Studium der BWL in Münster und Göttingen. Planung und Bau solarthermischer Anlagen vom Typ Solar Air Collector zur Belüftung und Beheizung von Sport- und Gewerbehallen. Hobby Romanist und Paddler.
Die Poesie der Bilder in langen und ruhigen Aufnahmen von Wüste und aus dem Nigertal, das gelassene Selbstbewusstsein und der Stolz aus mehrtausendjähriger Kultur, die Eindringlichkeit der Musik gegen den Alptraum einer religiös begründeten Ideologie. Der Regisseur muss schon einiges Aufbieten, damit man den Irrsinn der IS 1 ½ Stunden lang ertragen kann. Aber das ist mit wenig Aufwand rundherum gelungen. Die arabischen Herrscher im Namen von Herrn Allah kontrastieren mit den hellhäutigen Afrikanern, bei uns allgemein als Berber bekannt. Sie benötigen im Dialog mit den neuen Herrschern arabischer Provenienz Dolmetscher, so dass die meisten Dialoge zweimal gesprochen werden. Zum Glück wird manchmal auch schlicht das Französisch der ehemaligen Kolonialherren gesprochen. Interessanterweise kann ich als Europäer Tamasheq von Arabisch kaum auseinanderhalten, wenn man mal von den vielen harten g und k Lauten der Touareg absieht. Die Musik der fasziniert mich seit ich zum ersten Mal Toumastin von Tamikrest gehört habe. Sie hat mit dem Blues einen ganz nahen Verwandten und klingt deshalb ungewohnt vertraut und besonders ausdrucksstark, wobei aber der Rhythmus dem von Kamelen in der Wüste entspricht. Besonders der Klagegesang der Frauen scheint aus uralter Vergangenheit zu stammen. Hoffentlich hilft dieser Film, diesem Volk ohne Staat und Land beim Überleben und Erhalt ihrer Kultur. Ein kleiner Oskar wäre da genau am rechten Ort.
Am Chèche könnte ich richtig gefallen finden: das lange Tuch würde mir die Verwendung der klebrigen 50er Sonnencreme im Gesicht im Sommerhalbjahr komplett ersparen.
12. Januar 2015, Öffentliche Vortragsreihe im Wintersemester 2014/2015, 13 Lieder. Lektüren und Analysen populärer Songs, Victor Jarra: Te recuerdo Amanda.
Referentin Friederike von Criegern: u.a. Dissertation über den chilenischen Dichter Floridor Pérez, Veröffentlicht 2006 “Für einen Fisch ein Flügel zu viel” mit Gedichten in ihrer Übertragung ins Deutsche. S.a. Pérez, Cartas de prisoniero.
Das als „topical song“ bzw. Protestsong bezeichnete Lied wird bei Umfragen in Lateinamerika als bedeutsamstes Lied direkt nach Gracias a la vida von Violeta Parra genannt. Die beiden Namen im Lied, Amanda und Manuel, finden sich in der Familie Victors bei Mutter und Tochter und seinem Vater wieder. Darüber hinaus ist amanda das Gerundium von amar was man mit „die Liebende“ übersetzen kann, also die Liebende schlechthin.
Te recuerdo Amanda la calle mojada corriendo a la fábrica donde trabajaba Manuel. La sonrisa ancha la lluvia en el pelo no importaba nada ibas a encontrarte con él con él, con él, con él son cinco minutos la vida es eterna en cinco minutos suena la sirena de vuelta al trabajo y tú caminando lo iluminas todo los cinco minutos te hacen florecer.
Te recuerdo Amanda la calle mojada corriendo a la fábrica donde trabajaba Manuel. La sonrisa ancha la lluvia en el pelo no importaba nada ibas a encontrarte con él con él, con él, con él que partió a la sierra que nunca hizo daño que partió a la sierra y en cinco minutos quedó destrozado suena la sirena de vuelta al trabajo muchos no volvieron tampoco Manuel.
Der Text hat zahlreiche a-Endungen, die wie Reime wirken. Er hat zwei Teile: im ersten Teil wird die Liebe zwischen Amanda und Manuel geschildert durch das Bild der zwei sich in einer Pause begegnenden Liebenden, die für 5 Minuten glücklich sind (Höhepunkt auch klanglich: „con él“ und „eterna“. Im zweiten Teil wird diese Liebe vernichtet, als ebensolchen 5 Minuten ein Grubenunglück Manuel das Leben kostet. Er ist einer von Vielen, die von der Arbeit nicht mehr heimkehren.
Interessant ist der Weg Jarras vom Theater zum Gesang und die Bedeutung von Violeta Parra in seinem Werdegang. Mich erinnert es ein wenig an die Bedeutung von Edith Piaf für Georges Moustaki in Paris. Jara zählt zu den Vertretern der „nueva canción chilena“, der Lieder für politische Zwecke im Sinn der sozialistischen und kommunistischen Ideen der Zeit zur Verbesserung der Situation der Arbeiter und Bauern einsetzte. (vergleichbar mit der „Nueva Trova“ in Kuba). Zu ihr gehören u.a. auch Patricio Manns und die Kinder von Violeta Parra. Er spielte wiederholt in der chilenischen Folkloregruppe Cuncumén, die 2014 ein Album zur Hommenage an Jara veröffentlichte. Die Folklore entwickelte sich zunehmend im Kreis der Intellektuellen als Protest gegen die vorherrschende Populärmusik und wurde in den Wahlkampf von Allende einbezogen. Zu einem Lied der Gruppe Inti Illimani schrieb Jara den Text „Venceremos“ mit dem die die Unidad Popular (UP), ein Zusammenschluss von Sozialisten, Kommunisten und einigen kleineren Linksparteien, 1970 in den Wahlkampf zog. In der Folge der Wahlen wurde Allende zum Präsident gewählt. Als die Militärs nach 3 Jahren das sozialistische Experiment mit Waffengewalt beendeten, begann unter der Militärdiktatur unverzüglich die Verhaftung von Tausenden von Mitgliedern und Unterstützern der UP. Victor Jara gehörte zu den ersten Opfern, sein Tod im Stadion von Santiago ging als Schreckensmeldung um die Welt.
