Jorge Bucay: rumbo a la felicidad

Da sitzt der bekannteste unter den berühmten Psychiatern aus Buenos Aires plötzlich vor uns und erzählt…

»Komm, ich erzähl dir eine Geschichte«, 18. September 2015 Freitag 19:00 Uhr, (Lesung, Literatur), Literarisches Zentrum, Göttingen
„Das Leben ist mitunter eine komplizierte Angelegenheit. Eine Frage jagt die nächste, doch die Antworten, die bleiben rar. Der Argentinier Jorge Bucay versucht als Autor wie auch als Psychotherapeut den Wirren des Lebens zu begegnen und Antworten zu finden – mit Geschichten, die er Patientinnen wie Lesern erzählt. So hat er es nicht nur in Südamerika zum Bestsellerautor gebracht. Parabelhafte Märchen, Sagen, Anekdoten versammelt er zum Beispiel in seinem Buch Komm, ich erzähl dir eine Geschichte (S. Fischer 2008). Auch darüber und über die Fragen »Wer bin ich? Wohin gehe ich? Und mit wem? « spricht Jorge Bucay in einer spanischsprachigen Lesung, die sich vor allem an Schülerinnen und Schüler richtet. Ab etwa 16 Jahren.“ Die einführenden Worte der literarischen Zentlerin sind sachlich völlig richtig. Im Gegensatz zu den Besuchern versteht sie kein Wort Spanisch und fordert folgerichtig zum Abschluss ihrer holden Worte die Besucher, die kein Spanisch sprechen, zum Gehen auf. Das war schon mal ein gelungener Witz zur Einführung.

Jorge nos ha contado varios cuentos esta tarde, pero ninguno de su famoso libro “Déjame que te cuente.” Se presente como un médico y psicoanalista que esta escribiendo. No es un autor en el sentido de la literatura. Sus historias son un medio para transportar su mensaje, una manera de explicar a sus pacientes que tipo de error están haciendo en la vida. Sirven como un tipo de espejo. Empezó con una pregunta al público: ¿Que significa libertad? Las respuestas son variadas, algunas no tienen ningún sentido. Su definición: conectarse con la vida y elegir con responsabilidad. Nos explica que la salud tiene que ver con las orientaciones en la vida. Ser feliz, según Jorge, es el objetivo más importante. No solo es un objetivo, sino una obligación y es nuestra responsabilidad lograrlo. En el camino hasta la felicidad necesitamos responder a tres preguntas centrales: ¿Quién soy? ¿Dónde voy? ¿Con quién?

Primero, hace falta verse a sí mismo. Jorge pide un papel al público, le doy una página de mi cuaderno. Prepara un trocito de papel del tamaño de una silla y se le pone en el frente. Los demás lo pueden ver todos, el “gordo” no. El espejo que necesitamos pare entender lo que somos son los demás. El cuento que nos da para comprender mejor es de Andersen y se llama el patito feo. El patito feo

Una vida entre el real y el ideal

Parece importante diferenciar entre el ideal y el real. El ideal son los objetivos que nos implican los padres y otras personas como nuestro profesor o el jefe. El ideal es que quieren tus padres de lo que seas. El real es lo que puedes realizar. Cuando existe una diferencia entre el ideal y el real, cuando son diferente, tenemos una conciencia de déficit. Me esfuerzo tratando de ser el que no soy. Resulta frustración bajo de autovaloración: un círculo vicioso, causa de la neurosis. La solución en este caso: sal del labirinto par donde entraste. Crecer y aprender nos ayudan. ¡Por fin, debemos siempre pensar: eres una obre de arte! Refiere al cuento de su traductora china y lituana. El ultimo es titulado “el sembrador de estrellas”. Pasan para ver esta estatua de bronce a mediodía y no le impresionó mucho. Su traductora era triste y dijo: necesitamos pasar verla otra vez. A pesar de su resistencia pasaron otra vez por la noche. Un proyector fuerte iluminó la estatua y en su sombra sobre un mura cerca de él descubrió la poesía de esta instalación. Quiere explicarnos que en el proceso de evaluar y elegir necesitamos descubrir los valores de los otros.

Somos obligados volvernos las mejores personas que podemos ser, actuar siempre como más sabia. Somos obligado ayudar almeno a una persona que cumple sus deseos. Hace falta que sepas que sea tu propósito y que cumples a sus obligaciones. El motivo es: tú me haces feliz. Muestro al final la coreografía del ballet chino de las tres piernas y tres brazos. Ballet de 3 piernas y 3 brazos

Tanta sabiduría en una hora y media. Me da un autógrafo en mi bolsillo de los cuentos para pensar y como para mostrar sus técnicas mágicos agradece a me de ser venido a su lectura. Si te gusta entender algún de estos cuentos como el primero del buscador, el maestro está hablando sí mismo en Youtube para siempre: Cuentos para pensar

Massacre ou le bourreau de soi-même

Gemälde von Jean d’Esparbes:
„Massacre ou le bourreau de soi-même“ Que reste-t-il de nos vœux ?

IMG_8943Musée d’Art moderne et contemporain de Strasbourg

Que reste-t-il de nos vœux ?

