Vom Verschwinden der Ureinwohner

In mitten dieser ach so zivilisierten, so pedantisch auf Moral und Tugend versessenen  Gesellschaft begegnet man einer vollkommenen Empfindungslosigkeit, einer Art eiskaltem und erbarmungslosen Egoismus sobald  es sich um die indigenen Bewohner Amerikas handelt. Die Einwohner der Vereinigten Staaten machen keine Hetzjagd auf Indianer wie es die Spanier in Mexiko machten. Aber es ist dieselbe unbarmherzige Grundhaltung die hier wie überall sonst die europäische Rasse antreibt.

Wie oft begegneten uns während unserer Reise ehrbare Bürger die uns zu abendlicher Stunde, gemütlich in einer Ecke ihres Heims sitzend sagen: Täglich geht die Anzahl Indianer zurück. Das geschieht nicht unbedingt weil wir sie dauernd bekriegen, aber der Schnaps den wir ihnen billig verkaufen rafft jedes Jahr mehr von ihnen hinweg als es unsere Waffen je könnten. Diese Welt  hier gehört uns, fügen sie hinzu. Gott hat den ersten Einwohnern dieses Landes die Möglichkeit der Zivilisation verwehrt und sie so im Vorhinein zur unausweichlichen Vernichtung vorbestimmt. Die wahren Besitzer dieses Landes sind diejenigen, die es verstehen, ihm seine Reichtümer zu entreißen. Soweit zufrieden mit seinen Überlegungen geht der Amerikaner dann in seine Kirche, wo er einem Verbreiter der Evangelien zuhört, der ihm widerholt, dass alle Menschen Brüder sind und sie der Schöpfer sie alle nach demselben Vorbild gemacht hat und ihnen allen die Aufgabe mitgegeben hat sich zu gegenseitig zu beschützen.

Deutsch von Robert Seidemann

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La disparacion des indigènes

Au milieu de cette société si policée, si prude, si pédante de moralité et de vertu, on rencontre une insensibilité complète, une sorte d’égoïsme froid et implacable lorsqu’il s’agit des indigènes de l’Amérique. Les habitants des États-Unis ne chassent pas les Indiens à cor et à cri ainsi que faisaient les Espagnols du Mexique. Mais c’est le même sentiment impitoyable qui anime ici comme partout ailleurs la race européenne.

Combien de fois dans le cours de nos voyages n’avons-nous pas rencontré d’honnêtes citadins qui nous disaient le, soir, tranquillement assis au coin de leur foyer: Chaque jour le nombre des Indiens va décroissant. Ce n’est pas cependant que nous leur fassions souvent la guerre, mais l’eau-de-vie que nous leur vendons à bas prix en enlève tous les ans plus que ne pourraient faire nos armes. Ce monde-ci nous appartient, ajoutaient-ils, Dieu, en refusant à ses premiers habitants la faculté de se civiliser, les a destinés par avance à une destruction inévitable. Les véritables propriétaires de ce continent sont ceux qui savent tirer parti de ses richesses. Satisfait de son raisonnement, l’Américain s’en va au temple où il entend un ministre de l’Évangile lui répéter que les hommes sont frères et que l’être éternel qui les a tous faits sur le même modèle, leur a donné à tous le devoir de se secourir.

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Reiseroute

Alexis de Tocqueville, In der nordamerikanischen Wildnis, Reisebeschreibung aus dem Jahr 1831
Geschrieben auf dem Dampfer Superior, veröffentlicht posthum durch seinen Begleiter Beaumont im Jahr 1866. Titel des Reiseberichts im Original: „Quinze jours au désert“

New York war sein Arbeitsort im Jahr 1830. Als junger Justiziar sollte er für das Justizministerium das amerikanische Gefängniswesen untersuchen und Anregungen für Reformen im heimischen Strafvollzug sammeln. Im July 1831 reiste er mit seinem Freund Gustave de Beaumont zunächst auf dem Hudson bis nach Buffalo, N.Y. (ca.470 km). Von Buffalo aus legten sie dann weitere 100 Meilen (frz. Seemeilen d.h. 440 km) auf dem Eriesee bis nach Detroit zurück. Erst hier gelangten sie allmählich an die Randbezirke der nordamerikanischen Wildnis. Vom Ende des Eriesees aus ging es nun mit Pferden und unter der Führung von Indigenen weiter bis hin zu einer Siedlung der Ureinwohner am Saginawfluss: der langehegte Wunsch geht endlich in Erfüllung. Das Eintreffen dort beginnt mit einer erstaunlichen Überraschung. Der Indianer, der sie mit einem Kanu übersetzt spricht fließend Französisch mit normannischem Akzent…