Pete Seeger war in einem gewissen Sinn ein Verwandter im Geist. Auch Jara hatte ja Lieder von ihm gesungen. Ich höre nach wie vor gern eine Tonbandaufnahme aus dem Jahr 1977 von einem Konzert (Pete Seeger/Woody Guthry: Together, 1975), bei dem Pete Seeger ergreifend an den ermordeten Jara erinnert:
in Santiago, Chili, there was a great young songwriter, 47 years old, Victor Jara was his name, very popular there, and when the generals took over he was arrested, was tortured, took him to the soccer stadium, and there he started singing to keep up the spirits of the other prisoners. The gards told him to stop, so he didn’t stop, so they claimed down on their rifle butts, they crushed his arms, broke them both of the wrists, and then they shot him. But Victor Jara, he wrote a lot of songs, they are all trough, not only Chili but the rest of Latin America, they don’t get sung out in the open, but the songs are getting around. I wished I knew one of them to sing for you: I can’t sing Spanish that well, but just this afternoon I got the translation of the last poem he wrote. He was actually, it was the morning of the day he was shot, and he wrote this verse on a small piece of paper, and somehow it was smuggled out:
We are five thousand here in this little part of the sky
We are five thousand. How many more shall we be?
In the whole city, in the whole country, ten thousand hands
which can seed the fields, make run the factories
how much humanity now, with hunger and cold, panic, pain and terror.
Six of us are now lost in space, amoung the stars,
one dead, one beaten like we never knew a human being could be beaten
the other four wanting to die, wanting to leave all the terror
beating their heads against the wall.
The military carried out their plans with precision.
The blood is like medals for them.
Slaughter is the badge of their heroes and:
is this the world you created oh my god in seven days?
The blood of companjero presidente is stronger than bombs.
Oh you songs, you come out so badly.
When I must sing, the terror what I see,
I never saw or what I have felt or what I feel:
Hay canto, quema ??
And there is one song that a lot of you know, that all of you know, and this song was written 17 years ago by Cuban José Marti..yo soy un hombre sincero…
Mein Tonband ist nicht „uploadbar“, aber Aristide Duarte hat den Ausschnitt auf Youtube gestellt:
No man is an Island, intire of it selfe every man is a piece of the Continent, a part of the maine; if a clod would be washed away by the sea, Europe is the lesse, as well as if a manner of thy friends or of thine owne were; any mans death diminishes me, because I am involved in mankinde; and therefore never send to know for whom the bell tolls; It tolls for Thee.
Deutsch
Kein Mensch ist eine Insel, in seinem ganzen Wesen ist jeder ein Stück des Kontinents, ein Teil vom Festland; und wenn das Meer eine Scholle Land wegspült, wird Europa kleiner, genauso als wenn einer Deiner Freunde oder Du selbst dahingehst; der Tod jedes Einzelnen macht mich betroffen, denn ich bin Teil dieser Menschheit; und deshalb frage niemals danach, wem die Stunde schlägt, sie schlägt für Dich.
Bref
Kein Mensch gründet in sich selbst allein, ein jeder ist Teil eines großen Ganzen: der Menschheit.
Hara Kiri war meine Lieblingszeitschrift in den 70er Jahren. Ich konnte sie nur gelegentlich kaufen, halt immer dann, wenn ich selber in Frankreich war. Und ich habe sie heute noch. Viele der Zeichnungen und Ideen stammten von den beiden Gründervätern von Hara Kiri: Jean Marc Reiser und dem gerade ermordeten Georges Wollinski. Als der Erfolg des eher einer Untergrundpostille gleichenden Hara Kiri immer größer wurde, entstand 1969 die wöchentlich erscheinende Hara Kiri Hebdo, die dann 1970 mit dem französischen Staat kollidierte. Die Regierung war über die Witze zur Beerdigung von Charles de Gaulle derart entzürnt, dass es zu einem Verbot der Postille kam. Dies brachte Wolinski und Co. dazu, Charlie Hebdo zu gründen. Ich habe meinerseits danach das Interesse und die Sammelleidenschaft verloren, sowas wie ein Abo wollte ich nicht haben. Die Grundhaltung war eine schonungslose Satire gegenüber jeder Form von Werten, Moralvorstellungen und Restriktionen. Das war in den 60ern natürlich vorrangig das sexuelle Empfinden. Die Bilder waren einfach nur abgrundtief geschmacklos aber auf diese Art über jede Form von Pornographieverdacht erhaben. An diesen Nackedeis konnte man sich nicht aufgeilen, das waren einfach Leute ohne Klamotten, die sich so über antiquierte Moralvorstellungen lustig machten. Neben Staat und Moral war stets auch die Kirche im Visier der Künstler: mal hing Jesus als Vaponastrip (Fliegenfänger) von der Decke, mal hatte der Papst den Hammer im Gesicht: Rücksicht wurde auf niemand genommen, man lebte ja schließlich in einem freien Land (Liberté!) und die Kirche war aus dem Staatswesen der Republik verbannt worden. Die Ausgabe Nr. 174 ziert auf der Vorderseite ein mit Apfelkuchen bedecktes weibliches Geschlecht mit der Headline „L‘église condamme la tarte au pommes“, während auf der Rückseite ein kräftig erigierter Penis in ein Schokoladenküchlein eingepackt ist „L´église condamme la tarte au pommes et l’éclair au chocolat“. Zwischendurch wird das Jesus Phone (ein Vorläufer vom I Phone) angebetet, es bleibt nichts verschont. Werbung gibt es schlichtweg gar nicht, nur den Hinweis auf die Schwesterzeitschrift Charlie mensuel für 7F am Kiosk.
Die Komik von Wollinski et.al. bringt mich noch heute zum Lachen. Sie entfalten sich völlig frei, nutzen die Pressefreiheit bis zum Äußersten, gehen über jede Schamgrenze sorglos hinweg. Das war im Frankreich des ausgehenden 20 Jahrhunderts der Stand der Dinge, wurde durch die Bevölkerung getragen, die einfach mitlachte oder den Blödsinn ignorierte.