Jean d’Esparbes, 1900 – 1968

Massacre ou le bourreau de soi-même

Da sind wir nun auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten: Jeder Wurf ein Treffer! Wir haben die Wahl: gehe ich als Richter durch die Welt, als Pfaffe, Clown, Regent oder Scheinheiliger. Aber die Wahl will schon gut überlegt sein, da schaut man doch gern nochmal nach, was die Anderen so empfehlen. Und die bekannten Lustbarkeiten haben auch noch ein Wort mitzureden: Sex, Suff und Spiel beeinflussen den Werfer beim Entwurf seines Lebens. Das Ergebnis kann da schon schnell mal daneben gehen: Anstatt des Sängers oder Barden wird man ein Erbsenzähler oder scheinheiliger Kirchenfürst. Bei all den Einflüssen und Stereotypen geht das Individuum mit seinen Anlagen unter. Die Vorsätze sind hin, der Entwurf ist schiefgelaufen, man hat sich dem falschen Beruf oder dem Alkohol geopfert. Borges sagt: In jedem Augenblick kann ich das Gesicht sein oder die Maske. Bei Jean d’Esparbes Bild scheint alles zur Maske werden zu wollen. Der Griff zum Ball ist von Gier und Anspannung gezeichnet: da kann es einer schlichtweg kaum erwarten. Einen Wurf hat er ja noch…

Chita: A memory of Last Island

Urgewaltiger Roman über die letzten Tage eines Teils der Menschheit und wie ein kleines Mädchen dabei überlebt.

Roman von Lefcadio Hearn aus dem Jahr 1889. Deutsche Übersetzung 2015.

Die Menschen im Bayou leben am Rand der bewohnbaren Welt. Es sind Chinesen und Malayen, Franzosen, Spanier und Kreolen, Amerikaner und Deutsche. Es ist eine Welt größtmöglicher Gegensätze: mal paradiesisch schön und im schon im nächsten Augenblick sind Mensch und Tier dem Untergang preisgegeben. Die Natur ist hier wahrhaft allgewaltig und übermächtig. Lefcadio läßt die Natur durch seine Beschreibungen auf vielfältige Weise lebendig werden. Die Wellen haben Köpfe, die Wolken Gesichter und der Wind spielt die Musik zu einem großartigen Schauspiel, das zur Unterhaltung und zum Vergnügen der sommerlichen Besucher aufgeführt wird. Dabei klingt stets ein mögliches Umschlagen der Idylle in ein Unglück mit an:

Martinique1993plagepalmier
Karibik trikolor: La Martinique

„Nature,–incomprehensible Sphinx!–before her mightiest bursts of rage, ever puts forth her divinest witchery, makes more manifest her awful beauty …” Original pdf S.9
„Die Natur – unergründliche Sphinx – stellt vor ihren machtvollsten Zornesausbrüchen stets ihren göttlichen Zauber zur Schau, offenbart noch deutlicher ihre schreckliche Schönheit…“ Übersetzung S.22.

Die sommerlichen Urlauber sind gegenüber den Signalen der Natur blind und taub: in der Gruppe fühlen sie sich sicher. Beeindruckend ist die Beschreibung des Grauens und der Gefahren, die selbst starke und erfahrene Schwimmer befallen, wenn sie hier allein ins Meer hinausschwimmen. Wenn jedoch genug andere sich mit im Wasser tummeln, spielt das, was ein Einzelner zu empfinden vermag, schlicht keine Rolle mehr:

“Perhaps, if a bold swimmer, you may venture out alone a long way–once! Not twice!–even in company. As the water deepens beneath you, and you feel those ascending wave-currents of coldness arising which bespeak profundity, you will also begin to feel innumerable touches, as of groping fingers–touches of the bodies of fish, innumerable fish, fleeing towards shore. The farther you advance, the more thickly you will feel them come; and above you and around you, to right and left, others will leap and fall so swiftly as to daze the sight, like intercrossing fountain-jets of fluid silver. The gulls fly lower about you, circling with sinister squeaking cries;–perhaps for an instant your feet touch in the deep something heavy, swift, lithe, that rushes past with a swirling shock. Then the fear of the Abyss, the vast and voiceless Nightmare of the Sea, will come upon you; the silent panic of all those opaline millions that flee glimmering by will enter into you also…

From what do they flee thus perpetually? Is it from the giant sawfish or the ravening shark?–from the herds of the porpoises, or from the grande-ecaille,–that splendid monster whom no net may hold,–all helmed and armored in argent plate-mail?–or from the hideous devilfish of the Gulf,–gigantic, flat-bodied, black, with immense side-fins ever outspread like the pinions of a bat,–the terror of luggermen, the uprooter of anchors? From all these, perhaps, and from other monsters likewise–goblin shapes evolved by Nature as destroyers, as equilibrists, as counterchecks to that prodigious fecundity, which, unhindered, would thicken the deep into one measureless and waveless ferment of being… But when there are many bathers these perils are forgotten,–numbers give courage,–one can abandon one’s self, without fear of the invisible, to the long, quivering, electrical caresses of the sea …” S.11 Original pdf. Die Rettungsschwimmer konnten dieses Verhalten der Masse Mensch im Sommer 2014 zu ihrem Grauen ausführlich an den Ostseestränden studieren, als wochenlange Winde aus einer Richtung Tiefenströmungen in Gang setzten, denen jeden Tag aufs Neue zahlreiche Urlauber zum Opfer fielen: Was sollte man befürchten, es waren ja so viel andere auch im Wasser..

Die deutsche Übersetzung ermöglicht eine angenehm einfache Lektüre, auch durch die Erläuterungen im Anhang. Nicht jeder wird wissen, dass de Soto als erster Weißer den Mississippi befahren hat oder alle Sprachen sprechen, die im Roman vorkommen. Das Original findet man problemlos als pdf zum download. Es drängten sich mir beim Lesen unwillkürlich die unvergesslichen Bilder aus „Beast of the southern wild“ auf. Vielleicht hat Chita ja im kollektiven Gedächtnis der Bayoubewohner Spuren hinterlassen und steckt auf irgendeine Weise im Drehbuch bzw. Theatersück mit drin.

