Sprichwörter

Marquéz liebt es Sätze einzufügen, die man wie früher auf Kalenderblätter übertragen oder wie heute üblich auf Facebook posten könnte. Sie sind fein auf die Situation abgestimmt, funktionieren aber als universale Aussage auch außerhalb des Romans. Man kann ihnen einfach nur zustimmen und bekommt dabei das Gefühl, dem Stein der Weisen ein Stück näher gekommen zu sein. Hier eine Auswahl:

Das Geheimnis eines guten Alters ist nichts anderes als ein ehrenhafter Pakt mit der Einsamkeit

“…, el coronel Aureliano Buendía apenas si comprendió que el secreto de una buena vejez no es otra cosa que un pacto honrado con la soledad.” Pdf S.83
Die Söhne erben den Spleen ihrer Väter
«No tienes de qué quejarte -le decía Úrsula a su marido-. Los hijos heredan las locuras de sus padres.» Pdf S.19

Ich bin hier von der Übersetzung Curt Meyer-Clasons abgewichen: die Söhne spiegeln in der Tat das Verhalten der größten Vorbilder in ihrem Leben: ihrer Väter. Das Wort hijos kann Kinder oder Söhne bedeuten. Zu Beginn hat Ursula nur Söhne. Ob man Narrheit oder Spleen sagt ist dabei zweitrangig. Der nächste weise Spruch von Urmutter Úrsula bezieht sich auch auf Söhne:

Alle Söhne sind gleich: Anfangs sind sie leicht zu erziehen, sind gehorsam, pflichtbewusst und scheinbar unfähig, einer Fliege etwas zu Leide zu tun. Aber kaum sprießt ihnen ein Barthaar, stürzen sie sich gleich ins Verderben.

«Todos son iguales -se lamentaba Úrsula-. Al principio se crían muy bien, son obedientes y formales y parecen incapaces de matar una mosca, y apenas les sale la barba se tiran a la perdición.» Pdf S.64

Man stirbt nicht wenn man soll, sondern wenn man kann.

“Una mañana encontró a Úrsula llorando bajo el castaño, en las rodillas de su esposo muerto. El coronel Aureliano Buendía era el único habitante de la casa que no seguía viendo al potente anciano agobiado por medio siglo de intemperie. «Saluda a tu padre», le dijo Úrsula. Él se detuvo un instante frente al castaño, y una vez más comprobó que tampoco aquel espacio vacío le suscitaba ningún afecto.
-¿Qué dice? -preguntó.
-Está muy triste -contestó Úrsula- porque cree que te vas a morir.
-Dígale -sonrió el coronel- que uno no se muere cuando debe, sino cuando puede.” Pdf S.100
Auch hier bin ich anderer Meinung als Meyer-Clason: deber würde ich eher mit sollen und nicht mit müssen übersetzten. Es besteht irgendwo der Wunsch bei Erben oder Feinden. Die sagen dann, er soll sterben. Bei muss fällt mir eher ein Todesurteil ein und dann ist das können nicht mehr im eigenen Entscheidungsbereich. Aber das ist beim Oberst Buendía natürlich ein schlechtes Beispiel.

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