13. Bodensee-Umrundung

Vom 25.7. bis 4.8. hat Harald Kalfaß seine in Insiderkreisen mittlerweile recht begehrte Bodensee-Umrundung als Gepäckfahrt im Kajak durchgeführt. 18 im ausdauernden Paddeln geübte Frauen und Männer sind aus dem ganzen Bundesgebiet und sogar aus England angereist, um an der Fahrt teilzunehmen. Die 13 war für unsere Runde eine Glückszahl, denn wir haben eine Tour ohne größere Blessuren, dafür aber mit viel Sonnenschein, wenig Wind, einem ausgewogenen Mix aus Paddeln und Kultur und last but not least mit viel Spaß erlebt.

Copyright 2015 Robert Seidemann

Treffen in Radolfszell 

Treffpunkt aller Teilnehmer ist das schön gelegene Bootshaus des KC-Radolfszell. Die Sommerferien in Baden-Württemberg haben gerade erst begonnen, so dass die Zeltwiese noch frei ist und die vielen Zelte und Boote problemlos aufnimmt.  Am Nachmittag bringen wir zum ersten Mal unsere Seekajaks im Bodensee zu Wasser. Die Fahrt geht am Hafen von Radolfzell vorbei an schönen Villen und den Sanatorien auf der Halbinsel Mettnau bis zum Gnadensee. Unterwegs reizt ein Badehäuschen in Fachwerktechnik neben einer alten Villa zum Fotografieren. Nur die Villenbewohner am Strand regen sich mächtig über den Fotografen auf. Es müssen wohl sehr prominente Leute sein.

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Gegen Abend versammeln sich die Teilnehmer der 13. Bodenseeumrundung in großer Runde mit Blick auf den See, den es zu umrunden gilt. Harald Kalfaß begrüßt uns als Veranstalter der Fahrt und Manfred Schweizer als Präsident des Bodensee Kanu Rings. Auch wir Teilnehmer stellen uns jeweils kurz vor. Wir sind aus allen Teilen Deutschlands angereist und sogar eine englische Paddlerin hat sich der Gruppe angeschlossen. Letzte Schwimmwesten werden noch vom KC Radolfszell an schlecht ausgerüstete Wanderpaddler ausgeliehen, da Schwimmwesten in der Schweiz Pflicht sind und hohe Strafen drohen.

Der Oberrhein

Vom Bootshaus aus  queren wir den See, paddeln an Iznang vorbei und umrunden das Naturschutzgebiet vor Horn mit dem Blick auf die weithin sichtbare Kirche am Berghang. Es ist schwülwarm und die Sonne heizt uns schon ganz schön ein. Nach dem großen Bogen um das „Bermuda Dreieck“ (hier treffen der Gnadensee, der Zellersee und der Untersee zusammen und es kann bei schlechtem Wetter zu gefährlichem Kabbelwasser kommen) geht es im Untersee weiter. Der Wind frischt auf und wir merken die stechende Sonne nicht mehr. Nach der ersten Rast in Wangen geht die Fahrt weiter zum See-Ende an der Insel Werd vorbei nach Stein am Rhein, wo spürbar die Strömung beginnt. Wir gehen gleich nach der Brücke an Land, um uns eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Städte nördlich der Alpen näher anzusehen. Die nur 3000 Einwohner des Ortes haben sicher alle Hände voll zu tun, um die  vielen Besucher zufrieden zu stellen.

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Nach dem Sightseeing geht es bei Gegenwind und starker Strömung den schönen Hochrhein bis Schaffhausen hinab. Beim Kanuclub Schaffhausen, dem Endpunkt der Fahrt, werden wir mit Kaffee und Kuchen begrüßt. Unsere Boote werden mit zwei Bootsanhängern zurück zum Radolfzeller Kanu-Club gebracht. Wir nehmen unter der Leitung von Lilo, der Frau unseres Fahrtenleiters Harald, Kurs auf den Bahnhof. So lernen wir noch die Altstadt kennen und besichtigen im Münster den Kreuzgang und den Kräutergarten. Mit einmal Umsteigen erreichen wir per Bahn schnell wieder Radolfzell.

