Über Tocqueville

Alexis de Tocqueville ist der Umgangsname von Alexis-Henri-Charles Clérel, Graf  von Tocqueville (1805-1859). Er ist Philosoph, Politiker, ein Vorläufer der Soziologie und Schriftsteller. Er ist mit Chateaubriand verwandt, der ein Onkel von ihm ist. Er wurde durch seine Betrachtungen über die Französische Revolution und die amerikanische Demokratie bekannt. Die hier beschriebene Reise machte er mit seinem Freund Gustave de Beaumont vom 19.7.bis zum 31.7.1831. Tocqueville begab sich mit seinem Freund nach Amerika, um für die französische Regierung das amerikanische Gefängniswesen zu studieren. Dabei nutzte er die Gelegenheit, die Region der großen Seen kennenzulernen.

In diesem Bereich sind Siedler aus England, Frankreich und den unlängst gegründeten Vereinigten Staaten unterwegs. Ihre Siedlungen stoßen bis an den  Rand der zivilisierten Welt vor, d.h. den von weißen Siedlern gerodeten sowie von Wild und Ureinwohnern bereinigten Gebieten. Tocqueville erweist sich dabei als scharfsinniger Beobachtung des ökologischen Raubbaus, der hier stattfindet. Er ist von Anbeginn an scharf auf die Überschreitung dieser unsichtbaren Grenze, um vielleicht noch einen letzten Blick auf die ursprüngliche Natur und ihre Bewohner vom Stamm der Chippewa zu erhaschen. Er ist ein ausgezeichneter Schriftsteller und man merkt schnell die Komplexität seiner Gedanken beim Übersetzen. Im Schreiben und Formulieren war er seinem Freund Beaumont deutlich überlegen. Da er diesen nicht durch die Veröffentlichung seiner bestechend gut formulierten Texte kränken wollte, verzichtete er zeitlebens auf eine Veröffentlichung. Der Reisebericht wurde dann auch erst posthum von seinem Freund de Beaumont im Jahr 1861 veröffentlicht.

Sein Leben, sein Werk und die Kritik an der Demokratie bei Genealogie Schlöder/Schleder

Von der Astrologie zur Astronomie

Von der Astrologie zur Astronomie, Ringvorlesung 14/15 am 9.12.14
Prof. Dr. Ansgar Reiners, Georg-August-Universität Göttingen, Institut für Astrophysik

Umbruch

Den Umbruch stellt Reiners an den Beginn seines Vortrags. Er findet statt, als die schon seit ältesten Zeiten stattfindenden Beobachtungen des Himmels in einer Kombination aus Beobachtung und Experiment untersucht und verifiziert werden und dabei das über mehrere Jahrtausende gefestigte Weltbild durch neue Anschauungen und Begriffe ersetzt wurde. Die beiden wichtigsten Aspekte sind:
1. Die Erde bewegt sich und
2. Sie ist nicht der Mittelpunkt des Universums.

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Dabei gehen wie stets die durch neue Techniken geschaffenen Bilder in den Verstand ein und prägen sich ein. Dies ist vor Allem der Anblick der Erde aus dem All, den es erst seit dem letzten Jahrhundert gibt. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen sind im täglichen Leben nur wenig spürbar: immerhin folgt aus Erdumfang und Tageslänge, dass wir uns hier mit 1800 km/h um die Erdachse drehen (am Äquator sind es nur 1000 km/h).

Die Anfänge der Himmelsbeobachtung

Die ältesten Nachweise in schriftlicher Form finden sich auf den Venus-Tafeln des Ammi-saduqa. Bei den aus der Bibliothek Assurbanipals stammenden Keilschrifttafeln  (Grotefend aus Göttingen) handelt es sich um Abschriften früherer Texte, die von den Originalen aus der Regierungszeit Ammi-saduqas (1646 bis 1626 v. Chr. nach der mittleren Chronologie) angefertigt wurden. Die Venus-Tafeln zeigen in einer lückenlosen 21-jährigen Datensammlung die Venus-Sichtbarkeit in tabellarischer Form. Die bekannteste Tafel aus der Sammlung Enuma Anu Enlil ist im britischen Museum in London ausgestellt.

