Der Homunkulus

Part 1, Chapter 1, The first turning of the screw Epigraph
MEPHISTOPHELES, (leiser): was gibt’s?
WAGNER, (leiser): Es wird ein Mensch gemacht.
Goethe, Faust II, deutsch im amerikanischen Original

Gaddis stellt den Recognitions ein Zitat voran, da sich auf Goethe als Alchemisten bezieht. Der ach so fleißige Studenten Wagner, der sich mit Faust auf den Osterspaziergang begeben hat (Faust, Der Tragödie erster Teil), hat inzwischen promoviert und arbeitet nun selbständig im Labor:

Faust, Der Tragödie Zweiter Teil, 2. Akt, Laboratorium

„WAGNER: Die Glocke tönt, die fürchterliche,
Durchschauert die berußten Mauern.
Nicht länger kann das Ungewisse
Der ernstesten Erwartung dauern.
Schon hellen sich die Finsternisse;
Schon in der innersten Phiole
Erglüht es wie lebendige Kohle,
Ja wie der herrlichste Karfunkel,
Verstrahlend Blitze durch das Dunkel.
Ein helles weißes Licht erscheint!
O daß ich’s diesmal nicht verliere!
— Ach Gott! was rasselt an der Türe?
MEPHISTOPHELES: Willkommen! es ist gut gemeint.
WAGNER: Willkommen zu dem Stern der Stunde!
Doch haltet Wort und Atem fest im Munde,
Ein herrlich Werk ist gleich zustand gebracht.
MEPHISTOPHELES: Was gibt es denn?
WAGNER: Es wird ein Mensch gemacht.“

Dr. Wagner mischt die Stoffe nach geheimem Wissen solange, bis das höchste Ziel als Artefakt geschaffen wird: ein Mensch. Damit zeigt er das unaufhörliche menschliche Streben nach Veränderung und Umwandlung der Materie auf. Auf diesem Weg lässt sich mit geheimem Wissen und Strebsamkeit alles erreichen. Das im Feuer entstandene Miniatur-Menschenwesen in der Phiole ist schlau und quicklebendig, aber nur in seiner Glaskugel lebensfähig. Selbst der Teufel staunt, wozu es die Menschen hier schon gebracht haben. Der Protagonist des Romans wird später selbst Pigmente und Bindemittel verrühren und in der Malerei große Werke schaffen. Goethe suchte als Lapis philosophorum nicht das Gold sondern den Bezug zwischen Mensch und Kosmos, den verborgenen Kräften hinter den Dingen. Goethe hat zeitlebens die rationale Naturwissenschaft abgelehnt und stand damit im offenen Widerspruch zu Forschern wie Newton. Er begeisterte sich für eine beseelte Natur, auf die auch Kräfte aus der Sternenwelt einwirken. Während einer schweren Erkrankung 1768/69 begann er das intensive Studium alchemischen Wissens. Anregungen dazu gab es insbesondere von der mit seiner  Familie befreundeten Susanne Catharina von Klettenberg, der Nichte des berühmten Alchemisten Hektor von Klettenberg, der als Betrüger enthauptet worden war. Wesentlich für seine Genesung war eine geheime Medizin des Arztes der Familie Johann Friedrich Metz. In der Folge befasste er sich eingehend mit den Schriften von Paracelsius und Basilius Valentinus. Je mehr er sich in die Gedanken der Alchemisten vertiefte, desto stärker lehnte er das mechanistische und mathematische Weltbild der Aufklärung ab. Der bekannteste Homunkulus ist der Golem des Rabbi Löw aus dem Roman von Gustav Meyrink.

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