Beweise von der Existenz Gottes

Die 4. Antinonmie bei Kant: Gott

Meteora, Gr. Foto: Robert Seidemann 1986
Meteora, Griechenland. Foto: Robert Seidemann 1986

Einen besonders wichtigen Beitrag hat Kant in Bezug auf die Gottesbeweise geleistet. Das Handwerkszeug dafür liefert die Kritik der reinen Vernunft. Die Menschheit hatte eine lange Periode hinter sich, in der Mystiker, Alchimisten, Astrologen und die allesbeherrschende Doktrin der katholischen Kirche das Denken über mehr als ein Jahrtausend völlig dominiert hatten.

Der ontologische Gottesbeweis

Anselm von Canterbury, 11.Jhd. Descartes greift ihn 100 J. vor Kant wieder auf. Gott aus dem Sein schließen (to on – tou ontos = Das Sein, des Seienden). Wenn Gott ein notwendiges und vollkommenes Wesen ist, gehört zur Vollkommenheit auch die Existenz.
1) Es ist ein Unterschied zwischen dem Dasein von Urteilen und dem Dasein von Dingen.
Bsp.: Urteil: Ein Triangel umschließt 3 Winkel (Notwendig, zwingend allgemein). Das Urteil ist keine Voraussetzung für das Vorhandensein eines Dinges Triangel.
2) anders formuliert: Gott ist das allerrealste Wesen.
Ist: Dieses Ding existiert: ein analytischer oder synthetischer Satz? Analytisch! Er fügt dem Begriff Gott nichts hinzu. Gott bleibt nichts als ein möglicher Gedanke.

Der kosmologische Gottesbeweis

a) Bewegungsbeweis des Aristoteles: alles Bewegte wird von etwas anderem bewegt bis zum ersten Beweger: Gott. b) als Kausalbeweis: Vom Dasein Gottes wird auf die Welt geschlossen: Butter schmilzt-Wärme im Zimmer-Temperatur draußen. Nichts kann eine Absolutheit zugesprochen werden. Also muss am Ende der Kausalkette etwas Unbedingtes, eine schlechthin notwendige Ursache stehen.
Kant: Das absolut Notwendige muss, wenn schon nichts Empirisches absolut notwendig ist, muss außerhalb der Welt angenommen werden. Eine Kausalität ist aber nur für die Sinnenwelt sinnvoll, außerhalb nicht beweisbar und entspringt dem Bedürfnis der Vernunft.

Der teleologische Gottesbeweis

gr. Telos=der Zweck, das Ziel: Lehre von der Zweck-mäßigkeit und Zielgerichtetheit. Nach Kant der älteste und klarste Beweis: In der Natur waltet eine Ordnung und Zweckmäßigkeit: Bäche fließen nach unten, Insekten dienen Vögeln als Nahrung. Von dieser Ordnung wird auf einen Urheber, einen vollständigen Zweck geschlossen. Kant: setzt man die Kette fort, würde das höchste Wesen in der Kette dieser Bedingungen stehen, wäre selbst bedingt (das Paradoxon der Diskussion zwischen Gott und dem Teufel basiert darauf). Der Beweis könnte also höchstes zu einem Weltbaumeister, der durch die Tauglichkeit seines Stoffes immer sehr eingeschränkt sein, aber nicht zu einem Weltschöpfer, dessen Idee alles unterworfen ist führen.

Gott: das transzendentale Ideal

Nachdem Kant durch die 4 Antinomien aufgezeigt hat, dass sich der Verstand bei Aussagen über reine Vernunftbegriffe in Widersprüche verwickelt, wird klar, dass er sich beim höchsten dieser Ideale, Gott, genauso aufs geistige Glatteis begibt. Gott bleibt ein fehlerfreies Ideal, ein Begriff, welcher die ganze menschliche Erkenntnis schließt und krönt, dessen objektive Realität zwar nicht bewiesen aber, aber auch nicht widerlegt werden kann.

Somit hat Kant 500 Jahre nach Thomas von Aquin dessen Versuche, die Existenz Gottes zu beweisen, widerlegt und 100 Jahre vor Ludwig Feuerbach die Unmöglichkeit aufgezeigt, die Nicht-Existenz Gottes beweisen zu können. (Kant für Anfänger, Die Kritik der reinen Vernunft, Ralf Ludwig, München, 13.A.2008, DTV)

Grenzen der Erkenntnis

Die Grenzen der Erkenntnis werden mit einem poetischen Beispiel anschaulich gemacht: Das Meer und die Insel.

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Landschaften im Nebel. Meteora, Griechenland, 1986, Foto Robert Seidemann

Nachdem Kant aufgezeigt hat, wie Erkenntnis möglich ist, wendet er sich den Bereichen zu, an denen unsere Erkenntnis an Grenzen stößt. Sie zu überschreiten ist unserem Verstand nicht möglich, er gerät dabei auf Abwege. Um dies zu verdeutlichen, benutzt Kant die geradezu poetische Schilderung von den Inseln im Meer einer Landschaft im Nebel.