Reiseverlauf T. (1117x684)

Seginaw, Michigan, die verbliebene Natur im Auenbereich mit kleinem National Wildlife Refuge

Seginaw natur (1063x734)

Seginaw, wenige km flussabwärts. Das typische Gittermuster einer amerikanischen Stadt

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Vom allmählichen Vergehen der schönen Natur

Nachdem wir Mr. Williams verlassen hatten, setzten wir unseren Weg quer durch den Wald fort. Von Zeit zu Zeit tauchte ein kleiner See (diese Gegend ist voll davon) auf wie eine silberne Decke unter dem Blätterdach des Waldes. Es fällt schwer sich den Zauber auszumalen, der diese schöne Gegend umgibt, an der der Mensch noch nicht sein Lager aufgeschlagen hat und wo noch immer ein tiefer Frieden und eine durch nichts gestörte Stille herrschen. Ich habe in den Alpen furchterregende Einöden durchwandert, wo sich die Natur der Arbeit des Menschen widersetzt, aber sie entfaltet selbst noch in ihren Schrecken eine Größe, die die Seele bewegt und begeistert. Hier ist die Einsamkeit nicht weniger ausgeprägt, aber es erwachsen daraus nicht dieselben Vorstellungen. Die einzigen Gefühle, die man empfindet, wenn man diese blühende Wildnis durchstreift wo alles, wie in Miltons Paradies, vorbereitet ist für die Ausbreitung des Menschen, sind demütige und melancholische Stimmungen, ein unbestimmter Abscheu gegenüber dem zivilisierten Leben; eine Art von Wildnisinstinkt, der einen mit Trauer bedenken lässt, dass schon bald diese köstliche Einsamkeit ihr Aussehen ändern wird. In der Tat rückt die weiße Rasse durch die umgebenden Wälder vor und in einigen wenigen Jahren wird der Europäer die Bäume gefällt haben, die sich im kristallklaren Wassern der Seen spiegeln und das Wild, das ihre Ufer bevölkert hat, in neue Wildnisse gezwungen haben.
Deutsch von Robert Seidemann

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Peu à peu le beau désert s’éteint

Après avoir quitté M. Williams nous poursuivîmes notre route au milieu des bois. De temps en temps un petit lac (ce district en est plein) apparaissait comme une nappe d’argent sous le feuillage de la forêt. Il est difficile de se figurer le charme qui environne ces jolis lieux où l’homme n’a point fixé sa demeure et où règnent encore une paix profonde et un silence non interrompu. J’ai parcouru dans les Alpes des solitudes affreuses où la nature se refuse au travail de l’homme, mais où elle déploie jusque dans ses horreurs même une grandeur qui transporte l’âme et la passionne. Ici la solitude n’est pas moins profonde, mais elle ne fait pas naître les mêmes impressions. Les seuls sentiments qu’on éprouve en parcourant ces déserts fleuris où tout, comme dans le Paradis de Milton, est préparé pour recevoir l’homme, c’est une admiration tranquille, une émotion douce et mélancolique, un dégoût vague de la vie civilisée; une sorte d’instinct sauvage qui fait penser avec douleur que bientôt cette délicieuse solitude aura changé de face. Déjà en effet la race blanche s’avance à travers les bois qui l’entourent et, dans peu d’années, l’Européen aura coupé les arbres qui se réfléchissent dans les eaux limpides du lac et forcé les animaux qui peuplent ses rives de se retirer vers de  nouveaux déserts. Pdf Page 27.

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Macondo in der Malerei

Avatar von Aleja Lavodnas - De paranoias veladas y tonterias varias.Artgraceale - Blog de Aleja Lavodnas

Acrílico sobre madera. 150 x 50 cms Acrílico sobre madera. 150 x 50 cms

Me crié en Macondo, esa es la realidad de todos los que hemos vivido, nacido o crecido en la costa. Mi Macondo lleno de colores, de mariposas, de mar y de sal, la Cantera y las historias de Abuelín y Maso en Arenal. La bahía de Manga… bañarse en un aguacero y el maní caliente (¡a veinte!), el Pastelillo y los atardeceres desde la muralla, amanecer en la playa, Cholón, el lorito real, las cocadas y las alegrías, el mango verde y el raspao del chino, el día de las velitas, las chispitas mariposa, las iguanas, los mangos, los nísperos, el limón mandarina, la papaya y el caballito; el calor, las veraneras, las arepitas de anís y me regaló una flor de cien años.