Völlig anders als auf den aufgeklärten Leser eines freien, demokratischen und republikanischen Staates muss derselbe Nonsens auf einen gläubigen Muslim wirken. Er hat sich seinem Gott und dessen Propheten unterworfen und wenn dieser im Fall der Beleidigung nach Rache verlangt, dann folgen in letzter Konsequenz auch Taten. Diese Morde basieren ohne jeden Zweifel auf dem Islam und der Koran liefert die Begründung. Letztlich wissen wir aus unserer europäischen Geschichte genau, welch unsägliches Leid Religion verursachen kann. Der katholischen Kirche sind in dieser Hinsicht nach endlosen Kämpfen die Krallen gezogen worden: da ist niemand mehr vogelfrei, nur weil er exkommuniziert wird (Beispiel Luther). Ein Aufruf zum Krieg (Kreuzzüge), die Anstiftung zum Völkermord (Katharer und Albigenser) oder der Definition von Menschen anderer Hautfarbe oder Rasse als Nichtmenschen (Afrikaner, Sklaven und indigene jeglichen Erdteils) kann und darf eine christliche Organisation inzwischen nicht mehr ausrufen. Anders sieht das in der islamischen Welt aus. Wir sehen uns mit einer Religion konfrontiert, die dem Stand des Christentums im Mittelalter entspricht. Sendungsbewusstsein, politischer Machtanspruch (Gottesstaat, Islamische Republik Iran) und die Gegenwärtigkeit im Alltag (Kleidervorschriften wie das Tragen von Burka oder Jilbab, haustierartige Haltung von Frauen, das grausame Schächten von Tieren) sind Zeichen dafür. Wenn wir die Grundwerte des Islam tolerieren und akzeptieren, können wir auch argumentieren, die Leute von Charlie Hebdo haben schlichtweg Hara Kiri begangen, sie haben Ihre Ermordung einfach provoziert, das Attentat war gewissermaßen zwangsläufig. Folgen wir diesem verständnisvollen Pfad, so wird uns nichts anderes übrig bleiben, als zum Schutz der Bürger die noch bestehenden Grundrechte im Hinblick auf religiöse Befindlichkeiten der dem Islam unterworfenen Menschen einzuschränken: Keine Bilder von Gott und seinem Propheten in Zeitschriften oder dem Internet und umfangreiche Strafen für blasphemische Witze wären einige der Konsequenzen. Die Pressefreiheit wird dann nicht nur faktisch eingeschränkt (die dänische Zeitung aus Aarhaus, die bereits in die Ziellinie von solchen Rächern gekommen war druckt dergleichen auch jetzt nicht ab), die Meinungsfreiheit ebenso und am Ende würden die Moralvorstellungen derjenigen umgesetzt, die uns da terrorisieren. Dieser Anschlag galt deshalb allen, die in einem aufgeklärten und laizistischen Europa frei leben möchten. Die Glocken in Paris schlagen heute, am 11.Januar, 2015 für mich.
Dr. Robert Legard, ein berühmter Arzt für plastische Chirurgie, wird, angetrieben durch den tragischen Unfalltod seiner geliebten Frau, zum Erfinder einer neuen, gentechnisch hergestellten Haut, die viel besser ist als menschliche Haut: sie ist feuerbeständig und stichfest. Bei den Familienbeziehungen könnte es kaum wilder zugehen als hier: dass die Mutter-Sohn und die Vater-Tochter Beziehungen vollkommen überdreht sind, verblüfft nicht weiter, wenn man schon ein Paar Aldomóvar Filme gesehen hat. Die Geschichte wird in Vor- und Rückgriffen erzählt, man erfährt sie häppchenweise. Das ist auch der Erzählstiel von Alice Munro. Von dieser liegt denn auch gleich zu Beginn deutlich sichtbar ein Buch auf dem Frühstückstablett für die einzige Patientin: Alice Munro, Escapada . Originaltitel: Runaway. Deutscher Titel: Tricks. Mehr auf wikipedia und wordpress. Es umfasst mehrere Geschichten über die Liebe von Frauen unterschiedlichen Alters. Ein Happy End gibt es wie bei Aldomóvar und meistens im richtigen Leben eher nicht. Letztlich zieht ein junger Mann den Hass von Robert Legard (Frankenstein) auf sich. Er wird wie bei einer Safari mit einem Spritzenschuss lebend gefangen genommen und im Anwesen des Doktors eingesperrt. Robert bringt seine ganze Kunst zum Einsatz: Es beginnt mit der Entfernung der primären Geschlechtsorgane, an Stelle des Penis gibt es eine Vagina. Die muss der Patient unter Schmerzen mit unterschiedlich großen Dildos schrittweise ausweiten. Nun folgt peu a peu der Rest des Körpers: das Gesicht kommt neu und wird entsprechend der verstorbenen Ehefrau gestaltet, ein passender Busen rundet das Bild ab: es entsteht ein neugeschaffener, weiblicher Körper von makelloser Schönheit. Robert hat seine Technik an einem Meerschweinchen ausprobiert, das einstmals ein Junge war. Bei den diversen Kapriolen gibt es einen Zwiekampf mit dem „Schöpfer“, bei dem sich das Opfer die Kehle mit dem Messer durchtrennt. Wie in Buñuels Szene mit dem Skalpellschnitt durchs Auge einer Frau („Ein andalusischer Hund“ Originaltitel: Un chien andalou von Luis Buñuel und Salvador Dalí, auch die Tafeln mit den Zeitansagen sind ein Anklang an diesen Film) kann man es langsam nicht mehr ertragen auch nur noch hinzusehen. Robert trägt den schlaffen Körper des androgynen Mädchens in seinen OP und näht den Hals wieder zusammen. Der coolste Satz im Film fällt beim letzten Nadelstich: Da hatten wir nochmal Glück! („Tenemos suerte“, wenn ichs recht verstanden habe). Das Martyrium kann weitergehen. Die Verwendung der ihm angebotenen Schminkutensilien erträgt er/sie nicht und verwendet die Stifte zum Beschreiben der Zimmerwand. Neben den Knastbalken zum Tagezählen steht da immer wieder: respiro. Ich atme, also bin ich. Ein liegender Körper wird gezeichnet: Der Kopf steckt in einer Hundehütte. Mein argentinischer Psychiater hätte seine wahre Freude an der Wand, die sich langsam füllt. Letzten Endes entkommt das neu entstandene Wesen seinem Peiniger und kann zur Boutique der Mutter zurückkehren. Niemand erkennt ihn. Erst als er Szenen aus der Vergangenheit schildert, die nur mit ihm als jungem Mann in Verbindung stehen, merkt die Verkäuferin, was passiert sein muss. Aldomóvar thematisiert in seinem Film die gentechnische Veränderung menschlicher Zellen, die Transgender Problematik und wenn man dieses Thema weiterentwickeln möchte, die Leib-Seele Probematik. Aristoteles stellte sich das Herz als Sitz der Seele und Träger der Identität vor. Im Film erkennt der Gefangene, dass Yoga den direkten Weg zum Kern der Persönlichkeit weist. Er verlangt nach einem Buch über Yoga und verbringt die Zeit mit teils akrobatischen Übungen. Als er zum Schluss im Laden seiner Mutter seine wahre Identität eröffnet, ist es seine Seele als Sohn, die spricht. Als weibliches Wesen ist er zwar äußerlich vollkommen, der Verkäuferin im Laden seiner Mutter gegenüber existiert er aber nur als der Junge, der er einmal war. Sein Fortleben als Verkäuferin Vera in dieser Boutique mag ich mir nicht vorstellen, obwohl die Geschichte natürlich genau darauf hinausläuft. Immerhin sind die Kleider dort hübsch und wahrscheinlich alle von Jean-Paul Gaultier. Großartig ist die Musik von Alberto Iglesias und endlich kann ich die unvergleichliche Sängerin Concha Buika bei zwei Auftritten sehen: Ein Fest für die Ohren, die Augen und das Herz. Danke Pedro!