„Der transzendentalen Doktrin der Urteilskraft  (Analytik der Grundsätze) Drittes Hauptstück
Von dem Grunde der Unterscheidung aller Gegenstände überhaupt in Phaenomena und Noumena

Wir haben jetzt das Land des reinen Verstandes nicht allein durchreist, und jeden Teil davon sorgfältig in Augenschein genommen, sondern es auch durchmessen, und jedem Dinge auf demselben seine Stelle bestimmt. Dieses Land aber ist eine Insel, und durch die Natur selbst in unveränderliche Grenzen eingeschlossen. Es ist das Land der Wahrheit (ein reizender Name), umgeben von einem weiten und stürmischen Ozeane, dem eigentlichen Sitze des Scheins, wo manche Nebelbank, und manches bald wegschmelzende Eis neue Länder lügt, und indem es den auf Entdeckungen herumschwärmenden Seefahrer unaufhörlich mit leeren Hoffnungen täuscht, ihn in Abenteuer verflechtet, von denen er niemals ablassen und sie doch auch niemals zu Ende bringen kann. Ehe wir uns aber auf dieses Meer wagen, um es nach allen Breiten zu durchsuchen, und gewiß zu werden, ob etwas in ihnen zu hoffen sei, so wird es nützlich sein, zuvor noch einen Blick auf die Karte des Landes zu werfen, das wir eben verlassen wollen, und erstlich zu fragen, ob wir mit dem, was es in sich enthält, nicht allenfalls zufrieden sein könnten, oder auch aus Not zufrieden sein müssen, wenn es sonst überall keinen Boden gibt, auf dem wir uns anbauen könnten; zweitens, unter welchem Titel wir denn selbst dieses Land besitzen, und uns wider alle feindseligen Ansprüche gesichert halten können. Obschon wir diese Fragen in dem Lauf der Analytik schon hinreichend beantwortet haben, so kann doch ein summarischer Überschlag ihrer Auflösungen die Überzeugung dadurch verstärken, daß er die Momente derselben in einem Punkt vereinigt.“

 Vom Verstand zur Vernunft

Das Meer und die Insel: Unser Verstand kann Wahrnehmung, Schema und Kategorien nur anwenden um die Erscheinungen der Insel zu erkennen. Die Instrumente taugen nicht für die Nebelbänke und schmelzenden Eisberge im Meer des Scheins. Die Welt der Ideen. Das Denken im Bereich der Ideen erfolgt notwendig unter Verzicht auf Anschauung und Begriffe und führt dadurch unvermeidlich zu Fehlschlüssen. Mit den Fehlschlüssen betritt man den schwankenden Boden der transzendentalen Dialektik. Wer einmal selbst das Phänomen Küstennebel erlebt hat oder in dichte Wolken gehüllt eine Skipiste hinabgefahren ist, kann sich das gut vorstellen. Der Verstand begibt sich auf eine Art Blindflug.

Die Insel = Welt des Phaenomenons (das Erscheinende) 

Der Ozean = Die Welt des Noumenons (das Gedachte) „von negativem gebrauch“

Die transzendentale Dialektik:  „dialegomai“ ich unterhalte mich. Platonische Dialoge des Sokrates. Methode von Rede und Widerspruch. Für Kant die Logik des Scheins: Ideen verwickeln sich in Widerspruch. Die Welt der Vernunft. Die Vernunft macht mit dem Verstand dasselbe, was der Verstand mit den Anschauungen macht. Während der Verstand die Mannigfaltigkeit der Anschauungen ordnet, ordnet die Vernunft die Regeln des Verstandes. (Ab S.236)

Mensch: Zu den Bedingungen, denen der Mensch unterworfen ist, muss es etwas Unbedingtes, Absolutes, als Einheit dieser Bedingungen geben: Unsterblichkeit der Seele. (Psychologie)

Freiheit: Zu den Bedingungen, denen die Welt als Bedingung aller Erscheinungen unterworfen ist, muss es etwas Unbedingtes als Einheit dieser Bedingungen geben: Freiheit. (Kosmologie)

Gott: Zu allen Bedingungen schlechthin, denen alles Denken und alles Gedachte unterworfen ist,
muss es etwas Unbedingtes als Einheit dieser Bedingungen geben: Gott. (Theologie)

Die Entlarvung der transzendentalen Dialektik, 2.Buch:
zu den Bedingungen, denen Mensch, Welt und Gedachtes unterworfen ist, muss es etwas Unbedingtes als Einheit dieser Bedingungen geben. Sind die Bedingungen gegeben, wird auch das Unbedingte gegeben sein. Seele, Welt und Gott werden als erkennbare Gegenstände der Betrachtung behandelt. Die berühmten Fehlschlüsse sind die Folge.

Abhandlung durch Paralogismen (Fehlschlüsse), Antinomien (Widersprüchlichkeit) und das transzendentale Ideal.

Seele: Paralogismen Das Cogito ergo sum ist Ursprung aller Kategorien aber ist nicht aus der Anschauung ableitbar. Die transzendentale Einheit des Bewusstseins ist eine formale Einheit im Denken. Der dialektische Schein entsteht durch die Verdinglichung des „Ich denke“. Somit hat die Seele kein Dasein, aber sie hat auch kein Nichtsein. Sie bleibt eine unverzichtbare transzendentale Idee.

