gerade neu fertiggestellt wurde, wird übernachtet und auch die Wäsche getrocknet. Das rustikale Essen wird von der Gemeinde gestiftet. Der Abend endet mit Ansprachen und Ehrungen und einer Verlosung von Keramiktellern. Francesco, der die Tour seit vielen Jahren organisiert, findet ergreifende Worte. Die völkerverbindende Funktion der Dicesa wird uns anschaulich geschildert. Diese Route war seit anbeginn aller Zeiten von großer Bedeutung für die Menschheit: für die alten Römer natürlich, aber auch schon vor ihnen für die Etrusker und natürlich bereits im Neolithikum. Auch Kunst und Kultur dürfen nicht zu kurz kommen beim Paddeln, gerade hier in Italien. Wo alles anfing. Ähnliche Reden müssen die Leute von der UNESCO beeindruckt haben, als sie piano piano dafür sorgten, daß über die Hälfte des Budgets zum Erhalt des “Erbes der Menschheit” nach Italien fließt.

Schließlich werden zu vorgerückter Stunde handgearbeitete Tonteller verschenkt. Geehrt wird die weiteste Anreise (die beiden Amerikaner), die weiteste Anreise in Europa (Ein Wandteller für den GPC), die weiteste Anreise in Italien (aus Brescia), die größten Pechvögel (aus Gießen). Anschließend wurden handgeformte Porzellankajaks verlost. Andreas, Wolfgang und Annekatrin gewannen je eines.

Während wir einen Becher Wein um den anderen lehrten, begann draußen ein kräftiger aber stetiger Regen.

28.4., Dienstag

Ponte Cudi – Lago di Corbara = 20 km
Es regnet und regnet. Wir starten zur längsten Etappe, die aber wegen schlechtem Wetter gekürzt wird. Damit bleibt uns ein weiterer Riesenschwall erspart, den die Bayern im Vorjahr schön geknipst haben. Wir setzen an einer Tiberbrücke unterhalb von Todi bei Ponte Cudi ein. Die Bayern erzählten uns, daß unterhalb der Brücke im letzten Jahr noch ein gefährlicher Schwall war, den sie teilweise umgetragen hatten. Auch diese Bilder lassen sicher bei vielen Paddlern die Herzen höher schlagen. In diesem Jahr ist nun allerdings alles spurlos im Hochwasser versunken, wie wir gut von der Brücke aus erkennen können.

Wir besichtigen während die Autos vorgebracht werden das Bergdorf und trinken nochmals eine Tasse Cappuccino. Die letzten ca. 15 Kilometer sollen auf dem Stausee von Corbara gepaddelt werden. Zuerst fahren wir durch ein schönes bewaldetes Tal mit steilen Felswänden. In einer Regenpause machen wir Mittag auf einem Felsvorsprung. Bergauf sehen wir Höhlen, die früher wahrscheinlich bewohnt waren. Am Seeanfang sehen wir große Inseln aus Treibholz. Der See öffnet sich und wir gleiten schnell dahin. Andreas stellt die interessante Frage wie es wohl hier zum Paddeln wäre, wenn Wind aufkommt. Die Frage brauchen wir denn nicht erst lange theoretisch zu bearbeiten, denn schon bald kommt von den N/W gelegen hohen Berzügen ein kräftiger Fallwind, der den See ordentlich aufwühlt und die Boote vehement in eine Richtung drehen will, in die wir eigentlich gar nicht fahren wollen.

Es kommt Wind auf, der schräg von vorne bläst. Andreas dreht ab und fährt dicht unter Land. Robert und Annekatrin fahren mitten im See und reiten auf den Wellen. Am Steg des Ruderclubs wird bei starkem Platzregen und Wellen angelegt. Das Aussteigen ist nur auf dem Scheitelpunkt einer Welle möglich, wenn gleichzeitig ein anderer das Boot hält. Hier haben nun unsere italienischen Freunde mehr Last, weil sie nur gewohnt sind die rückwärtig Stütze zu benutzen.

Das futuristische Bootshaus hat die Form eines umgedrehten Ruderbootes. Es stellt sich heraus, daß das erst vor kurzem Fertig gewordene Bootshaus nicht ganz wasserdicht ist, an einigen Stellen quillt das Wasser rein. Wir schlafen im Tagesraum und haben auch wieder die obligatorische Wäscheleine gespannt. Wir haben die Möglichkeit zu duschen, aber nur die beiden Ersten haben warmes Wasser. Nicht alle Paddler haben die hier angebrachte stoische Ruhe, alles cool zu finden. Wir geniessen vom Balkon aus eine wunderbare Rundumsicht über den See bis zur Sperrmauer. Der Regen hat nachgelassen und wir fahren nach Orvieto.