Die Beobachtung der Himmelskörper diente damals vorrangig der Kommunikation mit den Göttern und zur meterologischen Vorhersage für die Landwirtschaft. In Bauwerken wie Stonehenge werden die Jahreszeiten durch den Lichteinfall anschaulich. Die Mikrokosmos/Makrokosmus Lehre schuf eine Beziehung zwischen den Gestirnen und dem menschliche Schicksal.

Aristoteles

Den größten und nachhaltigsten Einfluss hatte die Kosmologie von Aristoteles (384 – 322 v.Chr.). Er schuf ein sinnvolles Weltbild, das bis ins 17.Jhd. die Weltanschauung prägte. Im Zentrum des Weltalls befindet sich die unbewegte Erde. In dieser „sublunaren Sphäre“ herrscht ständiger Wandel, ein Wechsel von Entstehen und Zerfall; die vier Elemente, Feuer, Wasser, Luft und Erde, stehen in beständiger Wechselbeziehung zueinander und sind ineinander umwandelbar. Die Himmelskörper  dagegen sind nicht irdischer Natur. Sie bestehen auch nicht aus den irdischen Elementen, sind keinem Wandel unterworfen und bewegen sich auf  unveränderlichen Kreisen um die Welt. Ihr Wesen ist die später sogenannte Quinta essentia, das auf der Erde nicht vorkommende fünfte Element, die Quintessenz. (vgl. Heike Hild in Alchemie, Claus Priesner und Karin Figala, Hrsg., C.H.Beck, München 1998). Unter Rückgriff auf die Phytagoräer gelten die Kreis- und Kugelform als perfekt. Aristoteles stellt eine Reihe von Fragen, die von fundamentaler Bedeutung sind, so auch die Aufgabe, dass es zu prüfen gilt, ob außerhalb dieser Welt eine weitere Welt ist.

Aristarch von Samos

Aristarch (310 -230 v.Chr.) war Mathematiker und Astronom und versuchte als erster eine exakte Berechnung der Größen und Entfernungen von Sonne und Mond. Aristarch beobachtete von 288 bis 277 v.Chr. in Alexandria und hielt die Sonne für einen Fixstern, also wohl auch die Fixsterne für Sonnen, was vielleicht der bemerkenswertere Teil dieser Ansicht ist. Seine herausragende Leistung ist die ihm zugeschriebene Vermutung des heliozentrischen Systems. Sonne und Fixsterne gelten als feststehend, die Erde dreht sich um die Sonne. Wie viele andere griechische Schriften gelangte die Abhandlung „Über die Größen und Entfernungen von Sonne und Mond“ durch die Araber nach Westeuropa. Eine Übersetzung der Arbeit Aristarchs vom Griechischen ins Arabische besorgte Qusta ibn Luqa al-Ba´labakki (gest. um 912). Ins Lateinische übersetzte dieses dann Giorgio Valla (1447- 1499) im Jahr 1488. Sein Werk wurde erst durch die Publikation im Jahr 1544 (Gutenberg/Buchdruck), ein Jahr vor dem Tod des Kopernikus, wiederentdeckt.

Claudius Ptolomäus

Claudius Ptolemäus ( Κλαύδιος Πτολεμαῖος = Klaúdios Ptolemaíos, lateinisch Claudius Ptolomaeus) *um 100, möglicherweise in Ptolemais Hermeiou, Ägypten und † nach 160, vermutlich in Alexandria, war ein griechischer Mathematiker, Geograf, Astronom, Astrologe, Musiktheoretiker und Philosoph. Insbesondere seine drei Werke zur Astronomie, Geografie und Astrologie galten in Europa bis in die frühe Neuzeit als wichtige umfangreiche Datensammlungen und wissenschaftliche Standardwerke. Er schuf ein Bild von der Erde mit Sphären. Sonne und Planeten kreisen demnach in Kreisen um die Erde. In diese Vorstellung sind Beobachtungen eingeflossen. Er benötigte 50 Kreise zur Erklärung der Bewegungen der Sterne. Es war die einzig mögliche Erklärung zu seiner Zeit. Sein Planisphärium konnte die Bewegungen nur durch zusätzliche Kreise erklären, die auf den Hauptkreisen zirkulieren. Es folgte das Mittelalter als erkenntnisfreie Zeit.