Welt: Antinomien: Widersprüche, die gleichzeitig bestehen und beide richtig sind. Der Mensch ist frei/ist nicht frei. Freiheit und Gebundenheit stehen im Gegensatz, sind aber für das Verständnis vom Mensch notwendig. Gott ist ein verborgener/offenbarter Gott. Ein verborgener führt zur Sprachlosigkeit, ein Offenbarter zu selbstherrlichem Bescheid-Wissen über ihn. „Es ist das tragische Schicksal der Vernunft sich dort in Widersprüche zu verwickeln, wo sie einen Anspruch auf Absolutheit anmeldet.“

1. Antinomie:

Thesis: Die Welt hat einen Anfang in der Zeit und ist dem Raum nach in Grenzen eingeschlossen.

a) Die Welt hat einen Anfang in der Zeit: Hätte sie keinen Anfang in der Zeit, müsste eine unendliche Zeitreihe vorausgesetzt werden. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wäre also eine Ewigkeit abgelaufen. Eine verflossene Zeitreihe kann aber nur endlich sein und niemals unendlich.

b) Die Welt hat einen Anfang im Raum, sie ist in Grenzen eingeschlossen: Hätte sie keine Grenzen, wäre sie ein unendliches Ganzes. Dies ist aber nicht möglich, da dann diese Unendlichkeit in einer endlichen Zeitreihe gesehen werden müsste.

Anthithesis:

2.Antinomie:

Thesis: Eine jede Sache in der Welt besteht aus einfachen Teilen, und es existiert überall nichts als das Einfache, oder das, was aus diesen zusammengesetzt ist. (Ist die Seele von gleicher Teilbarkeit und Verweslichkeit wie die Materie?) Beweis: Gäbe es kein aus einfachen Teilen zusammengesetztes, würde nichts bleiben, weder ein Zusammengesetztes noch ein einfaches Teil. Fatale Folge: es gäbe gar keine Substanz

Antithesis: Kein zusammengesetztes Ding in der Welt besteht aus einachen Teilen, und es existiert überall nichts Einfaches in derselben. Beweis: Gäbe es ein Zusammengesetztes aus einfachen Teilen, müsste jedes Teil einen eigenen Raum einnehmen und es Teile vom Raum geben. Alles Reale abe im Raum schließt Mannigfaltiges in sich ein und kann deshalb nicht einfach sein.

3.Antinomie:

Thesis: Die Kausalität nach Gesetzten der Natur ist nicht die Einzige, aus welcher die Erscheinungen der Welt abgeleitet werden können. Es ist noch eine Kausalität durch Freiheit zur Erklärung derselben anzunehmen notwendig. Beweis: Gäbe es keine Freiheit, etwas neu anzufangen, würde alles einen vorigen Zustand voraussetzen. Jede Kausalität würde eine andere Kausalitätskette voraussetzen. Da in der Natur nie etwas ohne Ursache passiert, gäbe es keinen ersten Anfang. Ohne Anfang aber wäre jede Reihe unvollständig. So widerspricht der Satz von der Naturgesetzlichkeit wegen seiner unbeschränkten Allgemeingültigkeit sich selber. Es muss etwas geben, das es mir ermöglicht etwas Neues anzufangen: absolute Spontaneität der Ursachen oder tr.Freiheit

Antithesis: Es gibt keine Freiheit in der Welt, sondern alles geschieht nach den Gesetzen der Natur

Beweis: Gäbe es Freiheit, würde nicht nur eine Reihe durch Spontaneität anfangen, sondern auch die Kausalität würde anfangen. Somit ginge nichts vorher, wodurch Geschehenes durch Gesetze bestimmt sei. Aber ein jeder Anfang setzt einen Zustand der noch nicht handelenden Ursache voraus. Somit hätte ein erster Anfang einen Zustand vorausgesetzt, der mit dem vorhergehenden in keinem Zusammenhang steht. Was aber in keinem gesetzlichen Zusammenhang steht, kann nicht erkannt werden, es ist ein leeres Gedankending.
Ergo: Es müssen Freiheit und Kausalität zugleich stadtfinden können!

4.Antinomie:

Thesis: Zu der Welt gehört etwas, das entweder als ihr Teil, oder ihre Ursache, ein schlechthin notwendiges Wesen ist. Unsere Welt basiert auf Veränderungen. Jede davon beruht auf einer Bedingung, die notwendig ist. Die Reihe setzt etwas schlechthin Notwendiges voraus, das absolut notwendig ist. Dieses gehört aber zu dieser Welt.

Antithesis: Es existiert überall kein schlechthin notwendiges Wesen, weder in der Welt, noch außer ihr, als ihre Ursache. Gäbe es dieses Wesen, wäre in der Welt ein Anfang, der als Notwendigkeit keine Ursache haben dürfte. Nach den Gesetzten der Natur unmöglich.

Das Erkenntnismodell nach Kant

Durch Anschauung, Begriff und Urteil wird uns die Wirklichkeit gegeben.