Vom Orient zum Okzident

Jordi Savall y Hespèrion XXI. Konzert in der alten Oper Frankfurt mit traditionell sephardischer, armenischer, türkischer und griechischer Musik

Konzert von Hespèrion XXI mit Jordi Savall am 20.3.2015 Hespèrion XXI im Mozart Saal der Alten Oper Frankfurt im Rahmen des Festivals Zwischentöne.

Dem Wahren, Guten, Schönen
Dem Wahren, Guten, Schönen

Hespèrion XXI

Hakan Güngör, Kanun Yurdal Tokcan, Oud Haïg Sarikouyoumdjian, Ney und Duduk Dimitri Psonis, Santur Pedro Estevan, Percussion Jordi Savall Fiedel, Lyra & Leitung

Brasserie am Opernplatz
Brasserie am Opernplatz

Zum Glück wurde über das Festival Zwischentöne im Dezember 14 umfangreich in der FAZ berichtet. Da gibt es Konzerte mit klassisch persischer Musik, indischen Ragas und dann die Ankündigung, dass Meister Jordi Savall mit seinen co-genialen Musikern nach Frankfurt kommt. Ich folge dem Mann ja schon seit Jahren auf fb, aber so in der Nähe wie diesmal war er noch nie. Also nix wie hin! VorgespraechPublikum Da steht man nun vor der hell erleuchteten Alten Oper: bei Nacht ein schöner Platz. Innen ist das Haus hochmodern. Vor dem Konzert spricht Jordi mit einem Moderator. Dieser fragt ihn, warum er im Vorjahr den wichtigen Kulturpreis des spanischen Staates abgelehnt hat. Die Begründung hatte Jordi ja schon ausführlich auf fb begründet. Hier sagt er zunächst einmal sehr ehrlich: es ist ihm schwergefallen: es ging immerhin um 30.000 €! Aber er wollte ein Zeichen setzen gegen die Ignoranz der staatlich spanischen Kulturförderung. Der vorrangige Kanon der geförderten Musik in Spanien betrifft die berühmten Klassiker von Bach bis Wagner. Die Hochzeit der spanischen Musik war jedoch die Renaissance, die sogenannte alte Musik. Hier liegen die Wurzeln der spanischen Musikkultur und das Erbe der christlichen, jüdischen, arabischen, keltischen und katalanischen Vorfahren. Diese Zeit wideraufleben zu lassen ist Jordi Savall beeindruckend gelungen und ich persönlich kann gar nicht genug davon entdecken. Aber auf den großen Bühnen in Spanien kommen solche Aufführungen eher selten vor. Der Weg zu den Wurzeln seiner Musikkultur führte ihn zu den Traditionen der sephardischen und arabischen Musik in Andalusien und umfasst schließlich den gesamten Mittelmeerraum als da sind die ottomanische, armenische, arabische, sephardische und christliche Musiktradition. Diese Musik basiert auf anderen Ton – und Rhythmussystemen als unser traditionelles, wohltemperiertes System. Umso faszinierender ist es, einer solch maximal-multikulturellen Gruppe beim Musizieren zusehen und zuhören zu können. Noten2

Santur
Santur
Percussion
Percussion
Fidel
Fiedel

Noten1Das Programm des Abends findet man ansatzweise auf der CD ISTANBUL mit Werken nach Dimitrie Cantemir „Das Buch der Musikwissenschaft“ zusammengestellt aus Musik der Osmanen im Dialog mit den sephardischen, armenischen und griechischen Musiktraditionen.

MEHMED/ CANTEMIR Der Makam-i «Uzzäl usules Darb-i feth» CANTEMIR Der makam-i Hüseyni Semâ’î Der makam-i Räst „Murass’a“ usules Düyek Der makam-i Hüseyni Sakil-i Aga Riza sowie traditionelle sephardische, armenische, türkische und griechische Musik

Applaus
Hesperion XXI

Auch wenn ich auch taksim und makam nicht auseinanderhalten kann, begeistert mich diese Musik. Jeder der Gruppe ist ein perfekter Solist auf seinem Instrument, sie stammen aus ganz unterschiedlichen Kulturen und sie spielen doch wie aus einem Guss. Häufig spielt ein Instrument die Melodie an, die von den anderen aufgegriffen und weiterentwickelt wird. Dann gibt es einen Dialog der Stimmen, wo sich Fidel und armenische Flöte gegenseitig aufschaukeln. Jordi Savall hat auf Fiedel und Lyra richtig viel zu tun. Anders als bei den klassischen Villancicos sind es keine getragenen Melodien. Pedro Estevan ist als Perkussionist ein Genie: manchmal macht er fast nichts, aber das mit einer so traumwandlerischen Präzision, dass man es schier kaum glauben kann und vermittelt dadurch den Stücken eine unglaubliche Spannung. Die Melodien sind oft eher einfach aber durch das Anstimmen auf nur einem Instrument, das Einfallen der anderen und den Dialog ist es mitreißend. Als kleine Zugabe erwähnt Jordi noch, wie sich aus einer Melodie der makedonischen Liturgie ein osmanisches Volkslied entwickelt hat, das wiederum in die arabische Musik aufgenommen wurde: mit gelassener Perfektion spielt er uns die drei Varianten auf seiner Fiedel kurz vor: ganz klar, immer die gleiche, einfache Melodie und doch so verschieden im Ausdruck.