Albertus Magnus

Albertus Magnus, Paris und Köln, 1200-1280, Astronomie ist eine mathematische Disziplin, deren Berechnungen von der Astrologie interpretiert werden. Bei der Datenaufnahme und Interpretation sind objektive Fragen erlaubt. In Fragen des Glaubens geht es nach Augustinus.

Nikolaus von Kues

Nikolaus von Kues, Kusanius, 1401-1464, Sein Werk „De docta ignorantia“ (Die belehrte Unwissenheit) stellt fest: Ich erkenne, dass ich einiges nicht weiß. Die Erde kann nicht Mittelpunkt der Erde sein, also muss sie auch bewegt sein.

Nikolaus Kopernikus

Nikolaus Kopernikus, 1473-1543, Arzt und Domherr, Schreibt ca. 1509 die Comentariolos „Nicolai Copernici de hypothesibus motuum coelestium a se constitutis commentariolus“ Nikolaus Kopernikus’ kleiner Kommentar über die Hypothesen der Bewegungen der Himmelskörper, die von ihm selbst aufgestellt wurden. Diese Notizen werden nicht groß veröffentlicht, er hat Angst sich lächerlich zu machen. Immerhin gelangt das Wissen darüber bis zu Martin Luther, der in seiner Tischrede 1539 darauf Bezug nimmt. Erst 30 Jahre später, kurz vor seinem Tode im Jahre 1543, veröffentlichte er sein Hauptwerk „De revolutionibus orbium coelestium“, in welchem er die Sonne ins Zentrum stellt und den Planeten, die um diese Kreisen „heliozentrisches Weltbild“. Er entwarf ein Modell mit wiederum 5o Kreisen. Er war sich der Konsequenz seiner These bewußt: Warum merken wir nichts von der gewaltigen Geschwindigkeit, mit der wir uns auf einer rotierenden Kugel bewegen?

Die Religion und das Leben: es bahnt sich ein Umbruch an. Welt und Mensch stehen nicht mehr im Zentrum. Neue Fragen tun sich auf: Ist das All unbegrenzt? Dies ist eine beängstigende Vorstellung gegenüber den relativ überschaubaren 8 Sphären der Alten. Es ist sowas wie eine Stunde O, alles alte Wissen ist plötzlich obsolet.

Bernardino Telesio

1509-1588, De rerum natura, Entwickelt Konzepte von Materie und Kraft, postuliert unabhängige Beobachtungen der Natur. Man soll die Natur befragen. Telesio ist ein Vorläufer der Aufklärung.

Tycho Brahe

Tycho Brahe, 1546-1601, ist der erste wissenschaftlich und sorgfältig arbeitende Astronom. . Da das Fernrohr noch nicht erfunden ist, arbeitet er mit einem Mauerquadrant. Er ermittelte mit seinen Assistenten mehr als 1000 Sternpositionen, alles freihändig und ohne jede Optik. Er konnte seine Daten allerdings nicht analysieren und interpretieren.