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Meteora Klöster, Griechenland, Foto: Robert Seidemann 1986

Die  Frage, die Kant in seiner ersten Kritik untersucht, ist die Art und Weise, wie wir die Wirklichkeit erkennen. Er entwirft dazu ein Modell, das sich gut mit den jüngsten Forschungsergebnissen der Neurophysiologen deckt. In seiner Arbeit benutzt er eine Reihe von Begriffen, die für er seinem Modell zugrunde gelegt hat und die für ein Verständnis unabdingbar sind. Ich habe hier einige davon als Liste zusammen-gestellt: Ausdruck Begriffe zu Kritik der reinen Vernunft. Bei seiner Betrachtung  ist er  darauf aus, die dieser Erkenntnis zu Grunde liegenden Aspekte herauszuarbeiten. Dazu muss alles weg, was aus der Erfahrung stammt. Dieses Wissen ist zufällig und personenbezogen, taugt also nichts für fundamentale Erklärungen. Es entwickelt sich ein Erkenntnismodell, wo Begriffe aus dem Verstand und die Erfassung der Wirklichkeit über unsere fünf Sinne sich gegenseitig durchdringen. Jeweils für sich allein können sie nichts bewirken: „Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind“. (Die Kritiken, Zweitausendeins Verlag, 2008, S.134). Damit erklärt sich, warum der Ire 60 Arten von Grün kennt, ein Geologe beim Spaziergang endlose Details aufzeigt, wo ein Laie nur graue Felsen sieht und warum neue Erkenntnistechniken wie die Optik oder die Weltraumfahrt unser Weltbild so stark prägen, dass wir von der Erde heute eine Vorstellung als blauer Kugel haben. Frühere Generationen haben Begriffe wie Scheiben und Sphären verwendet. Hier nun in kurzen Zügen die Grundpfeiler des kantschen Modells zu Erkenntnis und Urteilsbildung mit einigen Beispielen:

1 Transzendentale Ästhetik

Innerhalb der Sinnlichkeit ordnen Raum und Zeit alle Empfindungen: Gegenstände werden uns gegeben.

2 Transzendentale Logik

Der Verstand formt die geordneten Empfindungen und erhebt sie zu Begriffen. Gegenstände werden gedacht.

3 Transzendentale Analytik

Begriffe werden vom Verstand zu Urteilen verknüpft. (Im Prinzip ist Begriffsbildung auch schon ein Urteil, Unterabteilung von 2). Ordnungsfaktoren dieser verknüpfenden Tätigkeit nennt er transzendentale Grundbegriffe oder Kategorien:

I.                    Quantität: Allgemeine – Besondere – Einzelne

II.                  Qualität: Bejahende – Verneinende – Unendliche

III.                Relation: Kategorische – Hyphotetische – Disjunktive

IV.                Modalität: Problematische – Assertorische – Apodiktische

Einzelurteil: Sam ist Amerikaner

Besonderes: Einige Tiere sind Beuteltiere

Allgemeines: Alle Menschen sind sterblich

Bejahendes: Der Dom von Florenz ist hoch

Verneinendes: Die Uffizien sind nicht hoch

Unendliches: Jenes Haus am Arno ist kein Dom (könnte sonstwas sein: Wohnhaus, Krankenhaus…)

Kategorisches: Das Dreieck hat drei Seiten. Der Kreis ist rund. Unbedingtes Urteil

Hypothetisches: Wenn die Sonne scheint, schmilzt die Butter

Disjunktives: Der Hund ist entweder ein Schäferhund oder ein Dackel

Problematisches: Es könnte heute Schnee fallen (vermutendes)

Assertorsiches: Es wird heute schneien (behauptendes Urteil)

Apodiktisches: Ich muss eines Tages sterben

Wie kann sich nun etwas, das jenseits meiner Verfügbarkeit und Begreiflichkeit ist, auf mich beziehen?  Durch die transzendentale Deduktion. Mein Verstand formt den Begriff Katze. Subsumierung der Anschauung unter die Kategorie, die Allheit Tier mit Pfoten. Gibt es nun Kategorien, weil es Gegenstände gibt, oder gibt es Gegenstände, weil es Kategorien gibt? Hier im Beispiel: Die Kategorie der Einheit produziert die Anschauung des Fellwesens. Alternativ die Kategorie der Relation: Die Butter auf dem Tisch schmilzt, weil die Sonne scheint. Die sinnliche Erfahrung nimmt die Sonne wahr und sieht die Verflüssigung der Butter. Das Kausalprinzip stammt aus dem Verstand. Es gilt notwendig und allgemein (a priori) für alle Erfahrung.
Der Verstand prägt wie ein Stempel die Kategorie der Kausalität in das Rohmaterial der sinnlichen Wahrnehmung und findet diese in der Wahrnehmung wieder.

Objektiv: Einschaltung des „Ich denke“ für die Erkenntnis.

Wichtiger Aspekt in der Urteilskraft: Das subjektive “ich denke“ ist die objektive Bedingung für das Erkennen von Objekten. Das erkannte Objekt ist nichts anderes als das Produkt der einigenden Tätigkeit des „Ich denke“, das sich der reinen Denkformen, der Kategorien, bedient, ja sogar ihnen noch vorgeschaltet ist. Verstand ist das Vermögen der Erkenntnisse.