No es sólo un homenaje a Gabo, es mi nostalgia, de mi tierra, que con cada año que paso afuera…

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Der Homunkulus

Part 1, Chapter 1, The first turning of the screw Epigraph
MEPHISTOPHELES, (leiser): was gibt’s?
WAGNER, (leiser): Es wird ein Mensch gemacht.
Goethe, Faust II, deutsch im amerikanischen Original

Gaddis stellt den Recognitions ein Zitat voran, da sich auf Goethe als Alchemisten bezieht. Der ach so fleißige Studenten Wagner, der sich mit Faust auf den Osterspaziergang begeben hat (Faust, Der Tragödie erster Teil), hat inzwischen promoviert und arbeitet nun selbständig im Labor:

Faust, Der Tragödie Zweiter Teil, 2. Akt, Laboratorium

„WAGNER: Die Glocke tönt, die fürchterliche,
Durchschauert die berußten Mauern.
Nicht länger kann das Ungewisse
Der ernstesten Erwartung dauern.
Schon hellen sich die Finsternisse;
Schon in der innersten Phiole
Erglüht es wie lebendige Kohle,
Ja wie der herrlichste Karfunkel,
Verstrahlend Blitze durch das Dunkel.
Ein helles weißes Licht erscheint!
O daß ich’s diesmal nicht verliere!
— Ach Gott! was rasselt an der Türe?
MEPHISTOPHELES: Willkommen! es ist gut gemeint.
WAGNER: Willkommen zu dem Stern der Stunde!
Doch haltet Wort und Atem fest im Munde,
Ein herrlich Werk ist gleich zustand gebracht.
MEPHISTOPHELES: Was gibt es denn?
WAGNER: Es wird ein Mensch gemacht.“

Dr. Wagner mischt die Stoffe nach geheimem Wissen solange, bis das höchste Ziel als Artefakt geschaffen wird: ein Mensch. Damit zeigt er das unaufhörliche menschliche Streben nach Veränderung und Umwandlung der Materie auf. Auf diesem Weg lässt sich mit geheimem Wissen und Strebsamkeit alles erreichen. Das im Feuer entstandene Miniatur-Menschenwesen in der Phiole ist schlau und quicklebendig, aber nur in seiner Glaskugel lebensfähig. Selbst der Teufel staunt, wozu es die Menschen hier schon gebracht haben. Der Protagonist des Romans wird später selbst Pigmente und Bindemittel verrühren und in der Malerei große Werke schaffen. Goethe suchte als Lapis philosophorum nicht das Gold sondern den Bezug zwischen Mensch und Kosmos, den verborgenen Kräften hinter den Dingen. Goethe hat zeitlebens die rationale Naturwissenschaft abgelehnt und stand damit im offenen Widerspruch zu Forschern wie Newton. Er begeisterte sich für eine beseelte Natur, auf die auch Kräfte aus der Sternenwelt einwirken. Während einer schweren Erkrankung 1768/69 begann er das intensive Studium alchemischen Wissens. Anregungen dazu gab es insbesondere von der mit seiner  Familie befreundeten Susanne Catharina von Klettenberg, der Nichte des berühmten Alchemisten Hektor von Klettenberg, der als Betrüger enthauptet worden war. Wesentlich für seine Genesung war eine geheime Medizin des Arztes der Familie Johann Friedrich Metz. In der Folge befasste er sich eingehend mit den Schriften von Paracelsius und Basilius Valentinus. Je mehr er sich in die Gedanken der Alchemisten vertiefte, desto stärker lehnte er das mechanistische und mathematische Weltbild der Aufklärung ab. Der bekannteste Homunkulus ist der Golem des Rabbi Löw aus dem Roman von Gustav Meyrink.