Johannes Keppler

Johannes Kepler, 1571-1630, auch Keppler; * 27. Dezember 1571 in Weil der Stadt; † 15. November 1630 in Regensburg, war ein deutscher Naturphilosoph, Mathematiker, Astronom, Astrologe, Optiker und evangelischer Theologe. In Graz war Kepler Mathematiklehrer an der protestantischen Stiftsschule, die der katholischen Universität von Graz gegenüberstand. In Prag war er zunächst Assistent von Tycho Brahe, dann kaiserlicher Mathematiker unter Rudolf II. Diese Stellung behielt er unter Rudolfs Nachfolgern. Unter Matthias I. und Ferdinand II. wirkte er als Landesmathematiker in Linz. Zuletzt diente er General Wallenstein als astrologischer Berater. Johannes Kepler entdeckte die Gesetzmäßigkeiten, nach denen sich Planeten um die Sonne bewegen. Sie werden nach ihm Keplersche Gesetze genannt. Er machte die Optik zum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung und bestätigte die Entdeckungen, die sein Zeitgenosse Galileo Galilei mit dem Teleskop gemacht hatte. Kepler zählt damit zu den Begründern der modernen Naturwissenschaften. Im Mysterium Cosmographicum (Das Weltgehemnis) entwickelt er ein Weltmodell, bei dem die Planeten Bahnen um die Sonne ziehen, die den himmlischen Sphären entsprechen und die pythagoreischen Zahlen widerspiegeln. Das Werk umfasst zwei Teile, wobei der erste eine deduktive mystische Suche nach einer Erklärung des Sonnensystems darstellt. Der  zweite Teil zeigt wissenschaftliche Gedanken: Wenn was nicht passt, war alles vergebens. Es taucht der Gedanke der Falsifikation auf. Im Jahr 1609  veröffentlichte er sein Werk Astronomia Nova (Neue Astronomie). Ausgehend von den Marsbeobachtungen Brahes sind seine Thesen: 1) die Planeten bewegen sich auf Ellipsen und nicht auf Kreisbahnen 2) Sie führen ungleichmäßige Bewegungen aus 3) Er entwickelt ein Konzept der Kraft. Je weiter sie voneinander entfernt sind, desto geringer ist der Einfluss, den sie aufeinander haben. Für eine präzise Berechnung der Bahnen fehlte noch das mathematische Handwerkszeug: die Infinitesimalrechnung.

Galilieo Galilei

Galilieo Galilei (1571-1630). Er veröffentlichte im Jahr 1610 Sidereus Nuncius. Sie war die erste wissenschaftliche Abhandlung, die auf astronomischen Beobachtungen beruhte, die mit einem Teleskop gemacht wurden. Er beschreibt darin aufgrund 4 monatiger Beobachtungen die Mondkrater sowie die Jupitermonde. Die Veröffentlichung löste unter den Philosophen der Zeit große Bestürzung aus: Zahlreiche Schlussfolgerungen des Aristoteles hatten sich durch Experimente, solide Beweise und Beobachtungen als falsch erwiesen.

Francis Bacon

Francis Bacon (1561-1626) veröffentlicht 1620 „Novum organum scientiarum“ (Neues Werkzeug der Kenntnisse) in dem eine neue, wegweisende und moderne wissenschaftliche Methodik entwickelt wird.

Isaac Newton

Issac Newton (1642-1726)  formuliert ein allgemein gültiges Gravitationsgesetzt. Es ist gültig im Himmel und auf Erden. Er hat die keplerschen Ideen gründlich studiert und daraus allgemeine Gesetzte abgeleitet. Er war neben Leibnitz Begründer der Infinitesimalrechnung, die Voraussetzung für die Berechnung von Planetenbahnen ist.

James Bradley

James Bradley (1693-1762) führt Messungen zur Aberration des Lichts durch. Er vertieft so das Wissen um die Bewegung der Erde. Die Aberration wird später auch zu einer wesentlichen Grundlage für die Relativitätstheorie.

Friedrich Wilhelm Bessel

Friedrich Wilhelm Bessel (1784 in Minden- 1846 in Königsberg) war ein deutscher Astronom, Mathematiker, Geodät und Physiker. Er berechnet die sich aus der Bewegung der Erde um die Sonne auftretenden Winkelabweichungen der Fixsterne.