Bsp: § zum Mord im StGb.: die objektive Gültigkeit muss durch die subjektive Beurteilung von Richtern usw. geklärt werden.

§22 Die Kategorie hat keinen anderen Gebrauch zum Erkenntnisse der Dinge, als ihre Anwendung auf Gegenstände der Erfahrung. Gesetzte existieren nicht in den Erscheinungen, sondern in deren Bezug auf das Subjekt.

La cattiva strada

Fabrizio De André, Verfasst mit Francesco De Gregori

Vom Album „Volume 8“ bzw.bei mir auf der LP “The Best of Fabrizio de André”, Teldec 1977, die ich damals 19,90 DM  im Musikhaus Hamburg erstanden habe, wie das Preisschild sagt.

Das Lied ist geheimnisvoll und der Text fordert zum Interpretieren auf. Klar ist hier zunächst einmal gar nichts. Aber es geht irgendwie um die moralische Bewertung von Verhalten: Der Zuschauer einer Militärparade wird angespuckt: Das ist doch nichts wenn man es mit dem Potential der vorbeiziehenden Miltärkolonne vergleicht.  Der so Bespuckte folgt dem Geheimnisvollen auf dessen rauhen Weg. Als nächstes klaut er in einer Straße hinter dem Bahnhof einer Nutte das Geld. So ist es besser, das ist wie vorher, als es noch Liebe ohne Geld gab. Die Frau folgt dem Geheimnisvollen auf seinem harten Weg. Der Geheimnisvolle mit seinen eigenwilligen Handlungen, der irgendwo zwischen Zarathustra und Mephistopheles angesiedelt ist, verschwindet schließlich wie alle anderen Heilsbringer vorher auch. Die Menschheit diskutiert mal wieder über die Ethik: war das, was er tat nun gut oder schlecht? Sollen wir seinem Weg folgen? Letzteres ist sinnlos, so wie es das blinde Befolgen einer Gebotsethik auch, aber zum Trost gibt es für jeden etwas Liebe entlang seines eigenen, rauhen Wegs. Cattivo einfach nur mit Schlecht zu übersetzen finde ich unzureichend, es gibt weitere Bedeutungen und vielleicht ist es am besten, abwechselnd auf einige davon zurückzugreifen. Unter der Übersetzung finden sich weitere Optionen.

La cattiva strada

Alla parata militare
sputò negli occhi a un innocente
e quando lui chiese „Perché “
lui gli rispose „Questo è niente
e adesso è ora che io vada“
e l’innocente lo seguì,
senza le armi lo seguì
sulla sua cattiva strada.

Sui viali dietro la stazione
rubò l’incasso a una regina
e quando lei gli disse „Come “
lui le risposte „Forse è meglio è come prima
forse è ora che io vada “
e la regina lo seguì
col suo dolore lo seguì
sulla sua cattiva strada.

E in una notte senza luna
truccò le stelle ad un pilota
quando l’aeroplano cadde
lui disse „È colpa di chi muore
comunque è meglio che io vada “
ed il pilota lo seguì
senza le stelle lo seguì
sulla sua cattiva strada.

A un diciottenne alcolizzato
versò da bere ancora un poco
e mentre quello lo guardava
lui disse „Amico ci scommetto stai per dirmi
adesso è ora che io vada“
l’alcolizzato lo capì
non disse niente e lo seguì
sulla sua cattiva strada.

Ad un processo per amore
baciò le bocche dei giurati
e ai loro sguardi imbarazzati
rispose „Adesso è più normale
adesso è meglio, adesso è giusto, giusto, è giusto
che io vada “
ed i giurati lo seguirono
a bocca aperta lo seguirono
sulla sua cattiva strada,
sulla sua cattiva strada.

E quando poi sparì del tutto
a chi diceva „È stato un male“
a chi diceva „È stato un bene “
raccomandò „Non vi conviene
venir con me dovunque vada,
ma c’è amore un po‘ per tutti
e tutti quanti hanno un amore
sulla cattiva strada
sulla cattiva strada.

Der Weg mit X (X=cattivo)

Bei einer Militärparade
Spuckte er in die Augen eines Unschuldigen
Und als der ihn fragte „warum?“
Antwortete er ihm „das ist doch nichts.
Und jetzt ist es Zeit, dass ich gehe“
Und der Unschuldige folgte ihm.
Ohne Waffen folgte er ihm
Auf seinem unerbittlichen Weg.

Auf der Allee hinter dem Bahnhof
Stahl er die Einnahmen einer Hure.
Und als sie ihn fragte „wie?“
Antwortete er „vielleicht ist es besser, es ist wie vorher“
Vielleicht ist es Zeit, dass ich gehe.
Und die Hure folgte ihm
Mit ihrem Schmerz folgte sie ihm
Auf seinem entschiedenen Weg.

Und in einer mondlosen Nacht
Verstellte er einem Piloten die Sterne.
Als das Flugzeug abstürzte
Sagte er: Es ist die Schuld derer, die sterben
Wie auch immer es ist besser, dass ich gehe.
Und der Pilot folgte ihm
Ohne Sterne folgte er ihm
Auf seinem schrecklichen Weg.