Wir haben 2 Stunden Zeit für die Besichtigung. Orvieto gehört zu den 12 Etruskerstädten. Die mittelalterliche Stadt liegt auf einem Tafelberg.. Wir besichtigen den Dom und sehen uns bei einem Extraeintritt (die Karten dafür mußten in einem Geschäft auf der anderen Straßenseite gekauft werden) die berühmte Renaissance-Malerei in der S.Brizio Kapelle von Luca Signorelli (1504) an. “Das jüngste Gericht” und “Die Auferstehung der Toten” heißen die atemberaubenden Bilder. Die Auferstehung wird von zwei posauneblasenden Engeln mit wild flatternden Bändern angekündigt. Aus dem Erdboden sind schon zahlreiche nackte Frauen und Männer gestiegen. Andere, zum Teil noch als Gerippe, versuchen sich  aus der Erde herauszuwinden. Besonders beeindruckend ist die Darstellung der knackigen Körper, die in allen möglichen Stellungen und Anspannungen dargestellt werden. Die Verherrlichung der nackten Körper mit ihrer athletischen Kraft und inneren Erregung diente später Michelangelo als Vorbild für die Fresken in der Sixtinischen Kappelle. Wolfgang und Andreas werfen mit Feldstecher einen Blick ins gemalte Jenseits.

Wir spazieren durch die engen Gäßchen und entdecken malerische Winkel trotz des einsetzenden Regens. Draußen kommen gerade  Annekatrin mit Francesco und seinem Partner aus Ancona vorbei. Sie schlagen uns vor zum alten Borgo Pozzo zu gehen. Wir besichtigen den tiefen Brunnen, bei dem zwei Wendeltreppen gegenläufig angebracht wurden. Diese Wendeltreppen sind für die Esel gebaut worden, die nicht dazu gebracht werden konnten, sich im Brunnenschacht umzudrehen oder bei der Begegnung mit einem anderen Esel schlicht stehenblieben. So konnten die Esel von damals in aller Ruhe ihre Runden drehen und man ahnt schon, daß auch von den heutigen Rundläufern nicht jeder den Trick mitkriegt. Wir sind natürlich oberschlau und schicken Annekatrin vor und winken uns gegenseitig zu.

Danach geht die Fahrt zu einem gemeinsamen Abendessen in eine Trattoria in Cartiglione i.T. Wolfgang und Andreas schreiben Karten, die schon Dienstag in Göttingen eingetroffen sind!!! In der Trattoria ist gut für unser Wohl gesorgt. Die Ravioli mit Kanninchenragout sind gut und die gratinierten Nudeln auch sehr lecker. Zum Nachtisch wird ein Tirami su serviert, das sozusagen klassisch perfekt ist. Wie schön, wenn man mal das Original auf dem Teller hat. Die Löffelbiskuits wurden in Kaffee eingelegt und das Ganze war rechtzeitig vorbereitet worden. Da auch heute wieder irgend ein Geburtstag zu feiern war, standen pötzlich noch Spumante und Likörwein auf dem Tisch und ganz zum Schluß wurde ein Wacholderschnaps aufgetan, der es problemlos mit Ratzeputz aufnehmen könnte.

Beim Essen hatten wir uns mal mit anderen Italienern zusammengesetzt, ein Paar aus Brescia im Norden und Franco, der Guida Fluviale mit seiner Freundin aus Rom. Franco gehört zu 13 offiziellen Paddel-Lehrern, die in Italien aktiv sind. Er hat schon zahlreiche Schulungen mitgemacht und ist mit allen Wildwassern gewaschen. Er hat ein Video zusammengestellt, das er mir unbedingt zeigen will. Er arbeitet als Pfleger am Gemelli Krankenhaus in Rom, wo u.a. der Papst kuriert wird.

Die Italiener frühstücken mit einem Kaffee und einem kleinen Croissant in der nächstgelegen Bar. Ich schließe mich mit Annekatrin dieser geselligen Praxis an. Dabei kann man die ganze Bevölkerung Revue passieren lassen. Die Schüler sind da, die Angestellten auf dem Weg zur Arbeit. Neben uns zwei Polizisten, der eine mit dem Colt, der andere mit der Uzi am Halfter.

Die Deutschen versorgen sich zum Teil selbst, ganz wie daheim.

Es gibt bombastische Kriegerdenkmäler für den I. Weltkrieg in vielen Orten, aber nicht für den II. Was oder wen hätte man da auch noch feiern sollen?

29.4., Mittwoch

Alviano – Orte = 28 km
Es ist diesmal eine längere Strecke angesetzt worden: von Alviano bis Orte. Der Fluß hat sich in den idealen Wanderfluß verwandelt. Wir setzen unterhalb des 2. Stausees bei Alviano ein. Die Ufer sind bewaldet, die Orte liegen oben auf den Bergen. Da der Fluß jetzt breiter ist, ergeben sich schöne Ausblicke in die Landschaft.

Es kommt immer wieder zu kurzen Schauern. Obwohl die Autobahn fast parallel zu dieser Flußstrecke fließt, ist sie kaum wahrzunehmen. Unsere Mittagspause machen wir direkt bei der 3. Autobahnbrücke. Beim Bau der Straße wurden hier die Ruinen eines römischen Tiberhafens gefunden, ausgegraben und überdacht. Franco betätigt sich als Führer und erläutert die Warmwasser-Fußbodenheizung. Als ich ihm sage, daß ich das bei meinem Haus auch plane, gerät Robbi aus Frisco ganz aus dem Häuschen. Echte Ami Begeisterung. Kurz darauf muß ich mir anhören, wie sie in ihrem letzten Domizil in Mexiko den Lehmboden gestampft haben. Gut das es schon bald weitergeht! Nach wenigen Kilometern erscheint ein mayestätischer Ort hoch über uns an einer schroffen Felswand. Annekatrin kann ein Photo machen, die Sonne steht gut. Wenig später erkennen wir, daß wir bei Orte angekommen sind. Das Ufer ist vom Hochwasser glatt wie Eis, der alte neukommunistische Partigiano fällt lang hin.