Albert Einstein

Albert Einstein (1879 in Ulm-1955 in Princeton) war ein theoretischer Physiker. Seine Forschungen zur Struktur von Materie, Raum und Zeit sowie dem Wesen der Gravitation veränderten maßgeblich das physikalische Weltbild. Er veröffentlicht 1916 die allgemeine Relativitätstheorie. Mit der Geometrie der Raumzeit entsteht ein neues Weltbild gegen Euklid und Newton.

Verschiedene Ansichten über Gott

Der Katholizismus mit seiner großartigen Beharrlichkeit, seinen absoluten Dogmen, seinen schrecklichen Verdammnissen und seinen unermesslichen Belohnungen, die religiöse Anarchie der Reformation, altertümliches Heidentum: sie alle finden hier ihre Stellvertreter. Man verehrt dort bereits auf sechs unterschiedliche Weisen das Höchste Wesen, das alle Menschen nach seinem Vorbild geschaffen hat. Man macht sich mit Eifer den Himmel streitig, auf den jeder ein exklusives Erbe geltend macht. Und mehr noch, mitten im Elend von Einsamkeit und gegenwärtigen Übeln, erschöpft sich die menschliche Vorstellungskraft damit für die Zukunft unaussprechliche Leiden auszubrüten. Der Lutheraner verurteilt den Calvinisten zum ewigen Fegefeuer, der Calvinist den Unitarier und der Katholik fasst sie alle in einem allgemeinen Missfallen zusammen.

Opinions diverses à l’égard de Dieu

Le catholicisme avec son immobilité formidable, ses dogmes absolus, ses terribles anathèmes et ses immenses récompenses, l’anarchie religieuse de la Réforme, l’antique paganisme trouvent ici leurs représentants. On y adore déjà en six manières différentes l’Être unique et éternel qui a créé tous les hommes à son image. On s’y dispute avec ardeur le ciel que chacun prétend exclusivement son héritage, bien plus, au milieu des misères de la solitude et des maux du présent, l’imagination humaine s’y épuise encore à enfanter pour l’avenir d’inexprimables douleurs. Le luthérien condamne au feu éternel le calviniste, le calviniste l’unitaire et le catholique les enveloppe tous dans une réprobation commune. Pdf S.42

Die Religion

Wir fuhren fort: Dringt die Stimme der Religion manchmal bis zu ihnen (den Siedlern) durch? – Sehr selten; man hat in unseren Wäldern noch nichts vorsehen können, um die öffentliche Abhaltung eines Gottesdienstes zu ermöglichen. Fast jeden Sommer, das schon, durchstreifen einige Methodistenpfarrer die neuen Siedlungen. Die Nachricht ihrer Ankunft verbreitet sich wie ein Lauffeuer von Hütte zu Hütte, es ist die große Neuigkeit des Tages. Zum festgesetzten Zeitpunkt macht sich der Siedler mit seiner Frau und seinen Kindern auf gerade erst frisch durch den Wald geschlagenen Pfaden auf zum verabredeten Treffpunkt. Sie kommen aus einem Umkreis von 50 Meilen dorthin. Es ist keineswegs eine Kirche, wo sich die Gläubigen versammeln, sondern unter freiem Himmel, unter dem Blätterdach des Waldes. Eine Kanzel aus grob behauenen Baumstümpfen, große umgehauene Bäume als Bänke: so sieht die Ausstattung der rustikalen Kirche aus. Die Siedler und ihre Familien campen in den umliegenden Wäldern. An diesem Ort hält die Menge einen selten unterbrochenen Gottesdienst ab, der drei Tage und Nächte lang dauert. Man muss gesehen haben mit welcher Inbrunst sich die Menschen dem Gebet hingeben, mit welcher Andacht sie der weihevollen Stimme des Pfarrers lauschen. In der Wildnis ist man regelrecht ausgehungert nach Religion.