Einem achtzehnjährigen Alkoholiker
Schenkte er noch etwas zu trinken nach
Und während der ihn anstarrte
Sagte er: Freund, ich wette du willst mir sagen
Es ist Zeit, dass ich gehe.
Der Alkoholiker verstand ihn
Er sagte nichts und folgte ihm
Auf seinem unguten Weg.

Bei einem Prozess in Liebesangelegenheiten
Küsste er die Geschworenen auf den Mund
Und auf ihre verlegenen Blicke
Antwortete er: jetzt ist es normaler
Jetzt ist es besser, jetzt ist es richtig
Richtig, es ist richtig dass ich gehe.
Und die Geschworenen folgten ihm
Mit offenem Mund folgten sie ihm
Auf seinem gnadenlosen Weg.

Und als er dann völlig verschwand
denjenigen, die sagten er war ein Übel
denjenigen, die sagten er war ein Wohl
Empfahl er: Es lohnt sich nicht für euch
Mir zu folgen wo auch immer ich hingehe
Aber es gibt für jeden ein wenig Liebe
Und jeder hat eine Liebe
Auf dem rauhen Weg
Auf dem schlechten Weg.

Weitere Angebote für X=Cattivo

Leo zu cattivo, cattiva  adj., schlecht, gemein, böse, Schlimm, Übel, ungut, beleidigend, negativ,

Synonyme zu hart:

streng, unfähig, verdorben, falsch, mies ,arg

furchtbar, grausam, hart, schrecklich, übel

hart, scharf, übertrieben kritisch

fest, hart, knallhart, tandhaft

abweisend, arg, ausfallend, ausfällig, barsch, bedeutsam, borstig, brüsk, böse, deftig, derb, despotisch, drastisch, erheblich, garstig, gebieterisch, gewalttätig, gnadenlos, grantig, gravierend, grob (Adjektiv), grobgliedrig, grobschlächtig, grobschrötig, groß, großkörnig, gröblich, hanebüchen, hart, heftig, herb, herrisch, kalt, knorrig, knurrig, kräftig, lieblos, massiv, plump, rabiat, rau, roh, ruppig, rüde, rüpelhaft, rüpelig, schlimm, schrecklich, schroff, schwerwiegend, selbstherrlich, stiefmütterlich, taktlos, unangenehm, unbarmherzig, unbearbeitet, unbehauen, unbestimmt, unfein, unfreundlich, ungehobelt, ungenau, ungeschlacht, ungeschliffen, ungesiebt, ungesittet, ungraziös, unhöflich, unkultiviert, unmanierlich, unrein, unscharf, unweiblich, unwirsch, unzivilisiert, verschwommen, vierschrötig, übel

bewiesen, brutal, ehern, eiskalt, fest, fundiert, gnadenlos, grausam, hart (Adjektiv), hartherzig, kalkhaltig, kalt, kaltblütig, kräftig, schlecht, schlimm, schmerzhaft, schwierig, stark, starr, steif, steinern, steinhart, streng, unangenehm, unbarmherzig, ungerührt, unnachgiebig, unzweifelhaft, verkrampft, vernichtend, verspannt, zusammengezogen

bitter, hart, herb (Adjektiv)

bestimmt, diktatorisch, eisern, energisch, erbarmungslos, gebieterisch, hart, rigoros (Adjektiv), rücksichtslos, streng, strikt, unerbittlich

akkurat, charakterfest, fest, fundiert, gediegen, gelehrt, hart, integer, kapitalkräftig, rechtschaffen, richtig, rustikal, solide (Adjektiv), stabil, strapazierfähig, tadellos, unbescholten, vernünftig, vortrefflich, wohlhabend, zuverlässig

barbarisch, bestialisch, brutal, diabolisch, entmenscht, entsetzlich, erbarmungslos, gefühllos, gefühlskalt, gewalttätig, gnadenlos, grausam (Adjektiv), hart, inhuman, kalt, kaltblütig, skrupellos, unbarmherzig

barbarisch, bestialisch, brutal, diabolisch, entmenscht, entsetzlich, erbarmungslos, gefühllos, gefühlskalt, gewalttätig, gnadenlos, grausam (Adjektiv), hart, inhuman, kalt, kaltblütig, skrupellos, unbarmherzig

abgehärtet, abgestumpft, abweisend, cool, eisig, emotionslos, empfindungslos, erbarmungslos, frigid, frigide, frostig, gefühllos, gefühlsarm, gefühlskalt, gleichgültig, grausam, hart, hartherzig, herzlos, indifferent, kalt (Adjektiv), kaltblütig, kaltherzig, kühl, lieblos, mitleidslos, nüchtern, skrupellos, spartanisch, steinern, unbarmherzig, unfreundlich, ungemütlich, ungerührt

erbarmungslos, gefühllos, hart, kaltblütig, kaltherzig, kaltschnäuzig (Adjektiv), rücksichtslos, unnachgiebig

autoritär, beißend, einfach, entschieden, erbarmungslos, genau, gnadenlos, grundsätzlich, hart, penetrant, puritanisch, scharf, schlicht, schwer, streng (Adjektiv)