Wir übernachten in der Turnhalle vom Neubaugebiet von Orte. Wir machen wieder einen schönen Spaziergang durch die Altstadt von Orte, die wiederum auf dem Berg gelegen ist. Vom Fluß haben wir eine alte Wasserzisterne gesehen. Vor der Schule üben die Kinder das Werfen ihrer Fahne und das Trommeln für den nächsten Palladio.

Heute wird im Vorraum der Turnhalle gemeinsam gekocht. Erstaunlich, was man für 7000 Lit. So aus dem Boden stampfen kann. Francesco, Marcello, Walter, Isa und wer immer helfen will sind am Vorbereiten der Spaghetti Carbonara für die ganze Gruppe beteiligt.

Unter der Woche sind wir ca. 43 Teilnehmer, davon 20 Deutsche, 2 Amerikaner und der Rest Italiener. Jeden Tag wurden etwa 14 Autos versetzt. Der Rücktransport wurde mit einem blauen römische Stadtbus durchgeführt. Klar, daß wir das neueste und elegantetse Modell zur Verfügung haben.

Das Abendessen endet so gegen 22.00 Uhr. Ein Teil der Gruppe fährt noch zu einer heißen Thermalquelle nach Viterbo. Andreas vertritt uns. Gebadet wir in dem ca. 35-40° C heißen Becken von ca. 23.00 bis 1.00 Uhr. Dazu gibt’s kalten Spumante im heißen Naß, Frankos Freundin hat Geburtstag.

30.4. Donnerstag

Ponte Felice – Ponzano Romano = 24 km
Heute soll von Ponte Felice  bei Magliano bis Ponzano Romano bei Nazzano gepaddelt werden. Der Einstieg ist bei einem Kieswerk ca. 5 km unterhalb eines Kraftwerks. Das Ufer ist leicht schlammig. Bis auf Andreas fahren wir alle beim Vorbringen der Autos mit. So bekommen wir auch mal etwas vom Hinterland zu sehen, denn der Stadtbus, mit dem wir zur Einsatzstelle zurückfahren, nimmt eine andere Straße als die Pkws beim Vorbringen. Während der Autofahrt ging ein starker Platzregen nieder. Mittagspause machen wir auf einer Kiesbank am Fluß. Sie fällt ziemlich kurz aus, denn es ist windig und kühl, aber trocken. Danach hebt der Regen wieder an und erreicht eine schon beachtliche Stärke. Die kräftigen Regentropfen peitschen das Wasser auf und es geht alles in einem sindflutartigen Szenario unter. Wir hauen rein um ans Ziel zu kommen. An einer der großen Flußbögen will uns ein Italiener etwas erklären, was wir aber erst später begreifen: Die Schleife ist an dieser Stelle so eng beieinander, daß man fast einen Stein vom Boot aus in den auf der anderen Seite entgegenkommenden Fluß werfen könnte.

Unser Ziel ist bei einem Restaurant, das halb Zoo, halb Pferdegestüt ist. Die Bauweise erinnert an Hundertwasser, da alle möglichen Trümmer beim Bau bewußt mit einbezogen wurden. Bei diesem Restaurant findet man auch viele antike Sammelstücke, von alten Nähmaschinen bis hin zu Dreschpflegeln und Pferdegeschirr. Es regnet immer noch sehr stark beim Ausstieg. Wir versinken im Tiberschlamm. Neben uns schnarcht im tiefen Schlamm ein zahmes, riesigengroßes Wildschwein. Bei den Autos wackelt ein Fohlen durch die Gruppe. Wir können uns im strömenden Regen unter der überdachten Terrasse umziehen und anschließend Kaffee trinken. Wir legen für pro Tasse Espresso 1000 Lire aufs Tablett. Im Hintergrund knistert behaglich das Kaminfeuer. Nach einem Tag mit viel Regen auf dem Fluß ein wohliges Gefühl.

Mit dem Autor geht es durch das Bergstädtchen Nazzano nach Torria Tiberina. Unterwegs haben wir Blick auf die Tiberschleife von oben. Die Landzunge zwischen der Schleife beträgt nur 25 m. Wir nehmen unser Quartier im Castello, BJ.1200. Die obligatorische Wäscheleine wird im alten Gemäuer gespannt. Es ist kalt in der alten Burg aber wir haben eine schöne Rundumsicht über das Tibertal. Es ist so feucht und kalt in der Burg, daß die Wäsche leider gar nicht trocknet. Aber das Ambente ist einfach unschlagbar, so daß wir über die alternativ angebotene Übernachtung in einem Kindergarten gar nicht erst nachdenken. Es hat aufgehört zu regnen und so machen wir einen Spaziergang durch das Bergstädtchen Torrita und durch die Altstadt, die innerhalb der Burgmauern liegt. Heute ist unser gemeinsames Abendessen im Zoo-Gestüt-Restaurant. Die Pferde sind angeblich halbwilde Toscanapferde, die dort ganzjährig frei im Gebirge herumlaufen.