und das sagt der Drehbuchschreiber und director selbst dazu: „Hay procesos irreversibles, caminos sin retorno, viajes sólo de ida. “La piel que habito” cuenta la historia de uno de estos procesos. La protagonista recorre involuntariamente uno de esos caminos, es obligada violentamente a emprender un viaje del que no puede regresar. Su kafkiana historia corresponde al dictado de una condena cuyo jurado está compuesto por una sola persona, su peor enemigo. El veredicto, por lo tanto, no es sino una forma de venganza extrema.“ zitiert von der website des Films s.o.
Meteora, Griechenland. Foto: Robert Seidemann 1986
Einen besonders wichtigen Beitrag hat Kant in Bezug auf die Gottesbeweise geleistet. Das Handwerkszeug dafür liefert die Kritik der reinen Vernunft. Die Menschheit hatte eine lange Periode hinter sich, in der Mystiker, Alchimisten, Astrologen und die allesbeherrschende Doktrin der katholischen Kirche das Denken über mehr als ein Jahrtausend völlig dominiert hatten.
Der ontologische Gottesbeweis
Anselm von Canterbury, 11.Jhd. Descartes greift ihn 100 J. vor Kant wieder auf. Gott aus dem Sein schließen (to on – tou ontos = Das Sein, des Seienden). Wenn Gott ein notwendiges und vollkommenes Wesen ist, gehört zur Vollkommenheit auch die Existenz.
1) Es ist ein Unterschied zwischen dem Dasein von Urteilen und dem Dasein von Dingen.
Bsp.: Urteil: Ein Triangel umschließt 3 Winkel (Notwendig, zwingend allgemein). Das Urteil ist keine Voraussetzung für das Vorhandensein eines Dinges Triangel.
2) anders formuliert: Gott ist das allerrealste Wesen.
Ist: Dieses Ding existiert: ein analytischer oder synthetischer Satz? Analytisch! Er fügt dem Begriff Gott nichts hinzu. Gott bleibt nichts als ein möglicher Gedanke.
Der kosmologische Gottesbeweis
a) Bewegungsbeweis des Aristoteles: alles Bewegte wird von etwas anderem bewegt bis zum ersten Beweger: Gott. b) als Kausalbeweis: Vom Dasein Gottes wird auf die Welt geschlossen: Butter schmilzt-Wärme im Zimmer-Temperatur draußen. Nichts kann eine Absolutheit zugesprochen werden. Also muss am Ende der Kausalkette etwas Unbedingtes, eine schlechthin notwendige Ursache stehen.
Kant: Das absolut Notwendige muss, wenn schon nichts Empirisches absolut notwendig ist, muss außerhalb der Welt angenommen werden. Eine Kausalität ist aber nur für die Sinnenwelt sinnvoll, außerhalb nicht beweisbar und entspringt dem Bedürfnis der Vernunft.
Der teleologische Gottesbeweis
gr. Telos=der Zweck, das Ziel: Lehre von der Zweck-mäßigkeit und Zielgerichtetheit. Nach Kant der älteste und klarste Beweis: In der Natur waltet eine Ordnung und Zweckmäßigkeit: Bäche fließen nach unten, Insekten dienen Vögeln als Nahrung. Von dieser Ordnung wird auf einen Urheber, einen vollständigen Zweck geschlossen. Kant: setzt man die Kette fort, würde das höchste Wesen in der Kette dieser Bedingungen stehen, wäre selbst bedingt (das Paradoxon der Diskussion zwischen Gott und dem Teufel basiert darauf). Der Beweis könnte also höchstes zu einem Weltbaumeister, der durch die Tauglichkeit seines Stoffes immer sehr eingeschränkt sein, aber nicht zu einem Weltschöpfer, dessen Idee alles unterworfen ist führen.
Gott: das transzendentale Ideal
Nachdem Kant durch die 4 Antinomien aufgezeigt hat, dass sich der Verstand bei Aussagen über reine Vernunftbegriffe in Widersprüche verwickelt, wird klar, dass er sich beim höchsten dieser Ideale, Gott, genauso aufs geistige Glatteis begibt. Gott bleibt ein fehlerfreies Ideal, ein Begriff, welcher die ganze menschliche Erkenntnis schließt und krönt, dessen objektive Realität zwar nicht bewiesen aber, aber auch nicht widerlegt werden kann.
Somit hat Kant 500 Jahre nach Thomas von Aquin dessen Versuche, die Existenz Gottes zu beweisen, widerlegt und 100 Jahre vor Ludwig Feuerbach die Unmöglichkeit aufgezeigt, die Nicht-Existenz Gottes beweisen zu können. (Kant für Anfänger, Die Kritik der reinen Vernunft, Ralf Ludwig, München, 13.A.2008, DTV)
Die Grenzen der Erkenntnis werden mit einem poetischen Beispiel anschaulich gemacht: Das Meer und die Insel.
