Te recuerdo Amanda

12. Januar 2015, Öffentliche Vortragsreihe im Wintersemester 2014/2015, 13 Lieder. Lektüren und Analysen populärer Songs, Victor Jarra: Te recuerdo Amanda.
Referentin Friederike von Criegern: u.a. Dissertation über den chilenischen Dichter Floridor Pérez, Veröffentlicht 2006 “Für einen Fisch ein Flügel zu viel” mit Gedichten in ihrer Übertragung ins Deutsche. S.a. Pérez, Cartas de prisoniero.

Das als „topical song“ bzw. Protestsong bezeichnete Lied wird bei Umfragen in Lateinamerika als bedeutsamstes Lied direkt nach Gracias a la vida von Violeta Parra genannt. Die beiden Namen im Lied, Amanda und Manuel, finden sich in der Familie Victors bei Mutter und Tochter und seinem Vater wieder. Darüber hinaus ist amanda das Gerundium von amar was man mit „die Liebende“ übersetzen kann, also die Liebende schlechthin.

Das Lied auf Youtube

Te recuerdo Amanda
la calle mojada
corriendo a la fábrica
donde trabajaba Manuel.
La sonrisa ancha
la lluvia en el pelo
no importaba nada
ibas a encontrarte con él
con él, con él, con él
son cinco minutos
la vida es eterna
en cinco minutos
suena la sirena
de vuelta al trabajo
y tú caminando
lo iluminas todo
los cinco minutos
te hacen florecer.

Te recuerdo Amanda
la calle mojada
corriendo a la fábrica
donde trabajaba Manuel.
La sonrisa ancha
la lluvia en el pelo
no importaba nada
ibas a encontrarte con él
con él, con él, con él
que partió a la sierra
que nunca hizo daño
que partió a la sierra
y en cinco minutos
quedó destrozado
suena la sirena
de vuelta al trabajo
muchos no volvieron
tampoco Manuel.

Der Text hat zahlreiche a-Endungen, die wie Reime wirken. Er hat zwei Teile: im ersten Teil wird die Liebe zwischen Amanda und Manuel geschildert durch das Bild der zwei sich in einer Pause begegnenden Liebenden, die für 5 Minuten glücklich sind (Höhepunkt auch klanglich: „con él“ und „eterna“. Im zweiten Teil wird diese Liebe vernichtet, als ebensolchen 5 Minuten ein Grubenunglück Manuel das Leben kostet. Er ist einer von Vielen, die von der Arbeit nicht mehr heimkehren.

Interessant ist der Weg Jarras vom Theater zum Gesang und die Bedeutung von Violeta Parra in seinem Werdegang. Mich erinnert es ein wenig an die Bedeutung von Edith Piaf für Georges Moustaki in Paris. Jara zählt zu den Vertretern der „nueva canción chilena“, der Lieder für politische Zwecke im Sinn der sozialistischen und kommunistischen Ideen der Zeit zur Verbesserung der Situation der Arbeiter und Bauern einsetzte. (vergleichbar mit der „Nueva Trova“ in Kuba). Zu ihr gehören u.a. auch Patricio Manns  und die Kinder von Violeta Parra. Er spielte wiederholt in der chilenischen Folkloregruppe Cuncumén, die 2014 ein Album zur Hommenage an Jara veröffentlichte. Die Folklore entwickelte sich zunehmend im Kreis der Intellektuellen als Protest gegen die vorherrschende Populärmusik und wurde in den Wahlkampf von Allende einbezogen. Zu einem Lied der Gruppe Inti Illimani schrieb Jara den Text „Venceremos“ mit dem die die Unidad Popular (UP), ein Zusammenschluss von Sozialisten, Kommunisten und einigen kleineren Linksparteien, 1970 in den Wahlkampf zog. In der Folge der Wahlen  wurde Allende zum Präsident gewählt. Als die Militärs nach 3 Jahren das sozialistische Experiment mit Waffengewalt beendeten, begann unter der Militärdiktatur unverzüglich die Verhaftung von Tausenden von Mitgliedern und Unterstützern der UP. Victor Jara gehörte zu den ersten Opfern, sein Tod im Stadion von Santiago ging als Schreckensmeldung um die Welt.

Pete Seeger war in einem gewissen Sinn ein Verwandter im Geist. Auch Jara hatte ja Lieder von ihm gesungen. Ich höre nach wie vor gern eine Tonbandaufnahme aus dem Jahr 1977 von einem Konzert (Pete Seeger/Woody Guthry: Together, 1975), bei dem Pete Seeger ergreifend an den ermordeten Jara erinnert:
in Santiago, Chili, there was a great young songwriter, 47 years old, Victor Jara was his name, very popular there, and when the generals took over he was arrested, was tortured, took him to the soccer stadium, and there he started singing to keep up the spirits of the other prisoners. The gards told him to stop, so he didn’t stop, so they claimed down on their rifle butts, they crushed his arms, broke them both of the wrists, and then they shot him. But Victor Jara, he wrote a lot of songs, they are all trough, not only Chili but the rest of Latin America, they don’t get sung out in the open, but the songs are getting around. I wished I knew one of them to sing for you: I can’t sing Spanish that well, but just this afternoon I got the translation of the last poem he wrote. He was actually, it was the morning of the day he was shot, and he wrote this verse on a small piece of paper, and somehow it was smuggled out:

We are five thousand here in this little part of the sky
We are five thousand. How many more shall we be?
In the whole city, in the whole country, ten thousand hands
which can seed the fields, make run the factories
how much humanity now, with hunger and cold, panic, pain and terror.
Six of us are now lost in space, amoung the stars,
one dead, one beaten like we never knew a human being could be beaten
the other four wanting to die, wanting to leave all the terror
beating their heads against the wall.
The military carried out their plans with precision.
The blood is like medals for them.
Slaughter is the badge of their heroes and:
is this the world you created oh my god in seven days?
The blood of companjero presidente is stronger than bombs.
Oh you songs, you come out so badly.
When I must sing, the terror what I see,
I never saw or what I have felt or what I feel:
Hay canto, quema ??

And there is one song that a lot of you know, that all of you know, and this song was written 17 years ago by Cuban José Marti..yo soy un hombre sincero…

Mein Tonband ist nicht „uploadbar“, aber Aristide Duarte hat den Ausschnitt auf Youtube gestellt:

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