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Kaum sind die Boote von den Hängern geladen und die Gurte zum Festschnallen auseinandersortiert, beginnt es kräftig zu regnen. Uns stört es nun nicht mehr, denn die freundlichen Wirte vom KC Radolfszell versorgen uns mit gegrillten Steaks, selbstgemachtem Kartoffelsalat und frisch gezapftem Bier. Gemütlich  klingt der Abend bei Regen unter einem Zeltdach aus.

Untersee bis Konstanz

Heute beginnt die Gepäcktour. Wir sind gut  gestärkt mit den von Volker spendierten Brötchen. Nach dem Trocknen der Zelte und Einpacken aller Utensilien in die Boote geht es los. Wir fahren die Radolfzeller Küste entlang, vorbei an der Liebesinsel („hier paaren sich die Vögel, und vögeln die Paare“ original nach Harald) und hinüber zur Insel Reichenau. Rast ist am Campingplatz bei Niederzell, wo man gut schwimmen gehen kann. Nach einer Stärkung gibt es eine Seeüberquerung nach Mannenbach auf Schweizer Gebiet. Die Pause nutzen wir zur Besichtigung des Schlösschens Arenenberg. Nach einem Spaziergang durch die Weinberge erreichen wir das kleine Schlösschen. Hier wuchs Napoleon III auf. Wir besichtigen in Filzpuschen das klassizistische Inventar mit vielen Erinnerungen an den Napoleon Clan. Nach dieser Besichtung setzen wir Copyright 2015 Robert Seidemannunsere Paddeltour an der Schweizer Seeseite fort, vorbei an Ermatingen und Gottlieben zum Kanu-Club Konstanz. Das letzte Stück geht durch den Seerhein gegen die Strömung. Mit Getränken werden wir empfangen und willkommen geheißen. Schnell sind die Zelte aufgebaut und schon gehen wir Göttinger, d.h. Susanne, Robert, Wolfgang und Annekatrin, Richtung Innenstadt. Wir umrunden das 1388 erbaute Konzilgebäude, besichtigen den Hafen und bummeln durch die Innenstadt mit ihren Gassen und Hausmalereien, dem Rathaus mit Hinterhof und gehen zum Essen in den „Elefanten“. Am Bootshaus lassen wir den Tag ausklingen.

Konstanz bis Arbon bei hohem Seegang

Heute spendiert Silvia die Brötchen. Es ist wieder ein früher Aufbruch: um neun Uhr beginnt die Fahrt. Es ist herrliches Wetter, wolkenloser Himmel und Sonnenschein. Zuerst geht es gegen den Strom in den eigentlichen Bodensee hinein, dann am Konstanzer Hafen durch Kabbelwasser zum Schweizer Ufer, das bei Kreuzlingen beginnt. Das schwäbische Meer ist heute recht bewegt, und es macht Spaß mit den Langbooten durch die Wellen zu gleiten. Die erste Rast ist in Seedorf.

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Der Alpenblick istherrlich und wir fahren weiter nach Romanshorn zu unserer zweiten Rast an der Uferpromenade des Ortes. Hier wird geschwommen und wir essen unseren mitgebrachten Kuchen. In gemächlichem Tempo fahren wir weiter zum Zeltplatz Arbon. Die Aussatzstelle ist wetterfest und langlebig: wir müssen die vollgepackten Boote eine Betonwand über eine Treppe von ca. zwei Meter hoch tragen. Der Zeltplatz ist extrem voll, aber für uns ist ein Stück der Liegewiese des angrenzenden Seebades reserviert.

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Wir bewältigen das Kunststück, 18 Zelte und Boote auf der Fläche eines Tennisplatzes unterzubringen. Beim Abendessen auf der Terrasse vom Restaurant am Seebad genießen wir die wunderschöne Aussicht. Dabei wollen die Stühle unter uns einfach nicht aufhören zu schwanken, eine Folge des ausgeprägten Seegangs.