Landschaften im Nebel. Meteora, Griechenland, 1986, Foto Robert Seidemann
Nachdem Kant aufgezeigt hat, wie Erkenntnis möglich ist, wendet er sich den Bereichen zu, an denen unsere Erkenntnis an Grenzen stößt. Sie zu überschreiten ist unserem Verstand nicht möglich, er gerät dabei auf Abwege. Um dies zu verdeutlichen, benutzt Kant die geradezu poetische Schilderung von den Inseln im Meer einer Landschaft im Nebel.
„Der transzendentalen Doktrin der Urteilskraft (Analytik der Grundsätze) Drittes Hauptstück
Von dem Grunde der Unterscheidung aller Gegenstände überhaupt in Phaenomena und Noumena
Wir haben jetzt das Land des reinen Verstandes nicht allein durchreist, und jeden Teil davon sorgfältig in Augenschein genommen, sondern es auch durchmessen, und jedem Dinge auf demselben seine Stelle bestimmt. Dieses Land aber ist eine Insel, und durch die Natur selbst in unveränderliche Grenzen eingeschlossen. Es ist das Land der Wahrheit (ein reizender Name), umgeben von einem weiten und stürmischen Ozeane, dem eigentlichen Sitze des Scheins, wo manche Nebelbank, und manches bald wegschmelzende Eis neue Länder lügt, und indem es den auf Entdeckungen herumschwärmenden Seefahrer unaufhörlich mit leeren Hoffnungen täuscht, ihn in Abenteuer verflechtet, von denen er niemals ablassen und sie doch auch niemals zu Ende bringen kann. Ehe wir uns aber auf dieses Meer wagen, um es nach allen Breiten zu durchsuchen, und gewiß zu werden, ob etwas in ihnen zu hoffen sei, so wird es nützlich sein, zuvor noch einen Blick auf die Karte des Landes zu werfen, das wir eben verlassen wollen, und erstlich zu fragen, ob wir mit dem, was es in sich enthält, nicht allenfalls zufrieden sein könnten, oder auch aus Not zufrieden sein müssen, wenn es sonst überall keinen Boden gibt, auf dem wir uns anbauen könnten; zweitens, unter welchem Titel wir denn selbst dieses Land besitzen, und uns wider alle feindseligen Ansprüche gesichert halten können. Obschon wir diese Fragen in dem Lauf der Analytik schon hinreichend beantwortet haben, so kann doch ein summarischer Überschlag ihrer Auflösungen die Überzeugung dadurch verstärken, daß er die Momente derselben in einem Punkt vereinigt.“
Vom Verstand zur Vernunft
Das Meer und die Insel: Unser Verstand kann Wahrnehmung, Schema und Kategorien nur anwenden um die Erscheinungen der Insel zu erkennen. Die Instrumente taugen nicht für die Nebelbänke und schmelzenden Eisberge im Meer des Scheins. Die Welt der Ideen. Das Denken im Bereich der Ideen erfolgt notwendig unter Verzicht auf Anschauung und Begriffe und führt dadurch unvermeidlich zu Fehlschlüssen. Mit den Fehlschlüssen betritt man den schwankenden Boden der transzendentalen Dialektik. Wer einmal selbst das Phänomen Küstennebel erlebt hat oder in dichte Wolken gehüllt eine Skipiste hinabgefahren ist, kann sich das gut vorstellen. Der Verstand begibt sich auf eine Art Blindflug.
Die Insel = Welt des Phaenomenons (das Erscheinende)
Der Ozean = Die Welt des Noumenons (das Gedachte) „von negativem gebrauch“
Die transzendentale Dialektik: „dialegomai“ ich unterhalte mich. Platonische Dialoge des Sokrates. Methode von Rede und Widerspruch. Für Kant die Logik des Scheins: Ideen verwickeln sich in Widerspruch. Die Welt der Vernunft. Die Vernunft macht mit dem Verstand dasselbe, was der Verstand mit den Anschauungen macht. Während der Verstand die Mannigfaltigkeit der Anschauungen ordnet, ordnet die Vernunft die Regeln des Verstandes. (Ab S.236)
Mensch: Zu den Bedingungen, denen der Mensch unterworfen ist, muss es etwas Unbedingtes, Absolutes, als Einheit dieser Bedingungen geben: Unsterblichkeit der Seele. (Psychologie)
Freiheit: Zu den Bedingungen, denen die Welt als Bedingung aller Erscheinungen unterworfen ist, muss es etwas Unbedingtes als Einheit dieser Bedingungen geben: Freiheit. (Kosmologie)
Gott: Zu allen Bedingungen schlechthin, denen alles Denken und alles Gedachte unterworfen ist,
muss es etwas Unbedingtes als Einheit dieser Bedingungen geben: Gott. (Theologie)
Die Entlarvung der transzendentalen Dialektik, 2.Buch:
zu den Bedingungen, denen Mensch, Welt und Gedachtes unterworfen ist, muss es etwas Unbedingtes als Einheit dieser Bedingungen geben. Sind die Bedingungen gegeben, wird auch das Unbedingte gegeben sein. Seele, Welt und Gott werden als erkennbare Gegenstände der Betrachtung behandelt. Die berühmten Fehlschlüsse sind die Folge.
Abhandlung durch Paralogismen (Fehlschlüsse), Antinomien (Widersprüchlichkeit) und das transzendentale Ideal.
Seele: Paralogismen Das Cogito ergo sum ist Ursprung aller Kategorien aber ist nicht aus der Anschauung ableitbar. Die transzendentale Einheit des Bewusstseins ist eine formale Einheit im Denken. Der dialektische Schein entsteht durch die Verdinglichung des „Ich denke“. Somit hat die Seele kein Dasein, aber sie hat auch kein Nichtsein. Sie bleibt eine unverzichtbare transzendentale Idee.