Jordi uno
Jordi Savall
Pedro Estevan
Pedro Estevan
Jordi dos
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Estacion
Heimweg

Nostalgia del mar

Martinique1993plagedereves1Diese Kurzgeschichte von Delfina Acosta aus Paraguay hat ein Motiv, das mir in der südamerikanischen Literatur schon mal begegnet ist. Das Mädchen schreibt „veinte historias sobre el mar“, seine Schrift gleicht dem aufgewühlten Meer. Ein Mädchen aus Paraguay: da gibt’s  gar kein Meer, es ist ein Binnenland wie die Schweiz. Mit der gleichen Inbrunst suchen José Arcadio und die Seinen in Cien años de soledad das Meer: sie wissen, dass sie auf einer Halbinsel leben, finden sogar eine verfaulende Galione im Urwald. Bis zum Meer kommen sie nie, aber die Sehnsucht bleibt. Vielleicht ist es eine Nostalgie nach der verlorenen Heimat Spanien. Schließlich haben viele Menschen in Südamerika Vorfahren, die ebenso über das Meer gekommen sind, wie die Eltern von José Arcadio und Úrsula.

La Misión, Delfina Acosta

Tenía doce años. Empezaba a encontrar natural despertarme acosada por un pensamiento. Entonces me levantaba de la cama y me dirigía al gabinete. Allí escribía. Qué sé yo cuántas dudas escribía, pues – ciertamente – anotaba dudas. Tarea ardua para una niña que debía estar en su lecho durmiendo, pues eran las tres de la madrugada, y hacía un frío espantoso. Un viento que obligaba a los perros callejeros a meterse debajo de los autos abandonados en el callejón del pueblo.

Durante el día permanecía huraña.

– ¿No vas a lavarte los cabellos?

– Solamente un baño.

Mi existencia tomó un rumbo literario. Cuando el sol se ponía y los elementos de la naturaleza inclinaban con rigor a los sauces del cementerio, me apuraba la necesidad de escribir.

– Estás mal de la cabeza mi niña – me decía la nana, disparándome unos ojos asustados.

Pues claro que sí; que me sentía enferma, yo lo sabía.

Por otra parte, ¿qué trazador de versos en letras itálicas, no cae en la cuenta de que su cabeza suele ser invadida, repentinamente, por cientos de langostas?

Por la tarde escribía. Al menos había logrado ajustarme a un horario que no fuera motivo de gritos por parte de mi padre, quien al ver la luz prendida en el gabinete, perdía el sueño nocturno y se levantaba frecuentemente a orinar.

Una tos seca me acosaba.

Mi madre me observaba con lástima; sabía que no podía hacer nada por mí, salvo partir en dos mitades perfectas un comprimido de meprobramato, que tomaba con agua. Bajo los efectos del tranquilizante, me libraba del tormento de la escritura inmediata, y del presagio de futuras escrituras escabrosas.

Mi caligrafía ilegible revelaba el ánimo furioso del mar, que era, a veces, con su sonoridad vespertina, la causa de mis momentos de nerviosismo.

Escribí veinte historias sobre el mar.

Pero también sobre un jardinero, que enterraba gatos recién nacidos debajo de un rosal amarillo, mientras la dueña de la casa, una anciana jorobada, los andaba buscando por el corredor y las habitaciones. Cierta vez escribí sobre una mujer delgada y hermosa, que había salido a la calle, a la medianoche, con una alcuza en la mano. Llamaba a sus mininos perdidos con voz de bambú; las ventanas de las casas del pueblo se abrían de par en par.

– No son horas de andar gritando – le decía una señora, que daba de mamar a su niño.

– Gatos malditos. Si los encuentro los mato – gritaba la mujer.

Se hizo parte de mi vida escribir. Y tomar pastillas. Don José, el farmacéutico, me preguntaba a menudo cuándo publicaría mi libro. Yo sabía que el libro tendría que salir alguna vez. Pero aún debía definir el argumento de la moza que se había fugado con el gitano. Es más. No estaba segura de la historia. Jamás me convencieron las fugas. Y en esa indecisión batallaba. El boticario me admiraba. Él también escribía. Como compraba la medicina a crédito, me sentía en la obligación de escucharlo hablar sobre su libro. “Penumbras en el ártico” llamaba él a su obra. La cosa es que no sabía decirme ni dos renglones de ella. Mientras envolvía mi medicina recitaba alguna poesía de Amado Nervo. Y luego, como si el poema fuera de su autoría, me preguntaba con un suspiro de satisfacción: “Y, ¿qué me dices? Terrible, ¿no?”

Yo sabía que me estaba enfermando en serio. La obra crecía, se agigantaba, a costa de mi salud. Tenía la impresión de que el mar, la moza de los hermosos cabellos negros enamorada del gitano, los mininos de ojos relampagueantes y extraviados, todos, estaban metidos en mi gabinete.

Mis ojeras me delataban.

– Pero si estás muy mal – me reclamaba mi nana.

No podía parar. No debía dejar en eterno extravío a aquellos mininos. Alguien tenía que detener a la mujer con la alcuza en la calle. El romance de la moza de ojos airados y pelo renegrido merecía un perfecto final.

Todo era demasiado para mí.

Hoy fui a la farmacia. He comprado un frasco entero de somníferos.