Das Essen war wie immer sehr reichhaltig und reichlich – bis zum Abwinken. Hier werden einfach Platten durchgereicht und jeder nimmt sich so viel wie er möchte. Rot- und Weißwein stehen in großen Karaffen auf dem Tisch und werden des öfteren wieder aufgefüllt. Zuerst gibt es als Vorspeise salziges Pizzabrot mit tiefrotem, luftgetrocknetem Schinken, danach den obligatorischen Primo Piatto mit Nudeln. Irgend wer hat den Grill angeworfen und draufgepackt, was draußen kurz vorher so rumlief: Lamm, Schwein und würzige Bratwürstchen, die uns an unsere Regensburger erinnern. Dazu gibt’s Salat und Kartoffeln auf kantabrische Art, mit viel Rosmarin gebraten. Hier im Zoo-Restaurant folgt nach dem Kaffe noch ein Ferret-Branca, aber wer glaubt denn heute immer noch an Vampire? Diejenigen bestimmt, die das Zeug trinken. Sogar Andreas ist so richtig rundum satt geworden. Schließlich die obligatorische Sammlung: wir haben für 30.000 Lit. getafelt.

Wir hatten Nachts noch Spaß mit der Behindertentoilette: Wenn jemand dort am vermeintlich richtigen Bändchen zog, schrillte in unserem Raum die Alarmglocke. Letzlich kehrte aber doch Ruhe ein und wir haben im Schloß alle gut geschlafen.

1.5., Freitag, Tag der Arbeit

Ponte Giubileo – Rom Ponte Milvio = 12 km
Der morgentliche Blick von der Burg ins Tal ist zauberhaft. In der Nacht hat ein dichter See aus Nebeln das Tal bedeckt. Da die Orte auf den Bergkuppen liegen, hat es den Anschein, sie lägen auf Inseln im See. An anderer Stell taucht ein Tiberbogen urwaldartig aus dem Nebel auf. Die ganz Gegend ist noch sehr ursprünglich und als Naturpark unter Schutz gestellt.

Heute haben wir nur eine kurze Etappe vor uns: 12 Km von Castello Giubileo bis Roma. Castello Giubileo ist nahe Prima Porta aber nördlich vom Autobahnring. Wir beginnen die Fahrt direkt unterhalb eines Kraftwerkes. Der Tiber ist deutlich gestiegen und hat eine Siena-braune Farbe angenommen. Wir müssen in den Booten noch etwa eine halbe Stunde warten bis das italienische Fernsehteam (RAI – Radio Televisione Italiana) eintrifft. Während der Wartepause finden die Paddler aus Brescia im gegenüberliegenden Ufer ein Säckchen mit 3 jungen Katzen. Bald turnen die kleinen Biester über Boote, Paddel und verstecken sich in Schwimwesten. Da bei Elisabeth auch stets ein Hund mitfährt, können ja auch nun mal ein paar Katzen mitkommen.

Mit Francos Paddelknallen wird gestartet. Die meiste Zeit lassen wir uns bei flotter Strömung treiben, denn wir sollen erst um 14:00 Uhr beim Bootshaus/Vereinshaus der römischen Busfahrer eintreffen. Das Fernsehen möchte unsere Einfahrt in Rom filmen und auch der Empfang braucht seine Zeit. Wir sehen vom Wasser nicht viel von Rom. Einige Vorortsiedlungen liegen über uns in ausgedehnten Wäldern aus hohen römischen Pinien. Ein paar entgegenkommende Rennruderboote und auch Rennkajakfahrer begrüßen uns. Hinter einer marmornen Mussolini-Brücke taucht die alte Ponte Milvia auf. Constantin der Große aus Trier erlebte den Anblick mit etwas anderen Gefühlen bei der Schlacht an der Milvischen Brücke. Bei der alten Römerbrücke sind von den 3 Bögen noch 2 authentisch, was für die Qualität des römischen Betons spricht. Sie dient heute als Fußgängerbrücke. Viele Besucher der 1.Mai-Feier des Vereins winken uns von der Brücke aus zu. Zwei alte Römer sind mit Lanzen und Lederrüstung am höchsten Punkt der Brücke  positioniert. Sehr beeindruckend. Hinter den dicken Brückenpfeilern aus Römerzeit ergab sich ein gewaltiger Brückenschwall, der sicher ausgereicht hätte ganze Ausflugsdampfer rumzudrehen. Die Gorgos waren echt beeindruckend. Dabei wäre es fast noch zu einer Kenterung gekommen. Wolfgang treibt quer vor der Brücke, um das ultimative Bild zu schießen, so daß Andreas nicht vorbeikommt. Andreas verliert kurzzeitig sein Paddel, so daß er ein paar ganz ungute Sekunden durchlebt.

Wir schwingen uns ins Kehrwasser vor dem Vereinsgelände – und so sind wir nach 5 Etappen gut angekommen. Die Kapelle spielt den Hochzeitsmarsch aus Aida. Eine Abordnung der römischen Legion Claudia mit Standarte SPQR, komplett mit Helm, Brustpanzer, Sandalen, Beinschienen, Kurzschwert, Pilum (Lanze) und Dolch stehen am Ufer Spalier. Auch einige Römerinnen haben sich dazugesellt. Wir müssen unsere Boote an ihnen vorbeitragen und werden mit einem herzlichen “Salve!” begrüßt. So einen Empfang haben wir alle noch nicht erlebt.