Welt: Antinomien: Widersprüche, die gleichzeitig bestehen und beide richtig sind. Der Mensch ist frei/ist nicht frei. Freiheit und Gebundenheit stehen im Gegensatz, sind aber für das Verständnis vom Mensch notwendig. Gott ist ein verborgener/offenbarter Gott. Ein verborgener führt zur Sprachlosigkeit, ein Offenbarter zu selbstherrlichem Bescheid-Wissen über ihn. „Es ist das tragische Schicksal der Vernunft sich dort in Widersprüche zu verwickeln, wo sie einen Anspruch auf Absolutheit anmeldet.“
1. Antinomie:
Thesis: Die Welt hat einen Anfang in der Zeit und ist dem Raum nach in Grenzen eingeschlossen.
a) Die Welt hat einen Anfang in der Zeit: Hätte sie keinen Anfang in der Zeit, müsste eine unendliche Zeitreihe vorausgesetzt werden. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wäre also eine Ewigkeit abgelaufen. Eine verflossene Zeitreihe kann aber nur endlich sein und niemals unendlich.
b) Die Welt hat einen Anfang im Raum, sie ist in Grenzen eingeschlossen: Hätte sie keine Grenzen, wäre sie ein unendliches Ganzes. Dies ist aber nicht möglich, da dann diese Unendlichkeit in einer endlichen Zeitreihe gesehen werden müsste.
Anthithesis:
2.Antinomie:
Thesis: Eine jede Sache in der Welt besteht aus einfachen Teilen, und es existiert überall nichts als das Einfache, oder das, was aus diesen zusammengesetzt ist. (Ist die Seele von gleicher Teilbarkeit und Verweslichkeit wie die Materie?) Beweis: Gäbe es kein aus einfachen Teilen zusammengesetztes, würde nichts bleiben, weder ein Zusammengesetztes noch ein einfaches Teil. Fatale Folge: es gäbe gar keine Substanz
Antithesis: Kein zusammengesetztes Ding in der Welt besteht aus einachen Teilen, und es existiert überall nichts Einfaches in derselben. Beweis: Gäbe es ein Zusammengesetztes aus einfachen Teilen, müsste jedes Teil einen eigenen Raum einnehmen und es Teile vom Raum geben. Alles Reale abe im Raum schließt Mannigfaltiges in sich ein und kann deshalb nicht einfach sein.
3.Antinomie:
Thesis: Die Kausalität nach Gesetzten der Natur ist nicht die Einzige, aus welcher die Erscheinungen der Welt abgeleitet werden können. Es ist noch eine Kausalität durch Freiheit zur Erklärung derselben anzunehmen notwendig. Beweis: Gäbe es keine Freiheit, etwas neu anzufangen, würde alles einen vorigen Zustand voraussetzen. Jede Kausalität würde eine andere Kausalitätskette voraussetzen. Da in der Natur nie etwas ohne Ursache passiert, gäbe es keinen ersten Anfang. Ohne Anfang aber wäre jede Reihe unvollständig. So widerspricht der Satz von der Naturgesetzlichkeit wegen seiner unbeschränkten Allgemeingültigkeit sich selber. Es muss etwas geben, das es mir ermöglicht etwas Neues anzufangen: absolute Spontaneität der Ursachen oder tr.Freiheit
Antithesis: Es gibt keine Freiheit in der Welt, sondern alles geschieht nach den Gesetzen der Natur
Beweis: Gäbe es Freiheit, würde nicht nur eine Reihe durch Spontaneität anfangen, sondern auch die Kausalität würde anfangen. Somit ginge nichts vorher, wodurch Geschehenes durch Gesetze bestimmt sei. Aber ein jeder Anfang setzt einen Zustand der noch nicht handelenden Ursache voraus. Somit hätte ein erster Anfang einen Zustand vorausgesetzt, der mit dem vorhergehenden in keinem Zusammenhang steht. Was aber in keinem gesetzlichen Zusammenhang steht, kann nicht erkannt werden, es ist ein leeres Gedankending.
Ergo: Es müssen Freiheit und Kausalität zugleich stadtfinden können!
4.Antinomie:
Thesis: Zu der Welt gehört etwas, das entweder als ihr Teil, oder ihre Ursache, ein schlechthin notwendiges Wesen ist. Unsere Welt basiert auf Veränderungen. Jede davon beruht auf einer Bedingung, die notwendig ist. Die Reihe setzt etwas schlechthin Notwendiges voraus, das absolut notwendig ist. Dieses gehört aber zu dieser Welt.
Antithesis: Es existiert überall kein schlechthin notwendiges Wesen, weder in der Welt, noch außer ihr, als ihre Ursache. Gäbe es dieses Wesen, wäre in der Welt ein Anfang, der als Notwendigkeit keine Ursache haben dürfte. Nach den Gesetzten der Natur unmöglich.
Durch Anschauung, Begriff und Urteil wird uns die Wirklichkeit gegeben.
Meteora Klöster, Griechenland, Foto: Robert Seidemann 1986
Die Frage, die Kant in seiner ersten Kritik untersucht, ist die Art und Weise, wie wir die Wirklichkeit erkennen. Er entwirft dazu ein Modell, das sich gut mit den jüngsten Forschungsergebnissen der Neurophysiologen deckt. In seiner Arbeit benutzt er eine Reihe von Begriffen, die für er seinem Modell zugrunde gelegt hat und die für ein Verständnis unabdingbar sind. Ich habe hier einige davon als Liste zusammen-gestellt: Ausdruck Begriffe zu Kritik der reinen Vernunft. Bei seiner Betrachtung ist er darauf aus, die dieser Erkenntnis zu Grunde liegenden Aspekte herauszuarbeiten. Dazu muss alles weg, was aus der Erfahrung stammt. Dieses Wissen ist zufällig und personenbezogen, taugt also nichts für fundamentale Erklärungen. Es entwickelt sich ein Erkenntnismodell, wo Begriffe aus dem Verstand und die Erfassung der Wirklichkeit über unsere fünf Sinne sich gegenseitig durchdringen. Jeweils für sich allein können sie nichts bewirken: „Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind“. (Die Kritiken, Zweitausendeins Verlag, 2008, S.134). Damit erklärt sich, warum der Ire 60 Arten von Grün kennt, ein Geologe beim Spaziergang endlose Details aufzeigt, wo ein Laie nur graue Felsen sieht und warum neue Erkenntnistechniken wie die Optik oder die Weltraumfahrt unser Weltbild so stark prägen, dass wir von der Erde heute eine Vorstellung als blauer Kugel haben. Frühere Generationen haben Begriffe wie Scheiben und Sphären verwendet. Hier nun in kurzen Zügen die Grundpfeiler des kantschen Modells zu Erkenntnis und Urteilsbildung mit einigen Beispielen:
1 Transzendentale Ästhetik
Innerhalb der Sinnlichkeit ordnen Raum und Zeit alle Empfindungen: Gegenstände werden uns gegeben.