aggressiv, bissig, böse, energisch, frostig, harsch (Adjektiv), hart, herrisch|herrischem, scharf, streng, Tonfall, verletzend

anstrengend, aufreibend, beschwerlich, hart, mühevoll, mühsam (Adjektiv), mühselig, schwer, strapaziös

hart, robust, taff (Adjektiv)

aushärten (Verb), erhärten, erstarren, festigen, hart, verfestigen, verhärten, werden

abgebrüht (Partizip II), abgestumpft, gefühllos, gefühlskalt, hart, hartgesotten, hartherzig, kaltblütig, unempfindlich, ungerührt

entschieden, furchtgebietend, gestreng (Adjektiv), hart, rau, rigid, rigide, rigoros, scharf, streng, unerbittlich, unnachsichtig

Das Lied unter pazifistischer Sehweise:

Rezeption / Textquellen

Mich hatte die Rezension von Thorsten Gräbe über die Neuübersetzung von Heinz Jatho in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5.10.2013 auf auf das Buch aufmerksam gemacht. Bei einem Bummel durch Straßburg wollte ein Buch kaufen und ich gedachte die Originalausgabe kaufen. In der  FNAC fiel mir der Name nicht ein. Ich fragte also die Verkäufer nach dem Reisebericht eines brühmten französichen Adeligen nach Amerika im 18.Jhd., was aber nur auf entgeisterte Gesichter stieß. Abends im Hotel habe ich dann den Text in wenigen Minuten gefunden und als pdf heruntergeladen. Er ist durch die Reise in ein mit Frankokanadiern besiedeltes Gebiet an der großen Seen von großer kultureller Bedeutung für das heutige Québeck. Den Reisebericht mitsamt den Briefen an seine Kusine findet man unter dem Titel „Au bas Canada“ als Word, RTF und PDF in der Bibliothèque Paul-Émile-Boulet de l’Université du Québec à Chicoutimi

Deutsche Übersetztungen

Alexis de Tocqueville, In der Nordamerikanischen Wildnis,
Eine Reiseschilderung aus dem Jahr 1831, Übertragen und mit einem Nachwort versehen von Hans Zbinden, Huber Verlag Bern und Stuttgart, 1953 mit aufwendigen, einzeln eingeklebten Drucken.

Die in der Frankfurter Allgemeine Zeitung besprochene Neuübersetzung von Heinz Jatho:
Alexis de Tocqueville, Fünfzehn Tage in der Wildnis,
Diaphanes Verlag, Zürich/Berlin 2013
ISBN 9783037343289, Broschiert, 160 Seiten, 12,95 EUR

Klappentext zur Neuübersetzung aus Perlentaucher

Aus dem Französischen von Heinz Jatho. Mit einem Nachwort von Robin Celikates. Während seiner großen Nordamerikareise, die eigentlich den Beobachtungen des amerikanischen Rechtssystems gewidmet war und der wir letztendlich auch sein Hauptwerk „Die Demokratie in Amerika“ verdanken, begab sich Alexis de Tocqueville für zwei Wochen auf Abwege. Auf der Suche nach der Wildnis und den Ureinwohnern des Kontinents durchreist er den Bundesstaat New York, überquert den Eriesee und findet schließlich fast unberührte Täler im Distrikt Michigan. Der Bericht seiner Eindrücke und Begegnungen zeichnet ein unmittelbares Bild von der Verheerung und Erschließung, der Zerstörung und Zivilisierung des Kontinents und seiner Bevölkerung.

Über Tocqueville

Alexis de Tocqueville ist der Umgangsname von Alexis-Henri-Charles Clérel, Graf  von Tocqueville (1805-1859). Er ist Philosoph, Politiker, ein Vorläufer der Soziologie und Schriftsteller. Er ist mit Chateaubriand verwandt, der ein Onkel von ihm ist. Er wurde durch seine Betrachtungen über die Französische Revolution und die amerikanische Demokratie bekannt. Die hier beschriebene Reise machte er mit seinem Freund Gustave de Beaumont vom 19.7.bis zum 31.7.1831. Tocqueville begab sich mit seinem Freund nach Amerika, um für die französische Regierung das amerikanische Gefängniswesen zu studieren. Dabei nutzte er die Gelegenheit, die Region der großen Seen kennenzulernen.

In diesem Bereich sind Siedler aus England, Frankreich und den unlängst gegründeten Vereinigten Staaten unterwegs. Ihre Siedlungen stoßen bis an den  Rand der zivilisierten Welt vor, d.h. den von weißen Siedlern gerodeten sowie von Wild und Ureinwohnern bereinigten Gebieten. Tocqueville erweist sich dabei als scharfsinniger Beobachtung des ökologischen Raubbaus, der hier stattfindet. Er ist von Anbeginn an scharf auf die Überschreitung dieser unsichtbaren Grenze, um vielleicht noch einen letzten Blick auf die ursprüngliche Natur und ihre Bewohner vom Stamm der Chippewa zu erhaschen. Er ist ein ausgezeichneter Schriftsteller und man merkt schnell die Komplexität seiner Gedanken beim Übersetzen. Im Schreiben und Formulieren war er seinem Freund Beaumont deutlich überlegen. Da er diesen nicht durch die Veröffentlichung seiner bestechend gut formulierten Texte kränken wollte, verzichtete er zeitlebens auf eine Veröffentlichung. Der Reisebericht wurde dann auch erst posthum von seinem Freund de Beaumont im Jahr 1861 veröffentlicht.