Auf dem Vereinsgelände werden wir herzlich begrüßt und bewirtet. Auch hier stehen die Römer Spalier und eine Blaskapelle spielt. Es gibt Pasta und Wein, danach werden Schinkenbaguette ausgeteit. Passend zum Mai gibt’s als Spezialität Peccorino (ein pikanter Hartkäse aus Schafsmilch) und dazu frische Saubohnen. Wir sitzen etwas ratlos vor einer großen Kiste mit den grünen Schoten. Aber ein freundlicher Römer zeigte uns gern, wie man diese ißt: zuerst die Bohnenpelle entfernen, dann die Bohne aufbeißen und nur die Keimblätter herausholen. Zunächst werden diese gegessen (es erinnert an frische Erbsen – superb), dann den Käse dazu. Plötzlich merkt man, wie beides harmoniert. Naja, die arbeiten hier ja auch schon lange an der Perfektionierung solcher Menüs.

Zum letzten mal werden die Boote aufgeladen – unser Viererteam arbeitet immer schneller und zuverlässiger. Schließlich folgt noch die Verabschiedung von den vielen neuen Kameraden – und es beginnt wieder zu regnen. Wir beschließen, mit dem Auto eine Stadtrundfahrt durch Rom zu machen, bevor wir zum Campingplatz fahren. Durch den Feiertag ist nicht viel Verkehr in der Innenstadt und die Stadtbusse fahren ja eh nicht – die Fahrer sind alle beim Feiern im Verein und nüchtern ist unzwischen keiner mehr.

Durch die vielen Einbahnstraßen verlieren wir schnell die Hauptrichtung zum Forum Romanum und gelangen statt dessen zur Engelsburg und dem Vatikan. Auf einer Anhöhe bei einem imposanten Brunnen machen wir halt und blicken über die verregnete Innenstadt. Wir erkennen den Petersdom und sehen die unzähligen Kirchen und Dächer der Stadt. Beim zweiten Anlauf gelingt es: wir passieren die Trajanssäule, das Forum Romanum, den Triumphbogen, das Kolosseum. Auf dem Rückweg stoppen wir kurz am Augustustempel. Es geht gen Nord zum Campingplatz “Tiber” bei Prima Porta. Wir stellen die Zelte bei strömenden Regen auf, duschen und besuchen anschließend wir das Restaurant im Campingplatz. Zum letzten mal essen wir richtig italienisch auf dieser Reise. Es regnet die ganze Nacht weiter.

2.5.98, Sonnabend
Nachdem wir die Zelte naß abgebaut haben, gehen wir frühstücken. Pünktlich, vor 9.00 Uhr starten wir unsere Rückreise. Wir sehen auf der Fahrt, daß der Tiber stark gestiegen ist. Schon kurz nach dem Start hat es aufgehört zu regnen. Wiederum ist die Überfahrt über den San Bernadino-Paß sehr imposant. Es hat frisch geschneit und wir können uns im alten Skiort am Gipfel eine kleine Scheeballschlacht gönnen und zum Gipfelphoto mit einem Schneemann posieren. Im zügigen Tempo von 130 km/h erreichen wir Lichtenstein. Wir übernachten in der Jugendherberge Schaan-Vaduz. Unser letztes gemeinsames Abendessen findet in einer Gastwirtschaft am Rande des Dorffestes statt.

3.5., Sonntag

Unsere letzte Etappe beginnen wir um 8.30 Uhr. Über Bregenz auf der Bundesstraße am Bodenseeufer entlang geht es nach Lindau. Wir essen Mittag im fränkischen Burgbern. Leider kommen wir bei Kirchheim doch noch in einen Stau. Um 17.30 Uhr erreichen wir nach insgesamt 3.298 km das Bootshaus.

Mobile – Stabile

Überlegungen zu den Kunstwerken von Calders und ein Besuch im Calders-Saal im Sprengelmuseum Hannover

Prof. Dr. Jörg Dünne aus Erfurt bezog sich bei seinem Vortrag im Rahmen des Forums Junge Romanistik am 15.3.17 auf die Kunstwerke von Calders. Die Werke Calders sind filigrane Mobiles aus lackierten Metallscheiben, die man in einem Raum z.B. vor dem Fenster aufhängt damit sie dort von der Luft bewegt ihre Kreise drehen. Durch ihre Aufhängung können die einzelnen Teile des Mobiles eine Vielzahl von Positionen einnehmen, aber stets nur im wohldefinierten Abstand, der durch die Drähte der Konstruktion vorgegeben ist.

© Seidemann Solar GmbH
Foto Robert Seidemann, Sprengelmuseum, Hannover

Dünne macht dazu eine bemerkenswerte Aussage: „Stabilität wird kulturtechnisch hergestellt“. Sie ist wie die Harmonie in der Musik oder der Bildaufbau des Gemäldes ein künstlerischer Akt. Sartre betrachtet die Mobiles seines Zeitgenossen und Nachbarn im Vergleich zur Plastik und der Malerei: « La sculpture suggère le mouvement, la peinture suggère la profondeur ou la lumière. Calder ne suggère rien : il attrape de vrais mouvements vivants et les façonne. Ses mobiles ne signifient rien, ne renvoient à rien qu’à eux-mêmes : ils sont, voilà tout ; ce sont des absolus. » J.P. Sartre « Les mobiles de Calder », en situations III, 1946.