Arbon bis Lindau  Unterwasser Wasserfall

Der Tag beginnt bei bestem Wetter und mit großartiger Sicht auf die Alpen. Wir paddeln die Küste entlang und machen jeweils einen großen Bogen um die mit roten Bojen markierten Strandbäder. Die erste Rast findet an der Rheinspitz statt, der Mündung des Alten Rheins in den Bodensee. Danach sind es noch einige Kilometer bis zur lang erwarteten Einmündung des Rheins am Ende eines mehrere Kilometer langen Steinwalls. Die Farbe des Wassers wechselt von Blaugrün über verschiedene Grüntöne in schlichtes Weiß. Mächtiges Kabbelwasser erfordert unsere volle Aufmerksamkeit. Die Temperatur des Wassers hat sich schlagartig geändert: von Badewassertemperatur auf frostige 5°C. Ans Fotografieren ist leider nicht zu denken. Wir sehen, wie sich das weiße Wasser in der Art eines Wasserfalls in die Tiefe stürzt. Unter uns bilden sich große Pilze. Nur ein kurzes Stück weiter ist das Wasser so warm wie immer.

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Allmählich setzt uns die Hitze immer mehr zu, so dass wir uns über eine Pause und ein Bad im See am Bregenzer Campingplatz freuen. Es folgt die Besichtigung der berühmten  Seebühne vom Wasser aus.

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Wir paddeln die ganze Bregenzer Bucht aus, entlang an Millionen von Badegästen vorbei in Richtung Lindau.

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Der Platz des Kanuclubs ist wunderbar gelegen mit Blick auf die Altstadt und die Alpen, aber  direkt neben der Bahn mit einem Bahnübergang. Nach dem Aufbau der Zelte gehen wir wieder auf Besichtigungstour in die Inselstadt, der Weg am Bahndamm entlang führt uns mitten ins Zentrum.

Blick vom Pfänder

Heute können sich die Boote ausruhen. Es geht mit dem Zug nach Bregenz und mit der Seilbahn auf den 1084 m hohen Pfänder. Die Sicht auf den Bodensee ist großartig. In der Nähe der Talstation der Seilbahn beginnt die Bregenzer Altstadt. Wir bummeln durch die 1480 gebaute Oberstadt mit dem Martinsturm und der Martinskapelle, in der alte Fresken zu bewundern sind, gehen abwärts ins Weißenreutertal und wieder hinauf auf den Schlossberg. Irgendwann landen alle wieder am Ufer des Sees, ob als Wanderer vom Berg oder als Flaneur aus der Einkaufsmeile. Wir gehen an Bord der „Karlsruhe“,  einem schmucken Dampfer der Bodensee-Schiffahrtsbetriebe, der uns schnell nach Lindau zurückbringt. Unter dem Bayrischen Löwen an der Hafeneinfahrt herrscht ein mächtiges Treiben. Wir lassen den Rummel hinter uns und gehen zum KC Lindau auf dem Festland. Abends sitzen wir gemütlich bei Kerzenschein zusammen und erzählen von unseren Paddelerlebnissen.

Zu Fuß über den See

Heute wird wieder gepaddelt. Wir umrunden die Insel Lindau und peilen Wasserburg an. Hier besichtigen wir die Kirche St. Georg in der Gedenktafeln angebracht sind, die an die Zeiten erinnern, in denen der Obersee so vereist war, dass man ihn zu Fuß, per Pferd oder per Auto überqueren konnte: Anfang des 16. Jahrhunderts, im 18. Jahrhundert und zuletzt 1963. Harald zeigt uns Zeitungsausschnitte von der letzten Vereisung, die unterwegs mächtig nass geworden sind und in der Kirche erst einmal getrocknet werden müssen. Es geht weiter an einem Naturschutzgebiet vorbei, das wir weiträumig umfahren müssen. Friedrichshafen kommt in Sicht mit dem Zeppelinmuseum im ehemaligen Gebäude des Seebahnhofs, dem Schulmuseum und der Schlosskirche.

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Volker, als Friedrichshafener, erzählt uns im Vorbeifahren etwas über die Geschichte und die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Wir können uns aber nicht entschließen anzuhalten und etwas zu besichtigen. Es ist einfach zu heiß. Alle möchten nur noch ans Ziel und sich irgendwie abkühlen: im See, unter der Dusche oder mit einem kühlen Bier.