2 Transzendentale Logik
Der Verstand formt die geordneten Empfindungen und erhebt sie zu Begriffen. Gegenstände werden gedacht.
3 Transzendentale Analytik
Begriffe werden vom Verstand zu Urteilen verknüpft. (Im Prinzip ist Begriffsbildung auch schon ein Urteil, Unterabteilung von 2). Ordnungsfaktoren dieser verknüpfenden Tätigkeit nennt er transzendentale Grundbegriffe oder Kategorien:
I. Quantität: Allgemeine – Besondere – Einzelne
II. Qualität: Bejahende – Verneinende – Unendliche
III. Relation: Kategorische – Hyphotetische – Disjunktive
IV. Modalität: Problematische – Assertorische – Apodiktische
Einzelurteil: Sam ist Amerikaner
Besonderes: Einige Tiere sind Beuteltiere
Allgemeines: Alle Menschen sind sterblich
Bejahendes: Der Dom von Florenz ist hoch
Verneinendes: Die Uffizien sind nicht hoch
Unendliches: Jenes Haus am Arno ist kein Dom (könnte sonstwas sein: Wohnhaus, Krankenhaus…)
Kategorisches: Das Dreieck hat drei Seiten. Der Kreis ist rund. Unbedingtes Urteil
Hypothetisches: Wenn die Sonne scheint, schmilzt die Butter
Disjunktives: Der Hund ist entweder ein Schäferhund oder ein Dackel
Problematisches: Es könnte heute Schnee fallen (vermutendes)
Assertorsiches: Es wird heute schneien (behauptendes Urteil)
Apodiktisches: Ich muss eines Tages sterben
Wie kann sich nun etwas, das jenseits meiner Verfügbarkeit und Begreiflichkeit ist, auf mich beziehen? Durch die transzendentale Deduktion. Mein Verstand formt den Begriff Katze. Subsumierung der Anschauung unter die Kategorie, die Allheit Tier mit Pfoten. Gibt es nun Kategorien, weil es Gegenstände gibt, oder gibt es Gegenstände, weil es Kategorien gibt? Hier im Beispiel: Die Kategorie der Einheit produziert die Anschauung des Fellwesens. Alternativ die Kategorie der Relation: Die Butter auf dem Tisch schmilzt, weil die Sonne scheint. Die sinnliche Erfahrung nimmt die Sonne wahr und sieht die Verflüssigung der Butter. Das Kausalprinzip stammt aus dem Verstand. Es gilt notwendig und allgemein (a priori) für alle Erfahrung. Der Verstand prägt wie ein Stempel die Kategorie der Kausalität in das Rohmaterial der sinnlichen Wahrnehmung und findet diese in der Wahrnehmung wieder.
Objektiv: Einschaltung des „Ich denke“ für die Erkenntnis.
Wichtiger Aspekt in der Urteilskraft: Das subjektive “ich denke“ ist die objektive Bedingung für das Erkennen von Objekten. Das erkannte Objekt ist nichts anderes als das Produkt der einigenden Tätigkeit des „Ich denke“, das sich der reinen Denkformen, der Kategorien, bedient, ja sogar ihnen noch vorgeschaltet ist. Verstand ist das Vermögen der Erkenntnisse.
Bsp: § zum Mord im StGb.: die objektive Gültigkeit muss durch die subjektive Beurteilung von Richtern usw. geklärt werden.
§22 Die Kategorie hat keinen anderen Gebrauch zum Erkenntnisse der Dinge, als ihre Anwendung auf Gegenstände der Erfahrung. Gesetzte existieren nicht in den Erscheinungen, sondern in deren Bezug auf das Subjekt.
Fabrizio De André, Verfasst mit Francesco De Gregori
Vom Album „Volume 8“ bzw.bei mir auf der LP “The Best of Fabrizio de André”, Teldec 1977, die ich damals 19,90 DM im Musikhaus Hamburg erstanden habe, wie das Preisschild sagt.
Das Lied ist geheimnisvoll und der Text fordert zum Interpretieren auf. Klar ist hier zunächst einmal gar nichts. Aber es geht irgendwie um die moralische Bewertung von Verhalten: Der Zuschauer einer Militärparade wird angespuckt: Das ist doch nichts wenn man es mit dem Potential der vorbeiziehenden Miltärkolonne vergleicht. Der so Bespuckte folgt dem Geheimnisvollen auf dessen rauhen Weg. Als nächstes klaut er in einer Straße hinter dem Bahnhof einer Nutte das Geld. So ist es besser, das ist wie vorher, als es noch Liebe ohne Geld gab. Die Frau folgt dem Geheimnisvollen auf seinem harten Weg. Der Geheimnisvolle mit seinen eigenwilligen Handlungen, der irgendwo zwischen Zarathustra und Mephistopheles angesiedelt ist, verschwindet schließlich wie alle anderen Heilsbringer vorher auch. Die Menschheit diskutiert mal wieder über die Ethik: war das, was er tat nun gut oder schlecht? Sollen wir seinem Weg folgen? Letzteres ist sinnlos, so wie es das blinde Befolgen einer Gebotsethik auch, aber zum Trost gibt es für jeden etwas Liebe entlang seines eigenen, rauhen Wegs. Cattivo einfach nur mit Schlecht zu übersetzen finde ich unzureichend, es gibt weitere Bedeutungen und vielleicht ist es am besten, abwechselnd auf einige davon zurückzugreifen. Unter der Übersetzung finden sich weitere Optionen.
La cattiva strada
Alla parata militare
sputò negli occhi a un innocente
e quando lui chiese „Perché “
lui gli rispose „Questo è niente
e adesso è ora che io vada“
e l’innocente lo seguì,
senza le armi lo seguì
sulla sua cattiva strada.
Sui viali dietro la stazione
rubò l’incasso a una regina
e quando lei gli disse „Come “
lui le risposte „Forse è meglio è come prima
forse è ora che io vada “
e la regina lo seguì
col suo dolore lo seguì
sulla sua cattiva strada.