Deutsch von Robert Seidemann

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La religion

Nous reprîmes: « La voix de la religion parvient-elle quelquefois jusqu’à eux? – Très rarement; on n’a pu encore rien prévoir dans nos bois pour assurer l’observation publique d’un culte. Presque tous les étés, il est vrai, quelques prêtres méthodistes viennent parcourir les nouveaux établissements. Le bruit de leur arrivée se répand avec une incroyable rapidité de cabane en cabane; c’est la grande nouvelle du jour. À l’époque fixée, l’émigrant, sa femme et ses enfants, se dirigent à travers les sentiers à peine frayés de la forêt vers le rendez-vous indiqué. On y vient de 50 milles à la ronde. Ce n’est point dans une église que se réunissent les fidèles, mais en plein air, sous le feuillage de la forêt. Une chaire composée de troncs mal équarris, de grands arbres renversés pour servir de sièges, tels sont les ornements de ce temple rustique. Les pionniers et leurs familles campent dans les bois qui l’entourent; c’est là que pendant trois jours et trois nuits la foule pratique des exercices religieux rarement interrompus. Il. faut voir avec quelle ardeur ces hommes se livrent là la prière, avec quel recueillement on écoute la voix solennelle du prêtre. C’est dans le désert qu’on se montre comme affamé de religion. Pdf p.25

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Vom Verschwinden der Ureinwohner

In mitten dieser ach so zivilisierten, so pedantisch auf Moral und Tugend versessenen  Gesellschaft begegnet man einer vollkommenen Empfindungslosigkeit, einer Art eiskaltem und erbarmungslosen Egoismus sobald  es sich um die indigenen Bewohner Amerikas handelt. Die Einwohner der Vereinigten Staaten machen keine Hetzjagd auf Indianer wie es die Spanier in Mexiko machten. Aber es ist dieselbe unbarmherzige Grundhaltung die hier wie überall sonst die europäische Rasse antreibt.

Wie oft begegneten uns während unserer Reise ehrbare Bürger die uns zu abendlicher Stunde, gemütlich in einer Ecke ihres Heims sitzend sagen: Täglich geht die Anzahl Indianer zurück. Das geschieht nicht unbedingt weil wir sie dauernd bekriegen, aber der Schnaps den wir ihnen billig verkaufen rafft jedes Jahr mehr von ihnen hinweg als es unsere Waffen je könnten. Diese Welt  hier gehört uns, fügen sie hinzu. Gott hat den ersten Einwohnern dieses Landes die Möglichkeit der Zivilisation verwehrt und sie so im Vorhinein zur unausweichlichen Vernichtung vorbestimmt. Die wahren Besitzer dieses Landes sind diejenigen, die es verstehen, ihm seine Reichtümer zu entreißen. Soweit zufrieden mit seinen Überlegungen geht der Amerikaner dann in seine Kirche, wo er einem Verbreiter der Evangelien zuhört, der ihm widerholt, dass alle Menschen Brüder sind und sie der Schöpfer sie alle nach demselben Vorbild gemacht hat und ihnen allen die Aufgabe mitgegeben hat sich zu gegenseitig zu beschützen.

Deutsch von Robert Seidemann

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La disparacion des indigènes

Au milieu de cette société si policée, si prude, si pédante de moralité et de vertu, on rencontre une insensibilité complète, une sorte d’égoïsme froid et implacable lorsqu’il s’agit des indigènes de l’Amérique. Les habitants des États-Unis ne chassent pas les Indiens à cor et à cri ainsi que faisaient les Espagnols du Mexique. Mais c’est le même sentiment impitoyable qui anime ici comme partout ailleurs la race européenne.