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Foto Robert Seidemann, Sprengelmuseum Hannover

Andere seiner Kunstwerke sind große Metallkonstruktionen, die frei im öffentlichen Raum stehen. Auch Sie sind sie filigran, durchsichtig und erwecken den Anschein, sie könnten beim nächste Wind entschwinden oder einfach abheben. Sie setzten sich aus Stahlplatten zusammen, die sich gegenseitig stützen und nur so zum Stabile werden und nicht umstürzen.

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Foto Robert Seidemann, Maschseeufer, Hannover

Julieta alias Juliet

Nachdem die Aufführung während des europäischen Filmfestes im November bis auf den letzten Platz ausverkauft war, kamen nur drei Monate später deutlich weniger Zuschauer in unser Programmkino. Ich hatte die Wartezeit nach dem vergeblichen ersten Anlauf bis zur sich erwartungsgemäß kurzfristig ergebenden second chance genutzt und an Weihnachten den Erzählband „Tricks“ von Alice Munro ausgeliehen, in den Tagen vor dem Kinobesuch die Geschichte „Entscheidung“ angefangen und just am Vorabend der Filmaufführung beendet. Es ergab sich der verblüffende Effekt, dass ich den Film wie ein déjà vu erlebt habe. Gleich zu Beginn trifft Julieta ganz zufällig ihre alte Freundin Heather (bei Munro), die ihrerseits ganz zufällig in der entfernten Schweiz (bei Aldomóvar) Julietas seit so vielen Jahren mit unbekanntem Ziel und ohne Angabe näherer Gründe entschwunden Tochter getroffen hat. Damit ging just am Vorabend die Erzählung zu Ende und ich bin mitten drin im bunten Geschehen, das nun in der Rückblende abläuft. Die Personen haben im Film andere Namen, aus dem Fischer Eric ist der galizische Xoan (x=sch) geworden und so geht es fort. Aus dem nachts im Schnee auftauchenden Wolf (bei Munro) wird ein beeindruckender Hirsch, der in seinem brünftigen Galopp die Natur als Paralellwelt zum menschlichen Treiben noch besser verdeutlicht. Er kann uns nicht sehen, erklärt Juliet, er hat die Witterung eines Weibchens aufgenommen. Parallel dazu nimmt Xoan ihre Witterung auf mit durchaus vergleichbarem Ergebnis.

Kann das auf die Dauer gutgehen? Die meisten Literaturverfilmungen sind mir ein Greul, alles was den Text besonders und das Lesererlebnis einzigartig macht, fällt einem Bilderrausch zum Opfer und die Charaktere sind mit den stets gleichen Schauspielern aus dem heiligen Wald besetzt. Hier aber ist es ein wunderbares Spiel mit Orten und Personen, alles bleibt authentisch, man erlebt z.B. die Galizier mitsamt dem Regen und einem brutal heranrauschenden Atlantik. Dabei kommen wie so oft bei Aldomóvar die Frauen besonders groß raus. Da die Geschichte im Rückblick abläuft, teilen sich Emma Suarez und Adriana Ugarte die Lebenszeit von Juliet alias Julieta. Das ist gut gelungen und bis in die Details von Familienfotos umgesetzt, wo die ältere Julieta im heimischen Regal das Foto der jungen Frau mit Ihrem Fischermann stehen hat. Frisör Berbel hat am Set gute Arbeit geleistet. Der blaue Pullover bei Julietas Bahnfahrt kontrastiert die eindrucksvoll struppig blonde Frisur und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck von Schönheit. Pedro hat meiner Meinung nach die Geschichte in einigen Punkten eher noch vertieft, lässt bei Julieta die Zweifel, Schuldgefühle und Hoffnungen sehr offensichtlich werden. „Deseo“ heißt die Produktionsfirma der Gebrüder Aldomóvar, deren Lettern den Film einleiten und was das Leitmotiv ihres Schaffens ist. Bei diesem Hoffen und Sehnen bleibt es bis zur letzten Minute und so endet auch die Erzählung: „Sie hofft weiter auf ein Wort von Penelope, aber nicht sehnlich oder gar inständig. Sie hofft wie Menschen, die wider besseres Wissen hoffen, auf einen unverdienten Glücksfall, auf spontanen Straferlass, auf derlei Dinge.“

Comme un avion

Ein Film von Denis Podalydès

Es war einer der letzten Filme freitagabends beim Europäischen Filmfest im November 2015 in Göttingen. Ein französischer Film, bei dem auch noch ein Faltboot eine wesentliche Rolle zukommt: das sind für mich gleich zwei gewichtige Gründe ins Kino zu gehen. Also schnell ins Lumière und last Minute nach Frankreich.