Text aus diesem Blog: deliteraturayalgomas

Comentarios / Bemerkungen zum Samstagsdieb

Un mundo al revés
Hugo: durante la semana cuida a un banco, el sábado por la noche se convierte en ladrón. Parecido a Jekyll y Hyde cambia de carácter. Además, Ana, es una persona pública, trabajando en una estación de radio. Así, el radioyente insólito encuentra el jefe de su programa preferido. Punto común: la música popular. Otro cambio es el ladrón que da miedo y que poco a poco se transforme en amigo de la familia. Dando miedo al inicio, se convierte en buen amigo. Por fin los tres disfruten del domingo como ninguna otra familia del barrio.  Otro cambio: la mujer, la insomne emprendida, que bebe el vino con la pastilla al lugar del criminal y empieza a dormir. El, al contrario de que se puede pensar, el criminal no abusa a la mujer muy guapa, pero juega con la niña y se comporta cuasi infantil. ¿No había que prometer que la niña no lo ve? Incluso el lenguaje: ella le descubre en fraganti, palabro que típicamente  usamos conectado a extravías sexual.  Pero al pistolero le gusta jugar al buen padre de familia. Por fin, cuando el ladrón se va, le da consejos a la mujer que hacer para evitar robos. La mujer no siente un alivio cuando el hombre se va pero le invita a regresar.

Gabo ist schon ein Genie: er spielt mit unseren Vorurteilen und Klischees: er kennt sie nur zu genau und stellt sie ohne großes Federlesen komplett auf den Kopf. Alles ist kurz und knapp gehalten, Diebe haben keine Zeit für poetische Eskapaden. Der Text läuft schlicht im Präsens ab. Es geht flugs voran. Nach dem zweiten Satz ist der Plot beschrieben, sind alle Personen bekannt und sind mitten im gefährlichen Geschehen. Dann wird es putzig: der Einbrecher schlüpft in die Rolle des Hausherrn, zieht eine seiner Hosen an: die Größe scheint zu stimmen. Aber alles kommt erstens anders als man zweitens denkt: der Gangster will der hübschen Dame des Hauses nicht an die Wäsche, nicht er sondern sie trinkt das Schlafmittel. Am Ende gibt er fast alles wieder zurück (fast? Was hat er wohl behalten?). Als er schon weit weg ist, ruft sie ihn nochmal zurück: der Gatte ist am nächsten Week-end wieder verreist: Ein Wink mit dem Zaunpfahl. Er trollt sich, glücklich und zufrieden wie ein frisch Verliebter. Den Text in einer Gruppe wie wir gestern im cursillo de conversación mit Viviana zu besprechen macht erst recht Spaß: Einer allein kommt gar nicht auf so viele Deutungsmöglichkeiten. Ist der Dieb der verkleidete Ehemann? Was macht der Gatte an den Wochenenden: besucht er seine Freundin? Werden sie das Spiel so noch lange spielen? Hat er alles zurückgegeben bis auf ihr Herz? Fragen über Fragen, eine Geschichte die Geschichten gebiert ohne Ende. Einfach toll. Gregor Samsa lässt schön grüßen.

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Der Samstagsdieb

Erzählung von Gabriel García Márquez. Übersetzung Robert Seidemann

Hugo, ein Dieb der nur an den Wochenenden klaut, betritt ein Haus an einem Samstag in der Nacht. Ana, die Hausbesitzerin, eine hübsche Dreißigjährige von leidenschaftlicher Schlaflosigkeit, erwischt ihn in flagranti. Mit der Pistole bedroht, übergibt die Frau ihm alle Schmuckstücke und Wertsachen und bittet ihn, er möge sich nicht Pauli nähern, ihrer drei Jahre alten Tochter. Nichtsdestoweniger sieht die Tochter ihn und er erobert sie mit einiger Magie. Hugo denkt: „Wozu so bald weggehen, wenn man es hier so gut hat?“ Er könnte das ganze Wochenende bleiben und die Situation in vollen Zügen genießen, denn der Ehemann -das hatte er ausspioniert- kommt von seiner Geschäftsreise erst am Sonntag in der Nacht zurück. Der Dieb überlegt es sich reiflich: er zieht sich die Hosen des Hausherren an und bittet Ana, sie möge für ihn kochen, sie möge den Wein aus dem Keller holen und sie möge Musik auflegen zum Essen, denn ohne Musik kann man nicht leben.

Ana ist besorgt um Pauli und während sie das Abendessen bereitet, denkt sie sich etwas aus, um den Kerl aus ihrem Haus zu bekommen. Aber sie kann nicht viel ausrichten, denn Hugo hat die Telefonkabel durchtrennt, das Haus liegt abseits, es ist Nacht und niemand wird vorbeikommen.

Ana beschließt in Hugos Glas eine Schlaftablette zu tun. Während des Essens bemerkt der Dieb, der unter der Woche als Wachmann bei einer Bank arbeitet, dass Ana die Moderatorin seines Lieblingsprogramms im Radio ist, das Programm mit der Schlagermusik, dass der immer jede Nacht hört. Hugo ist ihr großer Bewunderer und während sie dem großartigen Benny lauschen, wie er singt, wie es einstmals war, sprechen sie über Musik und Musiker. Ana bereut, ihn einzuschläfern, aber Hugo verhält sich ruhig und hat keine Absichten sie zu belästigen oder zu vergewaltigen, aber es ist schon zu spät, denn das Schlafmittel ist bereits im Glas und der Dieb trinkt zufrieden gänzlich aus. Es hat jedoch eine Verwechslung gegeben, derjenige der das Glas mit der Pille getrunken hat, ist sie. Ana schläft postwendend ein.