Combien de fois dans le cours de nos voyages n’avons-nous pas rencontré d’honnêtes citadins qui nous disaient le, soir, tranquillement assis au coin de leur foyer: Chaque jour le nombre des Indiens va décroissant. Ce n’est pas cependant que nous leur fassions souvent la guerre, mais l’eau-de-vie que nous leur vendons à bas prix en enlève tous les ans plus que ne pourraient faire nos armes. Ce monde-ci nous appartient, ajoutaient-ils, Dieu, en refusant à ses premiers habitants la faculté de se civiliser, les a destinés par avance à une destruction inévitable. Les véritables propriétaires de ce continent sont ceux qui savent tirer parti de ses richesses. Satisfait de son raisonnement, l’Américain s’en va au temple où il entend un ministre de l’Évangile lui répéter que les hommes sont frères et que l’être éternel qui les a tous faits sur le même modèle, leur a donné à tous le devoir de se secourir.

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Reiseroute

Alexis de Tocqueville, In der nordamerikanischen Wildnis, Reisebeschreibung aus dem Jahr 1831
Geschrieben auf dem Dampfer Superior, veröffentlicht posthum durch seinen Begleiter Beaumont im Jahr 1866. Titel des Reiseberichts im Original: „Quinze jours au désert“

New York war sein Arbeitsort im Jahr 1830. Als junger Justiziar sollte er für das Justizministerium das amerikanische Gefängniswesen untersuchen und Anregungen für Reformen im heimischen Strafvollzug sammeln. Im July 1831 reiste er mit seinem Freund Gustave de Beaumont zunächst auf dem Hudson bis nach Buffalo, N.Y. (ca.470 km). Von Buffalo aus legten sie dann weitere 100 Meilen (frz. Seemeilen d.h. 440 km) auf dem Eriesee bis nach Detroit zurück. Erst hier gelangten sie allmählich an die Randbezirke der nordamerikanischen Wildnis. Vom Ende des Eriesees aus ging es nun mit Pferden und unter der Führung von Indigenen weiter bis hin zu einer Siedlung der Ureinwohner am Saginawfluss: der langehegte Wunsch geht endlich in Erfüllung. Das Eintreffen dort beginnt mit einer erstaunlichen Überraschung. Der Indianer, der sie mit einem Kanu übersetzt spricht fließend Französisch mit normannischem Akzent…

Reiseverlauf T. (1117x684)

Seginaw, Michigan, die verbliebene Natur im Auenbereich mit kleinem National Wildlife Refuge

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Seginaw, wenige km flussabwärts. Das typische Gittermuster einer amerikanischen Stadt

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Vom allmählichen Vergehen der schönen Natur

Nachdem wir Mr. Williams verlassen hatten, setzten wir unseren Weg quer durch den Wald fort. Von Zeit zu Zeit tauchte ein kleiner See (diese Gegend ist voll davon) auf wie eine silberne Decke unter dem Blätterdach des Waldes. Es fällt schwer sich den Zauber auszumalen, der diese schöne Gegend umgibt, an der der Mensch noch nicht sein Lager aufgeschlagen hat und wo noch immer ein tiefer Frieden und eine durch nichts gestörte Stille herrschen. Ich habe in den Alpen furchterregende Einöden durchwandert, wo sich die Natur der Arbeit des Menschen widersetzt, aber sie entfaltet selbst noch in ihren Schrecken eine Größe, die die Seele bewegt und begeistert. Hier ist die Einsamkeit nicht weniger ausgeprägt, aber es erwachsen daraus nicht dieselben Vorstellungen. Die einzigen Gefühle, die man empfindet, wenn man diese blühende Wildnis durchstreift wo alles, wie in Miltons Paradies, vorbereitet ist für die Ausbreitung des Menschen, sind demütige und melancholische Stimmungen, ein unbestimmter Abscheu gegenüber dem zivilisierten Leben; eine Art von Wildnisinstinkt, der einen mit Trauer bedenken lässt, dass schon bald diese köstliche Einsamkeit ihr Aussehen ändern wird. In der Tat rückt die weiße Rasse durch die umgebenden Wälder vor und in einigen wenigen Jahren wird der Europäer die Bäume gefällt haben, die sich im kristallklaren Wassern der Seen spiegeln und das Wild, das ihre Ufer bevölkert hat, in neue Wildnisse gezwungen haben.
Deutsch von Robert Seidemann

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