Nach wenigen Einstellungen ist man im Leben des Hauptdarstellers angekommen: vor dem Computer (3 D Animation mit Musik von J.S. Bach) sitzt und arbeitet Michel, ein Motoroller bewegt ihn durchs moderne Leben. Seine Frau ist adrett, seine Freunde nett und ein Hobby hat er auch: er träumt von den Postfliegern vergangener Tage, als das Fliegen noch Abenteuer war und es etwas zu entdecken gab. Zu dem Thema kann man was sammeln und es eignet sich für immer weitere konvenable Geburtstaggeschenke. Dann kommt ganz unvermutet etwas unvorhergesehenes und Unkonventionelles zu und über ihn. Während er mit seiner lieben Rachelle wie Millionen andere Paare abends in Richtung Bildschirm blickt, klickt er sich im Internet auf seinem Pad von einer Seite zur Nächsten, bis es dann passiert ist: er hat ein Kajak bestellt, ein waschfestes Faltboot. Bald wird es mit DHL oder UPS geliefert und er geht über seine Terrasse mit dem Faltbootgestell um sich herum wie ein Buschpilot vorm ersten Start. Er kommt sich vor wie ein Flugzeug. Dann bringt ihn seine Frau zu einer Einstiegsstelle am Fluss, es zieht ihn zum Meer hin. Sie verabschieden sich, er begib sich in die Welt der Natur und sie kehrt zurück in die Welt der Kultur. Ein ätherisches Band verbindet sie, das Handy ist (noch) gleichermaßen im Boot und im Auto dabei.

Nun beginnt der zweite Teil des Films und es ist der eindeutig schönere. Er gleitet aus eigener Kraft und durch die unglaublich schöne Natur einer sommerlichen Kleinflusslandschaft, erlebt die Welt (wieder) mit allen Sinnen. Ich würde ihn bei einem Treffen zunächst nach dem Namen dieses schönen Flusses fragen. Bald geht es auch an Land und da sind natürlich gleich einsame Jungfrauen und junggebliebene Witwen zu trösten und mit allen Mitteln der Liebeskunst flachzulegen. Wenn dann der jungverliebte Michel im alten Volvo langsam durch die sommerliche Provinz rollt und dabei  „temps de vivre“ von Moustaki gespielt wird: da ertappe ich mich doch tatsächlich dabei, wie ich im Kino plötzlich mitsinge. Ganz so ähnlich habe ich Frankreich Gottseidank schon mal selber erlebt. Irgendwann merkt er, dass seine Frau ja die angebliche Tour ans Meer per Geotracking verfolgen kann, während er ganz andere Dinge im Kopf und vor Augen hat: das Elektroding ist zur Fußfessel geworden und wird sofort abgeschaltet, erst jetzt ist alles aber ganz wie früher.

Das geniale an diesem Film ist, dass er stets auch einen subtil ironischen Unterton hat, Gesellschaftskritik auf hohem Niveau betreibt und dabei ohne erhobenen Zeigefinger auskommt. So ist auch das komödienhafte nicht stereotyp und einfältig. Er zeigt ganz alltägliche Menschen im Spagat zwischen einer immer mehr ausufernd technologisierten, entfremdeten Umgebung einerseits und ihren persönlichen und natürlichen Wünschen und Sehnsüchten andererseits.

Man erkennt das unterschwellige Unwohlsein Michels bei seiner Arbeit und auch bei der Geburtstagsfeier mit Freunden: erst die kleine Flucht aufs Wasser zeigt ihm den Weg zu einem Leben im Einklang mit der Natur und zu sich selbst. Diese verschiedenen Sichtweisen der Welt prallen hier frontal aufeinander und ergeben komische Momente. Die Pointe dazu ist der als Paddler mit allem nur vorstellbaren Material ausgerüstete Michel zu Beginn seiner Reise ans Meer: Zum Glück passen die meisten Produkte, welche die Marktwirtschaft für diesen Zweck produziert hat, gar erst nicht mit ins Boot. Nur seine Ukulele darf und muss mit. An anderer Stelle blödelt Michel nebenbei mit seinen Kollegen über Palindrome und da ist Kajak ein geniales Beispiel.

Natürlich ist es ein Boot von Nautraid und wie es in dieser kleinen Welt so geht, trifft auch noch mein Paddelkamerad Wolfgang den Besitzer des Faltboottexemplars aus dem Film auf der Messe „Boot“ in Düsseldorf.  Es gehört dem Deutschlandimporteur der Firma. Denis Podalydès ist auf jeden Fall ein Name, den man sich merken muss, denn er macht bemerkenswerte, intelligente und zeitkritische Filme.

Erwähnenswert ist auch die am 21.Mai 2016 in der FAZ erschienene Filmkritik: Meines Ruders Hüter. Der Film „Nur Fliegen ist schöner“ hebt prima ab, von Bert Rebhandel. Er hat eben diese Kunst des Regisseurs, weit und hintersinnig auszuholen, gut dargestellt ausgeführt. Mir gefällt gleich zu Beginn die Darstellung des Paddlers als Metapher für das Menschsein ganz allgemein, als archimedisches Gleichnis. Dem Odysseus gleich begleitet er sich zur Ukulele und schließlich der Hinweis, dass ein Palindrom in sich selbst zurückführt, was auch große Expeditionen auszeichnet. Dass er dabei paddeln und rudern nicht auseinanderhalten kann, ist nicht weiter verwunderlich, ist das doch gang und gäbe. Inzwischen kann man als Paddler schon T-Shirts mit dem Aufdruck „sag nie wieder rudern zu mir“ kaufen.

 

Arride Zone mit zartem Grün

Mitten in Göttingen gibt es eine kleine Wüstenei. Aber es zeigen sich erste Pflanzen. Am Ende der Wüste gibt es Hoffnung auf einen kleinen Garten.