Am nächsten Morgen erwacht Ana vollständig angezogen und schön mit einer Decke zugedeckt in ihrem Schlafzimmer. Im Garten spielen Hugo und Pauli, gerade haben sie das Frühstück beendet. Ana wundert sich, dass sie sich so gut verstehen. Obendrein gefällt ihr, wie dieser Dieb kocht und der letzten Endes recht attraktiv ist. Ana beginnt ein wundersames Glücksgefühl zu verspüren.

In diesem Augenblick kommt eine Freundin vorbei um sie zum Essen einzuladen. Hugo wird nervös, aber Ana erfindet eine Erkrankung der Kleinen und verabschiedet sie flugs. So bleiben die Drei gemeinsam zuhause um den Sonntag zu genießen. Hugo repariert die Fenster und das Telefon, das er in der vorherigen Nacht zerlegt hatte und pfeift dabei. Ana bemerkt, dass er so gut Salsa tanzt, ein Tanz der sie begeistert, den sie aber nie mit irgendwem praktizieren kann. Sie schlägt ihm ein Tänzchen vor und sie bringen sich in Stellung: auf diese Weise tanzen sie bis zum Beginn des Abends. Pauli beobachtet sie, schließlich schläft sie ein. Endlich erschöpft sinken sie in einen Sessel im Wohnzimmer.

Dem Glücklichen schlägt keine Stunde, schon ist es Zeit, dass der Ehemann zurückkehrt. Obwohl Ana sich weigert, gibt Hugo quasi alles, was er geraubt hatte, zurück und gibt ihr einige Ratschläge, damit sich nicht Diebe ins Haus schleichen und verabschiedet sich von den beiden Frauen mit nicht wenig Traurigkeit. Ana schaut, wie er sich entfernt. Hugo ist kurz vor dem Entschwinden, da ruft sie ihn laut. Als er zurückkehrt, sagt sie ihm, während sie ihm fest in die Augen schaut, dass ihr Ehemann am kommenden Wochenende wiederum auf Reisen geht. Der Samstagsdieb geht glücklich fort, tanzt durch die Straßen des Viertels, während die Dämmerung hereinbricht.

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Ladrón de sábado

Hugo, un ladrón que sólo roba los fines de semana, entra en una casa un sábado por la noche. Ana, la dueña, una treintañera guapa e insomne empedernida, lo descubre in fraganti. Amenazada con la pistola, la mujer le entrega todas las joyas y cosas de valor, y le pide que no se acerque a Pauli, su niña de tres años. Sin embargo, la niña lo ve, y él la conquista con algunos trucos de magia. Hugo piensa: «¿Por qué irse tan pronto, si se está tan bien aquí?» Podría quedarse todo el fin de semana y gozar plenamente la situación, pues el marido -lo sabe porque los ha espiado- no regresa de su viaje de negocios hasta el domingo en la noche. El ladrón no lo piensa mucho: se pone los pantalones del señor de la casa y le pide a Ana que cocine para él, que saque el vino de la cava y que ponga algo de música para cenar, porque sin música no puede vivir.

A Ana, preocupada por Pauli, mientras prepara la cena se le ocurre algo para sacar al tipo de su casa. Pero no puede hacer gran cosa porque Hugo cortó los cables del teléfono, la casa está muy alejada, es de noche y nadie va a llegar. Ana decide poner una pastilla para dormir en la copa de Hugo. Durante la cena, el ladrón, que entre semana es velador de un banco, descubre que Ana es la conductora de su programa favorito de radio, el programa de música popular que oye todas las noches, sin falta. Hugo es su gran admirador y. mientras escuchan al gran Benny cantando Cómo fue en un casete, hablan sobre música y músicos. Ana se arrepiente de dormirlo pues Hugo se comporta tranquilamente y no tiene intenciones de lastimarla ni violentarla, pero ya es tarde porque el somnífero ya está en la copa y el ladrón la bebe toda muy contento. Sin embargo, ha habido una equivocación, y quien ha tomado la copa con la pastilla es ella. Ana se queda dormida en un dos por tres.

A la mañana siguiente Ana despierta completamente vestida y muy bien tapada con una cobija, en su recámara. En el jardín, Hugo y Pauli juegan, ya que han terminado de hacer el desayuno. Ana se sorprende de lo bien que se llevan. Además, le encanta cómo cocina ese ladrón que, a fin de cuentas, es bastante atractivo. Ana empieza a sentir una extraña felicidad.

En esos momentos una amiga pasa para invitarla a comer. Hugo se pone nervioso pero Ana inventa que la niña está enferma y la despide de inmediato. Así los tres se quedan juntitos en casa a disfrutar del domingo. Hugo repara las ventanas y el teléfono que descompuso la noche anterior, mientras silba. Ana se entera de que él baila muy bien el danzón, baile que a ella le encanta pero que nunca puede practicar con nadie. Él le propone que bailen una pieza y se acoplan de tal manera que bailan hasta ya entrada la tarde. Pauli los observa, aplaude y, finalmente se queda dormida. Rendidos, terminan tirados en un sillón de la sala.

Para entonces ya se les fue el santo al cielo, pues es hora de que el marido regrese. Aunque Ana se resiste, Hugo le devuelve casi todo lo que había robado, le da algunos consejos para que no se metan en su casa los ladrones, y se despide de las dos mujeres con no poca tristeza. Ana lo mira alejarse. Hugo está por desaparecer y ella lo llama a voces. Cuando regresa le dice, mirándole muy fijo a los ojos, que el próximo fin de semana su esposo va a volver a salir de viaje. El ladrón de sábado se va feliz, bailando por las calles del barrio, mientras anochece.