Basil Valentin alias Basilius Valentinus

Der hochgebildete und intelligente Kunstkritiker Basil Valentin („He is mixted up in a lot of things. …. – in good damn near everything. He is too smart for his own good….- A good man? – He’s got the best education money can buy” Original S.364) ist eine direkte Anspielung auf Basilius Valentinus. So lautet der Name oder wahrscheinlich eher das Pseudonym, unter dem zahlreiche alchemische Schriften veröffentlicht wurden. Der Name ist eine Zusammensetzung aus basileus=König und valens=mächtig (spanisch: valiente). Über die Person gibt es lediglich Informationen aus den unter diesem Namen publizierten Werken. Er soll demnach ein Benediktinermönch gewesen sein und im 14/15.Jhd. gelebt haben. Andererseits gibt es Texte, in denen der Autor Amerika, den Buchdruck, die Franzosenkrankheit und den Tabak kennt. In dem 1674 von Vincent Placcius in Hamburg veröffentlichten Buch „De scriptis et scriptoribus anonymis atque pseudonymis syntagma » wurde die Vermutung aufgestellt, es handele sich um ein Pseudonym. Der Herausgeber der Schriften des B.V., Johann Tölde, sei auch gleichzeitig der Verfasser.
Placcius, Vincent,Verlagsort: Hamburgi, Erscheinungsjahr: 1674
Wie schon Paracelsus glaubte B.V. an Elementargeister als den Menschen beeinflussender Kräfte. Das sind spirituelle Beeinflussungen der aristotelischen Elemente. Er vertritt die Mikrokosmos/Makrokosmos Lehre, die eine innere Entsprechung zwischen Mensch, Welt und im Besonderen den Sternen annimmt. (vgl. Claus Priesner, Basilius Valentinus, Alchemie). Gaddis bezieht sich auf ein berühmtes Werk des Basilius: „Triumpfwagen Antimonii“. „The Triumphal Car of Antimony […] anathema to monks“ Original S.384.
Antimon ist ein chemisches Element, ein Halbmetall mit dem Zeichen Sb von Lat. Stibium. Daher auch das „stibium“ im englischen Text bei Gaddis. Arabisch „Kuhl“, Augenpaste plus Artikel „Al“ ergibt Alkohol. Antimon zunächst als Pulver, dann als flüchtige Flüssigkeit (Weingeist). Seit der Antike wurde Antimonsulfid in der Augenheilkunde verwendet sowie zur Behandlung von Wunden und Geschwüren. Da die Medikamente auch sehr giftig sein konnten, waren sie umstritten und teilweise verboten. Beim Reduzieren von Antimon bildet sich ein kompakter Metallkörper mit sternfömiger, kristallisierender Oberfläche genannt Signatstern oder lat. Antimonii. Dies legt einen Bezug zu den Sternen nahe. Auch die tödliche Wirkung der Arznei wird aufgegriffen. Nachdem die wachstumsfördernde Wirkung auf Schweine bekannt war, probierte man das Antimon an Mönchen aus: leider überlebten die es nicht. (Deutsch, S.519).

Deine Augen

Steige auf die Erhöhung, dann kann ich in deine Augen hineinschauen

Du bist größer als ich – ich steige auf die Erhöhung,
damit ich in deine Augen hineinschauen kann

Wie bleich bist Du im Mondschein und wie dunkel
sind Deine Augen – Sie sind so groß, daß sie den
halben Himmel bedecken – Ich kann fast nicht deine Züge sehen
– aber ich sehe undeutlich Deine weißen Zähne, wenn sie lächeln –

Ich friere etwas – und wie dunkel der Wald ist – Siehst Du nicht ein Tier darin
– ist es ein Stein – oder ein Haupt – ein Schlangenhaupt

Wenn wir so stehen – und meine Augen schauen in deine großen Augen hinein
im bleichen Mondlicht – weißt Du, dann – flechten zarte Hände unsichtbare Fäden
die werden um mein Herz gebunden – werden von meinen Augen geführt
durch Deine großen dunklen Augen – hinein um Dein Herz
Deine Augen sind jetzt groß – Sie sind so nah bei mir
Sie sind wie zwei große dunkle Himmel.
Übersetzung von Burkhard Krumkühler

Bild: „Sommernatt“ („Sommernacht“)

Dine øine

Stå op på Tuen så kan jeg se ind i dine øine

Du er høiere end jeg – jeg står op på Tuen,
så jeg kan se ind i Dine øine

Hvor bleg Du er i maaneskinnet og hvor
Dine øine er mørke – De er så store at de
dækker halve himmelen – Jeg kan næsten
ikke se Dine træk – men jeg skimter Dine
hvide tænder når de smiler –

Jeg fryser lidt – og hvor mørk skoven er –
Ser Du ikke et Dyr derinde – er det en sten
– eller et hoved – et slangehoved

– Jeg føler Du smiler

Når vi står sånn – og mine øine ser inn i Dine
store øine – i det blege maanelys – ved Du
da – fletter fine hænder usynlige tråde – der
bindes om mit hjerte – ledes fra mine øine –
gjennom Dine store mørke øine – ind om
Dit hjerte – Dine øine er store nu – De er
så nær meg – De er som to store mørke
Himmeler