 

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El jardín
Zanjones
sierras ásperas
médanos
sitiados por jadeantes singladuras
y por las leguas de temporal y de arena
que desde el fondo del desierto se agolpan.
En un declive está el jardín.
Cada arbolito es una selva de hojas.
Lo asedian vanamente
los estériles cerros doloridos
que apresuran la noche con su sombra
y el triste mar de inútiles verdores.
Todo el jardín es una luz apacible
que ilumina la tarde.
El jardincito es como un día de fiesta
en la eternidad de la tierra.

Garten
Trockene Flußbette,
dürre Bergketten
Sanddünen
entlang keuchender Tagesreisen
und Meilen von Sturm und Sand,
die aus der Tiefe der Wüste anstürmen
Auf einem Hang liegt der Garten.
Jedes Bäumchen ist ein Wald von Blättern.
Vergeblich belagern ihn
die unfruchtbaren Hügel
und das traurige Meer des nutzlosen Grüns.
Der ganze Garten ist ein friedliches Licht,
das den Abend erleuchtet,
und ein Akkord,
zwischen der wirren Musik der Landschaft.
Der kleine Garten ist ein Festtag
in der Ewigkeit der Erde.

J.L.Borgés

Yacimientos del Chubut, 1922 De: Fervor de Buenos Aires

Deutsch von Curt Meyer-Clason

Il Giardino Armonico con Sol Gabetta

Ein musikalisches Spitzentreffen im Rahmen der Thüringer Bachwochen 2016

Thüringer Bachwochen 2016, Do. 7.4.2016, Weimarhalle in Weimar

Sol Gabetta — Violoncello
Il Giardino Armonico
Giovanni Antonini — Blockflöte und Leitung

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Ein Programmheft in der Stadtbücherei war der Auslöser für diesen Ausflug nach Weimar: von den im Rahmen der Thüringer Bachwoche angekündigten Konzerte war eines sozusagen unwiderstehlich und hatte für mich durchaus das Zeug zum Musikerlebnis des Jahres. Im Winter hatten wir die Aufnahmen mit Sol Gabetta aus ihrem Vivaldi Projekt gehört und die umtriebige Frau war ja auch auf sympathische Weise als musikalischer Scout mehrmals im Fernsehen zu erleben. Der harmonische Garten braucht keine Einführung, der Name ist Inbegriff erlebbarer und lebendiger Barockmusik in seiner schönsten Form auf historischen Instrumenten und in authentischer Aufführungsart. Die Erwartungen waren also hoch als wir uns auf den Weg durch den Europapark zur Weimarhalle machen. Zunächst beeindruckt die Architektur: der beidseitige Eingangsbereich, die gläserne Offenheit zum Park, die Durchblicke zur Innenstadt. Die Halle selbst ist zwar schlicht kubisch wie eine Turnhalle, aber durch die Verwendung hölzerner Stäbe gleicht sich die Anmutung der Wandflächen dem Aussehen der Streichinstrumente an. Auch die Akustik der Halle ist gut: man hört die Instrumente auch auf den hinteren Plätzen klar und ohne jeden Halleffekt.

Der Giardino Amonico eröffnet das Konzert zunächst allein: was bei diesen Musikern sofort besticht, ist sind die unglaubliche Präzision und das Timing ihres Spiels. Es ist dieser Eindruck, wie ich ihn schon auf Jazz-Konzerten erlebt habe: Die Musik steht so monolithisch im Raum, dass man meinen könnte, es gäbe überhaupt nur ein Instrument, dass alles spielt. Diese Einheit im Klang haben wir sicher ganz wesentlich dem Dirigenten Giovanni Antonini zu verdanken, der mit viel Körpereinsatz die Gruppe leitet. Zu den bekannten Brandenburgischen Konzerten gesellt sich Sol Gabetta der Gruppe hinzu. Es ist schon etwas Besonderes, nicht nur ihr temperamentvolles Spiel zu hören wie auf den CD’s zu Hause, sondern ihr beim Musizieren zuschauen zu können. Beim 4. Brandenburgischen Konzert, das ánders als angekündigt gleich nach der Pause gespielt wurde, schlüpft dann Antonini im Grunde genommen zusätzlich zur Dirigentenrolle in die Rolle des Flötisten. Jetzt spielen zwei Ausnahmesolisten in und mit einem harmonisch abgestimmten Barockorchester. Wenn Antonini sich richtig ins Zeug legt, hat man fast schon den Eindruck vom tanzenden Derwisch, dabei ist sein Spiel ohne abwegige Schnörkel einfach aus jahrzehntelanger Übung perfektioniert. Zum Schluss verneigt sich Antonini gemeinsam mit Sol Gabetta vor dem begeisterten Publikum: wir haben alle ein großartiges Konzert erlebt und nach den standing ovations der Zuschauer gibt es schließlich auch noch eine Zugabe.

Carl Philipp Emanuel Bach

Violoncellokonzert A-Dur Wq 172

Wilhelm Friedemann Bach

Sinfonia F-Dur, F 67

Johann Sebastian Bach

Brandenburgisches Konzert Nr. 3 G-Dur BWV 1048

Brandenburgisches Konzert Nr. 4 G-Dur BWV 1049

Georg Friedrich Händel

Concerto grosso F-Dur op.6 Nr.2

Georg Philipp Telemann

Konzert für Flöte und Viola da gamba a-Moll TWV 52:a1