Von Sammlern und Jägern zu Schrift und Zahl

Ringvorlesung 14/15, 11.11.14
Prof. Dr. Jürgen Richter, Uni Köln, Philosophische Fakultät, Institut für Vor- und Frühgeschichte
Einführung von Prof. Georg Wörner, Thema: Von Sammlern und Jägern zu Schrift und Zahl
Forschungsbereich Paläolithikum, also Steinzeit.
Für die Zeit bis 2.500 ya (years ago) ist die Geschichtswissenschaft zuständig.
Davor zunächst die Epoche der der Kaltzeit bis 25.000 ya. Davor bis 250.000 ya.
zur Entstehung des Homo Sapiens. Davor das Hominidenzeitalter bis 2,5 mya (million years ago) mit Anfangs 12 menschenähnlichen Arten, die sich dann zusehends reduziert haben: zunächst auf die 3 Arten Australopithecus, Paranthropus, und Homo. Unterscheidungsmerkmal: Ernährung
Herbivore: Paranthropus, ausgestorben
Omnivore: Australopithecus, ausgestorben
Carnivore: Homo, hat sich als einzige Art durchgesetzt

Definition: Homo Sapiens: ein huftierverzehrender Steppenläufer mit Steinwerkzeug. Evolutionär wesentlich war auch die Nacktheit im Sinne von Fell frei. Nur Kopf und Schamhaare, dadurch war schwitzen möglich und lange Laufzeiten auch zur Zeit der Mittagshitze. Die Felltiere leiden dann alle unter der Hitze und können nur wenig Wärme durch Hecheln abführen. Schon nach 15 Min. geraten sie an die Grenzen der Überhitzung und damit der Belastbarkeit. Der Mensch konnte sie stundenlang jagen d.h. laufen und dabei schwitzen, bis sie schließlich an einem Hitzschlag starben. Diese Jagd wird noch heute von Buschmännern praktiziert. DIe Fellthese stammt aus der Dokumentation von ARTE.

Dem  Homo Sapiens gelang schließlich als Fleischfresser die Einnahme aller Landschaften in Steppe, Wald und selbst der Arktis. In Europa konnte er jedoch immer nur für kurze Zeiträume leben, da die Region Eurasien immer wieder zu lebensfeindlichen Bedingungen zurückkehrte. Die „windows of opportunity“ wurden genutzt, führten aber eins ums andere zum Aussterben der Menschen.

PaläoklimaPaläoklima, aus Bubenzer, Erdklima, edoc.hu-berlin.de/miscellanies/klimawandel-28044/17/PDF/17.pdf

Selbst in Afrika gab es in den letzten 5 Mio. Jahren Klimaschwankungen von gigantischen Ausmaßen. Warme und feuchte Zeiten wechselten sich mit Trockenzeiten ab. Die Landschaft veränderte sich von tropischem Urwald über Savanne zu Wüste, die Temperatur pendelte dabei um den heutigen Durchschnitt mit einer Amplitude von so etwa 10.000 ya. und Ausschlägen bis zu 2°C nach oben und in den letzten 2,5 mya. Jahren um bis zu 8°C nach unten. Es gab Extreme, wo fast ganz Afrika der Sahara glich und letzte Kleingruppen von Hominiden in Höhlen an der Küste Südafrikas überlebte, weil sie es schafften, ihre Ernährung von Tierfleisch auf Muscheln und Fische umzustellen.

Wir leben heute am Ende einer Kaltzeit, die vor 2,5 mya. begann und ihren letzten Ausschlag in der Würmeiszeit vor 12.000 ya hatte. Seit rund 6000 Jahren sind die Gletscher soweit abgeschmolzen (von der Alpensüdseite in Richtung Skandinavien) und der Meeresspiegel dadurch angestiegen (um 130 m), dass die Besiedlung Europas von Afrika aus möglich wurde. Es lebten am Rand der Gletscher die Neandertaler, ein Art die sich vor Rund 2 mya. vom Homo Habilis abgespalten hatte.  Nachweis durch DNA Sequenzierung (siehe oben, ARTE Bericht) am Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie. 

Der Neandertaler zeichnete sich durch Anpassung an extreme Kälte aus, war kräftiger im Körperbau als wir. Sein Gehirn war wesentlich grösser. Sein Wachstum war schneller, ein 7 Jähriger Junge sieht aus menschlicher Sicht aus wie 11. Vgl. dazu den Vortrag vom 4.11.14 von Prof. Katerina Harvati-Papatheodorou (Tübingen), Out of Africa: Der Aufbruch des Homo Sapiens. Untersuchung des Unterkiefers mit Zähnen eines Jungen, Fundort in Belgien. Man geht davon aus, dass sein Kalorienbedarf beträchtlich war und bei rund 5000 kcal lag, dem Bedarf eines Tour de France Radrennfahrers. Er war weit über Europa verteilt, starb jedoch aus und nur wir blieben als Art übrig. Unser Gehirn ist kleiner und benötigt rund 20% vom Grundumsatz zur Energieversorgung. Wir laufen effizient und schnell und über lange Strecken. Die Werkzeugfertigung nach festem Bauplan erfolgt seit rund 300.000 Jahren. Die Faustkeile dienten zum Öffnen der Felle, zertrümmern der Knochen. Eine weitere Revolution fand in der Jungsteinzeit vor rund 40.000 Jahren statt, als Homo Sapiens begann Knochen als Nadel und Speerspitze zu nutzen. Seine Speere, damit ausgerüstet, waren leichter und kleiner aber sehr effizient. Ein Neandertaler hatte einen Riesensper mit Steinspitze, der Homosapiens konnte mehrere kleine tragen und sozusagen mehrmals feuern. Schaut man sich die Werkszeuge, sprich Keile, in längerfristig klimatisch begünstigten Regionen Äthiopiens an, so zeigen sie eine gleichmäßige Weiterentwicklung. Große Sprünge ergaben sich eher im Zusammenhang mit großen Umbrüchen im Makroklima. Der letzte große Sprung in der Entwicklung fand dann vor 10.000 Jahren mit dem Pflanzenanbau statt. Wahrscheinlich hat Nahrungsknappheit diese Revolution ausgelöst. In den südafrikanischen Höhlen finden sich Artefakte mit Kerben. Erste Notizen bezogen sich offensichtlich auf das Zählen. Schrift entwickelte sich erst sehr spät eventuell im Zusammenhang mit der Herausbildung der Zivilisation am Nil: Karl Butzer, 1976: Early Hydraulic Civilization in Egypt: A Study in Cultural Ecology. Das Projekt „Our way to Europe“ seines Instituts soll den Weg der Zuwanderung des Homo Sapiens nach Europa erforschen.

Erdzeitalterbegriffe, die nicht mehr offiziell wissenschaftlich Verwendung verwendet werden:
Tertiär 60 mya bis 2,588 mya, Quartiär, 2,588 mya bis 12.000 ya. Jetzt Pleistozän

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