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La Bella Italia: Barockkonzert im Parthenonsaal

IMGP0192Der Parthenonsaal im Obergeschoss der Gipsabdrucksammlung des archäologischen Instituts der Georg-August-Universität Göttingen ist schon ein besonderer Ort. Um uns herum sind Kopien aller Figuren vom Parthenontempel der Akropolis aus Athen versammelt. Dr. Daniel Graepler, Kustos der Sammlung, eröffnet den Abend mit einer Neuigkeit: gerade erst wurde das Alter der Entstehung neu datiert: 250 Jahre sind die Plastiken alt. Die Originale aus Marmor befinden sich im British Museum in London. Der Saal hat eine etwas hallende Akustik, was sehr gut zu einem Konzert mit so feinfühligen Instrumenten wie Laute, Flöte und Gambe passt. Die Instrumente sind allein schon beeindruckend: die Erzlaute von Andreas Düker hat einen  zweiten Wirbelkasten, so dass insgesamt 12 Saiten über das Griffbrett laufen. Sehr harmonisch gelingt das Zusammenspiel mit der Viola da Gamba von Anne Sabin u.a. bei der Sonate von Scarlatti. Perfekt spielen sie dann als Trio ein Stück von Vivaldi, die Traversflöte von Britta Hauenschild zaubert die Melodie über Laute und Gambe hinweg in den Saal. Ich freue mich schon auf das nächste Konzert, das in diesem Rahmen tatsächlich alle Sinne anspricht, und viel Schönheit zum Ausdruck bringt.

Das Göttinger Tageblatt berichtet in seiner Ausgabe vom 17.Februar über das Konzert:

„Saitenwechsel“ im Parthenon-Saal, Andreas Düker startet neue Konzertreihe mit „Les Papillons“ in Gipsabguss-Sammlung der Universität, Von Udo Hinz

Skulpturen des antiken Athens umgeben das Publikum im lichtdurchfluteten Parthenon-Saal des Archäologischen Instituts. Hier inmitten der ältesten Universitätssammlung antiker Gipsabgüsse hat der Göttinger Lautenist und Gitarrist Andreas Düker am Sonntag-Nachmittag die neue Konzertreihe „Saitenwechsel“ eröffnet . Gewählt hat er den Saal, da es hier neben der besonderen Atmosphäre auch eine exzellente Akustik gibt – ideal für leise Kammermusik.

Mit dem Ensemble „Les Papillons“, ein Trio mit Mitgliedern aus Göttingen und Bad Gandersheim , spielt Düker seit fast 20 Jahren: Britta Hauenschild an der Traversflöte und Anne Sabin an der Gambe. Unter dem Titel „La Bella Italia“ verführen die drei Instrumentalisten im vollbesetzten Saal in die sonnige Barockmusik Italiens.

Schon bei den ersten Takten stellt sich heraus , wie geeignet der Saal für diese Musik ist: Der warme Gesamtklang des Trios mit dem Holzklang der Traversflöte, dem weichen Ton der Erzlaute und dem geerdete Timbre der Gambe ist sehr präsent und klar zu hören. Das Trio hatte mit Arcangelo Corelli, Antonio Vivaldi und Domenico Scarlatti drei der ganz großen Barock-Meister Italiens auf dem Programm. Flötistin Hauenschild spielt die Adagios erhaben, die Allegros fröhlich, die Largos verträumt und die Vivace tänzerisch leicht. Ihr lieblicher Ton auf der Flöte schwebt über Laute und Gambe. Anne Sabin hat ihren großen Moment im Corellis Sonate D-Dur für Gambe und Generalbass. Das virtuose Werk war ursprünglich für Violine geschrieben. Sabin wird in diesem Duo mit zartem, ja zärtlichem Ton auf der Laute begleitet. Düker selbst glänzt in der auf Laute übertragenen Cembalo-Sonate D-Moll K 90 von Scarlatti. Herrlich, wie die Töne seiner Laute anfangs mit der gezupften Gambe verschmelzen und wie er die anspruchsvollen Läufe im Allegro mit Leben füllt.

Doch das Trio stellt auch selten zu hörende italienische Komponisten vor: Antonio Lotti, Francesco Geminiani und Pietro Locatelli. Zum Schluss greift Düker zur Barockgitarre. Mit Corellis „La Follia“ aus der Sonate D-Moll Op. 5 Nr. 12 stimmt das Trio einen spanisch inspirierten Tanz an und erinnert so daran, wie europaweit vernetzt und informiert die damalige Musikszene schon war. Mit der Zugabe kam das herzlich klatschende Publikum wieder in der deutschen Realität zurück: Das Trio spielte aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ das Largo aus „Der Winter“.

Die virtuelle Sammlung der Gipsabdrücke

Die hompage des Lautenspielers Andreas Düker

Beseelte Wesen

Für Aristoteles sind Körper und Seele eine Einheit, zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen desselben Gegenstands. Damit bezieht er eine Gegenposition zu Platon. Gegenüber dem Körper versteht er die Seele als Vermögen von und in Körpern: sie können Nahrung aufnehmen, sich vermehren, rumrennen oder ein Buch lesen. Von einem Wesen mit Seele sprechen bedeutet also über Lebendiges zu sprechen (vgl. Ackrill 85 ff.). Auf seinen Grundgedanken baut er eine Hierarchie des Begriffs auf, wobei jede hinzukommende Ebene die darunter befindliche beinhaltet.