E in una notte senza luna
truccò le stelle ad un pilota
quando l’aeroplano cadde
lui disse „È colpa di chi muore
comunque è meglio che io vada “
ed il pilota lo seguì
senza le stelle lo seguì
sulla sua cattiva strada.
A un diciottenne alcolizzato
versò da bere ancora un poco
e mentre quello lo guardava
lui disse „Amico ci scommetto stai per dirmi
adesso è ora che io vada“
l’alcolizzato lo capì
non disse niente e lo seguì
sulla sua cattiva strada.
Ad un processo per amore
baciò le bocche dei giurati
e ai loro sguardi imbarazzati
rispose „Adesso è più normale
adesso è meglio, adesso è giusto, giusto, è giusto
che io vada “
ed i giurati lo seguirono
a bocca aperta lo seguirono
sulla sua cattiva strada,
sulla sua cattiva strada.
E quando poi sparì del tutto
a chi diceva „È stato un male“
a chi diceva „È stato un bene “
raccomandò „Non vi conviene
venir con me dovunque vada,
ma c’è amore un po‘ per tutti
e tutti quanti hanno un amore
sulla cattiva strada
sulla cattiva strada.
Der Weg mit X (X=cattivo)
Bei einer Militärparade
Spuckte er in die Augen eines Unschuldigen
Und als der ihn fragte „warum?“
Antwortete er ihm „das ist doch nichts.
Und jetzt ist es Zeit, dass ich gehe“
Und der Unschuldige folgte ihm.
Ohne Waffen folgte er ihm
Auf seinem unerbittlichen Weg.
Auf der Allee hinter dem Bahnhof
Stahl er die Einnahmen einer Hure.
Und als sie ihn fragte „wie?“
Antwortete er „vielleicht ist es besser, es ist wie vorher“
Vielleicht ist es Zeit, dass ich gehe.
Und die Hure folgte ihm
Mit ihrem Schmerz folgte sie ihm
Auf seinem entschiedenen Weg.
Und in einer mondlosen Nacht
Verstellte er einem Piloten die Sterne.
Als das Flugzeug abstürzte
Sagte er: Es ist die Schuld derer, die sterben
Wie auch immer es ist besser, dass ich gehe.
Und der Pilot folgte ihm
Ohne Sterne folgte er ihm
Auf seinem schrecklichen Weg.
Einem achtzehnjährigen Alkoholiker
Schenkte er noch etwas zu trinken nach
Und während der ihn anstarrte
Sagte er: Freund, ich wette du willst mir sagen
Es ist Zeit, dass ich gehe.
Der Alkoholiker verstand ihn
Er sagte nichts und folgte ihm
Auf seinem unguten Weg.
Bei einem Prozess in Liebesangelegenheiten
Küsste er die Geschworenen auf den Mund
Und auf ihre verlegenen Blicke
Antwortete er: jetzt ist es normaler
Jetzt ist es besser, jetzt ist es richtig
Richtig, es ist richtig dass ich gehe.
Und die Geschworenen folgten ihm
Mit offenem Mund folgten sie ihm
Auf seinem gnadenlosen Weg.
Und als er dann völlig verschwand
denjenigen, die sagten er war ein Übel
denjenigen, die sagten er war ein Wohl
Empfahl er: Es lohnt sich nicht für euch
Mir zu folgen wo auch immer ich hingehe
Aber es gibt für jeden ein wenig Liebe
Und jeder hat eine Liebe
Auf dem rauhen Weg
Auf dem schlechten Weg.
Weitere Angebote für X=Cattivo
Leo zu cattivo, cattiva adj., schlecht, gemein, böse, Schlimm, Übel, ungut, beleidigend, negativ,
Mich hatte die Rezension von Thorsten Gräbe über die Neuübersetzung von Heinz Jatho in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5.10.2013 auf auf das Buch aufmerksam gemacht. Bei einem Bummel durch Straßburg wollte ein Buch kaufen und ich gedachte die Originalausgabe kaufen. In der FNAC fiel mir der Name nicht ein. Ich fragte also die Verkäufer nach dem Reisebericht eines brühmten französichen Adeligen nach Amerika im 18.Jhd., was aber nur auf entgeisterte Gesichter stieß. Abends im Hotel habe ich dann den Text in wenigen Minuten gefunden und als pdf heruntergeladen. Er ist durch die Reise in ein mit Frankokanadiern besiedeltes Gebiet an der großen Seen von großer kultureller Bedeutung für das heutige Québeck. Den Reisebericht mitsamt den Briefen an seine Kusine findet man unter dem Titel „Au bas Canada“ als Word, RTF und PDF in der Bibliothèque Paul-Émile-Boulet de l’Université du Québec à Chicoutimi
Deutsche Übersetztungen
Alexis de Tocqueville, In der Nordamerikanischen Wildnis,
Eine Reiseschilderung aus dem Jahr 1831, Übertragen und mit einem Nachwort versehen von Hans Zbinden, Huber Verlag Bern und Stuttgart, 1953 mit aufwendigen, einzeln eingeklebten Drucken.
Die in der Frankfurter Allgemeine Zeitung besprochene Neuübersetzung von Heinz Jatho:
Alexis de Tocqueville, Fünfzehn Tage in der Wildnis,
Diaphanes Verlag, Zürich/Berlin 2013
ISBN 9783037343289, Broschiert, 160 Seiten, 12,95 EUR
Aus dem Französischen von Heinz Jatho. Mit einem Nachwort von Robin Celikates. Während seiner großen Nordamerikareise, die eigentlich den Beobachtungen des amerikanischen Rechtssystems gewidmet war und der wir letztendlich auch sein Hauptwerk „Die Demokratie in Amerika“ verdanken, begab sich Alexis de Tocqueville für zwei Wochen auf Abwege. Auf der Suche nach der Wildnis und den Ureinwohnern des Kontinents durchreist er den Bundesstaat New York, überquert den Eriesee und findet schließlich fast unberührte Täler im Distrikt Michigan. Der Bericht seiner Eindrücke und Begegnungen zeichnet ein unmittelbares Bild von der Verheerung und Erschließung, der Zerstörung und Zivilisierung des Kontinents und seiner Bevölkerung.