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Vorbei an den Weinbergen

Wir steigen wieder in die schwer bepackten Boote in Richtung Nordwest, nach Meersburg. Es ist schönwetter-diesig und es herrschen  „Ententeichbedingung“. Wir paddeln vorbei an Immenstaad und dem Weinbaugebiet Hagnau. Die markante Kulisse von Meersburg liegt vor uns. Vor unserem Rastplatz befindet sich der Fährhafen, dessen Ausfahrt wir queren müssen. Um den Fähren aus dem Weg zu gehen, gilt es den passenden Moment abzuwarten und dann schnell loszupaddeln. Im Ort mischen wir uns unter die Touristenströme und besichtigen die Unter- und Oberstadt mit der Droste-Hülshoff-Büste und dem Schloss. Es ist inzwischen sehr heiß geworden und wir versuchen etwas Schatten zu finden. Die Fahrt geht weiter, wir  nähern uns den Uhldinger Pfahlbauten. Der Blick vom Kajak lässt den Vergleich mit einer Luxushotelanlage in der Südsee aufkommen. In der Tat lagen die Steinzeitsiedlungen im Hinterland, der morastige Boden machte die Stelzen erforderlich. Anschließend steuern wir die Klosterkirche Bernau an. Es folgt der Anstieg durch die Weinberge zur Klosterkirche, wo wir ein Stück weit dem Fahrradweg folgen, was bei dem gewaltigen Betrieb hier nicht ganz ungefährlich ist. Weiter geht unsere Paddeltour entlang des Ufers bis zum Überlinger Kanu-Club. Nach dem Zeltaufbau freuen wir uns auf die abendliche Weinprobe. Aus Bermatingen stehen gut gekühlte Flaschen Müller-Turgau, Kerner, Grauburgunder, Weißherbst und Spätburgunder vor uns. Die Rebsorten werden uns fachmännisch erklärt, aber letztlich zählt nur die eigene Prüfung. Mit dem Alkoholpegel steigt auch die Stimmung, es werden Geschichten und Witze erzählt und gemeinsam Lieder gesungen.

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Über den Teufelstisch zur Marienschlucht

Zur Umrundung des Überlinger Sees queren wir den See Richtung Wallhausen und fahren dann weiter die Küste entlang. Über den sogenannten Teufelstisch, einer Steinplatte, die auf einer nach unten dünner werdenden Säule ruht, geht es weiter zur Marienschlucht, die wir über steile Treppen und Serpentinen erklimmen. Danach paddeln wir weiter zum See-Ende nach Bodman. Nach einer erholsamen Pause im Park überqueren wir den See bis Ludwigshafen und folgen nun dem Ufer an Sipplingen und Überlingen vorbei bis zu unserem Zeltplatz. Dort ist im angrenzenden Strandbad helle Aufregung: Polizei, DLRG, DRK und andere Rettungskräfte suchen den See mit Booten und Hubschraubern ab, Menschenketten durchwaten den Uferbereich: eine behinderte Frau ist angeblich vom Schwimmen nicht zurückgekehrt. Später stellt sich heraus, dass sie nur einen Spaziergang in den nächsten Ort unternommen hat.

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Der Kreis schließt sich

Heute geht es zurück nach Konstanz. Wir fahren über den See in Richtung Dingelsdorf und zur Insel Mainau bis zum DKV-Zeltplatz. Nach einer Pause umrunden wir die Spitze mit den Seebädern der Stadt Konstanz. Mit der Strömung geht es den Seerhein hinunter bis zum Kanuclub. Nach dem Zeltaufbau kühlen wir uns erst einmal im Seerhein ab. Dies ist wirklich erfrischend, da das Wasser etwas kühler ist, als das tropisch warme Seewasser. Später trifft sich die Gruppe zur Stadtbesichtigung. Unter Silvias fachkundiger Leitung besichtigen wir den Lenk-Brunnen, das Münster mit der Krypta, den Weinkeller eines Konstanzer Kanuten , bummeln durch die Altstadt und besichtigen den Kreuzgang im Inselhotel.

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Fahrtenbericht zu unserer Tour im Kanusport 2012: KanuSport 0712 Bodensee

Die Fotos im Beitrag sind überwiegend von Tute.

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