Planzenseele – vegetative Seele

Nahrung, Wachstum, Fortpflanzung

Tierseele – animalische Seele

Nahrung, Wachstum, Fortpflanzung
+ Wahrnehmung, Bewegung, Tastvermögen, 5 Sinne, Streben nach Wohlsein, Tiere empfinden Lust, vermeiden aktiv Schmerzen. Sie verfügen über ein Gehirn und Verstand.

Geistseele – humane Seele

Nahrung, Wachstum, Fortpflanzung, Wahrnehmung, Bewegung, Tastvermögen, 5 Sinne, Streben nach Wohlsein, Menschen empfinden Lust, vermeiden aktiv Schmerzen. Sie verfügen über ein Gehirn und Verstand
+ Geist (nou) der sich in einen sterblichen, untrennbar mit dem Körper verbundenen Teil und einen vom Körper unabhängigen, unpersönlichen Teil aufteilt. (vgl. Höffe, S. 140 f.)

An dieser Hierarchie ist zunächst bemerkenswert, dass sie allen belebten Wesen eine Seele zuspricht. Der Mensch verfügt wohl über zusätzliche Eigenschaften und Ausprägungen, aber er hat eine gemeinsame Basis mit der belebten Natur. Die Abgrenzung zur unbelebten Welt ist mit heutigem Wissen formuliert diejenige zwischen Physik und Chemie und Biologie: die Gegenstände der biologischen Untersuchung weisen einen der Evolution unterworfenen Vererbungsprozess auf, der über ein DNA Alphabet mit 4 Buchstaben gesteuert wird. Handelt es sich um Pflanzen, so fehlen ihnen die 5 Sinne zur Wahrnehmung und ein Gehirn zur Interpretation dieser Wahrnehmung. Das Tier hat sie und kann auf diesem Weg gesunde und bekömmliche Nahrung suchen (ein schönes Beispiel von Aristoteles) und andere meiden, sich entsprechend seiner Bedürfnisse und Anforderungen in der Welt zu bewegen. Verdeutlicht man den Schritt von der Pflanze zum Tier, dann hat das Tier ein Gehirn und die Pflanze nicht.  Ein gutes Beispiel für diese Unterscheidung ist die Seescheide . Die Jugendform ist eine Larve mit Sinnesorgan und Gehirn, die sich im Meer bewegt. Hat sie erst einmal einen festen Platz am Meeresboden oder einem Schiffsrumpf eingenommen, entwickelt sich das Gehirn zurück und sie lebt wir alle anderen Pflanzen auch, filtert das Wasser zur Nahrungsgewinnung. (vgl. Peter Thier, FAZ, 10.12.14, N&W, S.N.2). Kombiniert man die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse im Hinblick auf die Vererbung (vgl. Stefan Bleecken, Die Seelenlehre des Aristoteles im Lichte der modernen Wissenschaft), dann sehen die Stufen etwa so aus:

Planzenseele – vegetative Seele

Zellen, DNA, Vererbung und evolutionäre Entwicklung und Auslöschung von Arten, Wachstum, Nahrungsaufnahme, Stoffwechsel.

Tierseele – animalische Seele

Zellen, DNA, Vererbung und evolutionäre Entwicklung und Auslöschung von Arten, darüber hinaus umfangreiche Vererbung von Nervenzellen, in denen zusätzlich zur DNA weitere Informationen gespeichert sind, auf die das Lebewesen zugreift und das es durch Lernen ausbaut. Dies sind die als Instinkt umschriebenen Verhaltensweisen und von den Vorfahren intensive erlebte oder prägende Eindrücke. Niemand kann sich so roten Früchten als Sinnbild reifer, süßer Frucht oder der Faszination des Anblicks von Feuer entziehen und fühlt sich an einem Platz am Feuer wohl und geborgen, nachdem unsere Ahnen dieses Erlebnis während einer 2 Mio. Jahre dauernden Evolution immer wieder als ungemein positiv erlebt haben.

Geistseele – humane Seele

Von genetischen Prozessen angetrieben und von angeborenen Informationen im Gehirn begleitet beginnt der Mensch sein Leben. In seinem Gehirn prägen weitere informationsverarbeitende Prozesse sein Leben: Sein Denken verwendet Begriffe und Urteile, arbeitet mit Kategorien, gliedert die Wahrnehmungen nach Raum und Zeit und setzt sinnvolle Zusammenhänge zwischen seine Beobachtungen. So kann er sich besonders gut in der Welt orientieren, Gefahren vermeiden, vielfältige Nahrung finden, sich zahlreich vermehren und Vergnügen aller Art verschaffen. Neben der Weitergabe von DNA und im Gehirn abgespeicherter Information gibt er Information in Form von Texten, Bildern oder Musik weiter: der sozusagen unabhängig vom Körper weitergereichte Teil des Geistes, während der Teil mit den individuellen Erfahrungen stirbt.

Quellen:

John L. Ackrill, Oxford Berlin New York 1983, Aristoteles

Ottfried Höffe, München 2006, Aristoteles

Stefan Bleecken, Die Seelenlehre des Aristoteles im Lichte der modernen Wissenschaft,

Jenenser Zeitschrift für kritisches Denken, Ausgabe 28, April 2007

Peter Thier, Frankfurter Allgemeine Zeitung 10.12.14, Natur & Wissenschaft, S.N.2