Sein Leben, sein Werk und die Kritik an der Demokratie bei Genealogie Schlöder/Schleder

Verschiedene Ansichten über Gott

Der Katholizismus mit seiner großartigen Beharrlichkeit, seinen absoluten Dogmen, seinen schrecklichen Verdammnissen und seinen unermesslichen Belohnungen, die religiöse Anarchie der Reformation, altertümliches Heidentum: sie alle finden hier ihre Stellvertreter. Man verehrt dort bereits auf sechs unterschiedliche Weisen das Höchste Wesen, das alle Menschen nach seinem Vorbild geschaffen hat. Man macht sich mit Eifer den Himmel streitig, auf den jeder ein exklusives Erbe geltend macht. Und mehr noch, mitten im Elend von Einsamkeit und gegenwärtigen Übeln, erschöpft sich die menschliche Vorstellungskraft damit für die Zukunft unaussprechliche Leiden auszubrüten. Der Lutheraner verurteilt den Calvinisten zum ewigen Fegefeuer, der Calvinist den Unitarier und der Katholik fasst sie alle in einem allgemeinen Missfallen zusammen.

Opinions diverses à l’égard de Dieu

Le catholicisme avec son immobilité formidable, ses dogmes absolus, ses terribles anathèmes et ses immenses récompenses, l’anarchie religieuse de la Réforme, l’antique paganisme trouvent ici leurs représentants. On y adore déjà en six manières différentes l’Être unique et éternel qui a créé tous les hommes à son image. On s’y dispute avec ardeur le ciel que chacun prétend exclusivement son héritage, bien plus, au milieu des misères de la solitude et des maux du présent, l’imagination humaine s’y épuise encore à enfanter pour l’avenir d’inexprimables douleurs. Le luthérien condamne au feu éternel le calviniste, le calviniste l’unitaire et le catholique les enveloppe tous dans une réprobation commune. Pdf S.42

Die Religion

Wir fuhren fort: Dringt die Stimme der Religion manchmal bis zu ihnen (den Siedlern) durch? – Sehr selten; man hat in unseren Wäldern noch nichts vorsehen können, um die öffentliche Abhaltung eines Gottesdienstes zu ermöglichen. Fast jeden Sommer, das schon, durchstreifen einige Methodistenpfarrer die neuen Siedlungen. Die Nachricht ihrer Ankunft verbreitet sich wie ein Lauffeuer von Hütte zu Hütte, es ist die große Neuigkeit des Tages. Zum festgesetzten Zeitpunkt macht sich der Siedler mit seiner Frau und seinen Kindern auf gerade erst frisch durch den Wald geschlagenen Pfaden auf zum verabredeten Treffpunkt. Sie kommen aus einem Umkreis von 50 Meilen dorthin. Es ist keineswegs eine Kirche, wo sich die Gläubigen versammeln, sondern unter freiem Himmel, unter dem Blätterdach des Waldes. Eine Kanzel aus grob behauenen Baumstümpfen, große umgehauene Bäume als Bänke: so sieht die Ausstattung der rustikalen Kirche aus. Die Siedler und ihre Familien campen in den umliegenden Wäldern. An diesem Ort hält die Menge einen selten unterbrochenen Gottesdienst ab, der drei Tage und Nächte lang dauert. Man muss gesehen haben mit welcher Inbrunst sich die Menschen dem Gebet hingeben, mit welcher Andacht sie der weihevollen Stimme des Pfarrers lauschen. In der Wildnis ist man regelrecht ausgehungert nach Religion.

Deutsch von Robert Seidemann

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La religion

Nous reprîmes: « La voix de la religion parvient-elle quelquefois jusqu’à eux? – Très rarement; on n’a pu encore rien prévoir dans nos bois pour assurer l’observation publique d’un culte. Presque tous les étés, il est vrai, quelques prêtres méthodistes viennent parcourir les nouveaux établissements. Le bruit de leur arrivée se répand avec une incroyable rapidité de cabane en cabane; c’est la grande nouvelle du jour. À l’époque fixée, l’émigrant, sa femme et ses enfants, se dirigent à travers les sentiers à peine frayés de la forêt vers le rendez-vous indiqué. On y vient de 50 milles à la ronde. Ce n’est point dans une église que se réunissent les fidèles, mais en plein air, sous le feuillage de la forêt. Une chaire composée de troncs mal équarris, de grands arbres renversés pour servir de sièges, tels sont les ornements de ce temple rustique. Les pionniers et leurs familles campent dans les bois qui l’entourent; c’est là que pendant trois jours et trois nuits la foule pratique des exercices religieux rarement interrompus. Il. faut voir avec quelle ardeur ces hommes se livrent là la prière, avec quel recueillement on écoute la voix solennelle du prêtre. C’est dans le désert qu’on se montre comme affamé de religion. Pdf p.25

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